1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Der Traum vom Garten auf dem Dach

Augsburg

17.08.2018

Der Traum vom Garten auf dem Dach

Copy%20of%20SchwabcDach_006.tif
2 Bilder
Nach wie vor hat Architektin Sabine Pfister die Bedürfnisse der Bewohner der Schwabencenter-Hochhäuser im Blick – auch wenn es stockend vorangeht.
Bild: Annette Zoepf

Die Glaskuppel auf dem Schwabencenter wirkt außerdem wie ein Gewächshaus. In den dort angelegten Hochbeeten gediehen schon Tomaten und Erdbeeren. 

In den drei Hochhäusern des Schwabencenters leben schätzungsweise 1200 Menschen in 540 Eigentumswohnungen. In den Etagen gibt es lange Korridore mit gedämpftem Licht. In den oberen Stockwerken hat man einen schönen Blick bis zu den Alpen, unten gibt es zumindest den Vorteil, dass man sich in der Ladenpassage des 1971 eröffneten Centers bequem mit allen Dingen des täglichen Bedarfs versorgen und auch einen Arzt oder eine Bank aufsuchen kann. Ein erheblicher Teil der Bewohner sind Senioren. 2015 wurde die Initiative „Lebensraum Schwabencenter“ gegründet, in deren Rahmen neue Formen des Zusammenlebens ausprobiert werden sollen.

Mitverantwortlich für dieses Projekt im Rahmen der Lokalen Agenda 21 und des Vereins „Transition Town Augsburg“ ist die Architektin Sabine Pfister. Nachdem das Schwabencenter kürzlich auch in die Aktion „Wolkenkuckucksheim für alle. Das utopische Wohnlabor“ im Programm des Hohen Friedensfestes einbezogen war, blickte sie im Gespräch mit unserer Zeitung auf eine inzwischen dreijährige Projektarbeit zurück. Einige Aktivitäten werden nach ihren Worten schon seit 2015 vorangetrieben – mit unterschiedlichem Erfolg. „Wir gehen nicht mit Riesenschritten voran, aber immerhin“, sagte sie und wirkte nicht enttäuscht von dem, was sich noch nicht umsetzen ließ.

Treff für Bewohner

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Zu einem Erfolg ist das „Wohnzimmer“ im Schwabencenter geworden. Ein leer stehendes Ladenlokal wurde in einen sozialen Treffpunkt für Schwabencenter-Bewohner und Menschen aus umliegenden Quartieren umgewandelt. In rein ehrenamtlicher Arbeit – zunächst hatte die Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt, Lisa Schuster, als Programmkoordinatorin fungiert – werden inzwischen täglich während der Öffnungszeiten des Einkaufszentrums Veranstaltungen wie Sprachkurse, Reparaturworkshops, Fachberatung, gesellige Treffen oder musische und kreative Kurse angeboten, die insgesamt rege genutzt werden. Im Wohnzimmer tagt auch die Kelleruni, und es gibt immer wieder Ausstellungen. Für ein Einkaufszentrum ist das Wohnzimmer nach wie vor eine besondere Einrichtung, die man anderswo nicht findet.

Das Wohnzimmer soll vor allem einer möglichen Vereinsamung insbesondere in den Schwabencenter-Hochhäusern entgegenwirken. Zusätzlich soll es jetzt eine „Red-Dot“-Aktion geben. Mit einem an die Wohnungstür geklebten roten Punkt können Menschen, die das Wohnzimmer nicht oder nicht so häufig aufsuchen können, signalisieren, dass sie sich über Besuch aus der Nachbarschaft und Gespräche durchaus freuen würden. Um den Sinn der Aktion zu verdeutlichen, wurde sogar eigens ein Video gedreht.

Vermeidung von Plastik

Dankbar ist Pfister für das Engagement des Lehrstuhls für Humangeografie der Uni Augsburg. Studenten und Mitarbeiter des Lehrstuhls untersuchen seit Längerem die Sozialstruktur und die Bedürfnisse der Schwabencenter-Bewohner. So fand gerade eine Befragung statt, an der sich 315 Menschen aus dem Schwabencenter und angrenzenden Stadtvierteln beteiligten. Es ging um die Frage, welche ökologischen Alltagsfähigkeiten die Teilnehmer der Umfrage erlernen wollen. An erster Stelle stand, wohl wegen der aktuellen Thematisierung in den Medien, die Vermeidung von Plastik, gefolgt von Abfallvermeidung allgemein. Sehr gefragt waren auch die Verwertung von Lebensmitteln (statt sie wegzuwerfen), der Eigenanbau von Obst und Gemüse und umweltfreundliche Mobilität.

Obst- und Gemüseanbau ist Pfister schon von Anfang an ein Anliegen. Sie setzt sich dafür ein, das Dach der Mall für Urban Gardening zu nutzen. Weil mit dem geplanten Umbau der Mall aber noch nicht begonnen werden konnte, hat sich auch noch keine Möglichkeit für eine Dachbegrünung ergeben. Sie hätte sowohl ästhetische, ökologische als auch soziale Vorteile. Pfister stellt sich die Anlage von Gemeinschaftsgärten vor, um auch wiederum Schwabencenter-Bewohner in näheren Kontakt zu bringen. Nicht zuletzt würde die Begrünung dem Bauwerk nützen; das Dach würde laut Pfister so länger halten.

Unter der Lichtkuppel vor dem Edeka-Markt hat Pfister kürzlich fünf Hochbeete aufgestellt, wo zunächst Blumen und Salat, dann Tomaten und Erdbeeren gezüchtet wurden. Die Erzeugnisse wurden dann zum Muttertag verschenkt. Der Standort habe sich sehr gut geeignet, sagte Pfister. Die Lichtkuppel wirke wie ein Gewächshaus. Diese Aktion wolle sie weiterverfolgen. In naher Zukunft plant Pfister zudem eine Modenschau im Schwabencenter, bei der die Wiederverwertung bereits getragener Textilien im Mittelpunkt stehen soll.

Verstärkt im Gespräch

Insgesamt hat das Projekt „Lebensraum Schwabencenter“ laut Pfister schon einige Antworten auf die Fragen geliefert, wie Menschen wohnen wollen und was man unter „lebenswertem Wohnen“ in sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und kultureller Hinsicht verstehen kann. Damit sei es auch gelungen, das nicht mehr zeitgemäße Schwabencenter wieder verstärkt ins Gespräch zu bringen. Sie würde sich aber noch mehr freiwillige Helfer wünschen.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Dr. Kurt Gribl
Augsburg

Elias-Holl-Platz: OB Gribl will jetzt mit Bürgern reden

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen