Porträt

07.01.2012

Der Unermüdliche

Dr. Björn R. Kommer, der ehemalige Direktor der städtischen Kunstsammlungen Stadt Augsburg, wird am heutigen Samstag 70 Jahre alt.
Bild: Foto: Fred Schöllhorn

Der frühere Museumsdirektor Björn R. Kommer feiert seinen 70. Geburtstag

Die Arbeit geht ihm nicht aus. Gerade erst hat Björn R. Kommer einen Aufsatz über den Augsburger Goldschmied Abraham II Warnberger abgeschlossen. Er wird im nächsten Jahrbuch des Historischen Vereins für Schwaben erscheinen. Anlass war der Ankauf einer prächtigen Wasserkanne von Warnberger für das schwedische Nationalmuseum Stockholm, die Kommer bereits ausführlich auf Englisch beschrieben hat.

Das Interesse des Kunsthistorikers für Augsburger Schätze ist groß geblieben, auch wenn Kommer schon vor sieben Jahren als Leiter der städtischen Kunstsammlungen in den Ruhestand gegangen ist. „Wenn mich etwas interessiert, muss ich es herauskriegen“, sagt er. Am heutigen Samstag wird er 70.

„Die Augsburger wissen gar nicht, was sie an ihrer Stadt haben, mit welchen Pfunden sie wuchern können“, meint der Museumsmann. Augsburger Silberschmiedekunst findet er heute in den bedeutendsten Sammlungen Europas. „Ich hatte immer Beziehungen nach draußen.“ Auf Interesse an Augsburg stieß Kommer in London, Paris, New York, Moskau, Stockholm. „Unsere Sammlungen sind wirklich gut“, urteilt der ehemalige Direktor.

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Der gebürtige Freiburger Kommer hatte schon früh die Welt kennengelernt. Ab 1946 verbrachte er einen Teil seiner Kindheit bei der Großmutter in Schweden („Es war das Paradies“), lernte Schwedisch und studierte neben Heidelberg auch in Uppsala, wo er sein zweites, schwedisches Staatsexamen ablegte.

Im Keller und Dachboden des Schaezlerpalais gestöbert

Als Kommer 1990 nach Augsburg kam, begann er, den städtischen Kunstmuseen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Im Schaezlerpalais gingen buchstäblich die Fenster auf. Kommer spürte der alten Dekoration nach, stöberte im Keller und im Dachboden nach verräumten Ausstattungsstücken, fand den Kronleuchter, den er mit Originalbehang ergänzte, fand als Trümmer die Konsolen und Spiegel. Alle Teile sind jetzt wieder an ihrem Platz.

Er brachte die Renovierung auf den Weg, die viele Jahre dauern sollte. Auch das Maximilianmuseum verdankt seine heutige Attraktivität mit dem verglasten Innenhof, der geöffneten Eingangshalle, dem Forum, der Loggia und vor allem dem durchgehenden Rundgang in allen Stockwerken Kommers Engagement. „Die Diözese zog ihre Exponate für das eigene Museum ab, wir brauchten einen neuen Schwerpunkt.“ Kommer machte sich sofort für die Bronzefiguren der Augsburger Brunnen und Häuser stark – und fand im damaligen Kulturreferenten Ludwig Kotter einen konstruktiven Partner: „Ich konnte mit ihm immer gut diskutieren, er hat zugehört, man konnte ihn überzeugen.“

Krönung seiner Amtszeit sollte im Jahr 2000 die Ausstellung über Adriaen de Vries, den Schöpfer der Augsburger Prachtbrunnen, sein. Amsterdam, Stockholm und Los Angeles hatten ihre Planung bereits abgeschlossen, als es Kommer gelang, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Er konnte mit der Figur des Merkur punkten, die nie zuvor Augsburg verlassen hatte. Kommer ging ein hohes Risiko ein: Die Ausstellung kostete drei Millionen Mark, die Stadt stand nur für eine Million gerade. „Es hat mich manche schlaflose Nacht gekostet, ob ich das Geld hereinbringe“, gesteht Kommer. Er hat es geschafft. So wie er auch die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung und weitere Geldgeber für die Augsburger Museen und ihre Bestände gewinnen konnte. Für die Tombola der altaugsburggesellschaft stand auch mal ein Motorrad auf dem Balkon des Schaezlerpalais.

Gesundheitlich schwierige Zeiten seit 2003 hat Kommer glücklich überstanden. Er hofft, weiterhin für seine vier Enkel von seinen drei Töchtern da sein zu können. Und sich an der Seite seiner Frau Marina im stilvollen Heim im Wolframviertel den Forschungen hinzugeben. „Ich kann mich nicht zufriedengeben, wenn mir jemand etwas erzählt. Ich habe dann das Bedürfnis nachzuprüfen, ob es sich so verhält“, sagt er unternehmungslustig.

So spürte er auch der Sage nach, der berühmte Kunsthändler Philipp Hainhofer (1578–1647) habe im Palais gewohnt, in dem sich heute das Maximilianmuseum befindet. Kommer vergrub sich in die Archive und identifizierte nicht nur Hainhofers Wohnhaus mit der bei Fürsten berühmten Kunstkammer am St. Anna-Platz (heute Martin-Luther-Platz), sondern auch sein Grab im Kirchhof bei St. Anna.

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