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14.07.2010

Der Uni den Stempel aufgedrückt

Der Uni den Stempel aufgedrückt

Eine Universität ohne Erkennungszeichen? "Heutzutage völlig unvorstellbar", sagt Gabriele Höfner, Referentin für Marketing und Fundraising im Büro des Augsburger Unipräsidenten. Zu ihrem 40-jährigen Bestehen hat sich die schwäbische Alma Mater professionell aufpolieren lassen. Seit dem Sommersemester gilt "UNI A", eine markante Wortmarke, die Augsburg im Konzert der anderen Hochschulen sofort sichtbar machen soll.

Forschungsverbünde bilden ja inzwischen den Normalfall. Jede Einladung zur Tagung, jede Imagebroschüre führt eine Leiste von Logos der beteiligten Unis auf. Ein Siegel alten Stils hat darin keine Chance mehr: zu kleinteilig, zu wenig eindeutig, kurzum untauglich. UNI A dagegen wird auf den ersten Blick erfasst, zumal es ein paar grafische Tricks enthält. Das scheinbar einfache Kürzel ist maximal ineinander verschränkt. Der Bogen des U geht in den Anstrich des N über, das "i" ist negativ eingesetzt als Lücke, nur das Tüpfelchen weist darauf hin. Das A schließlich hat den Querstrich auf exakt 32 Grad gesetzt - eine dynamische Aufwärtsentwicklung.

Kein handelsüblicher Buchstabensatz der Textverarbeitung kann dieses Logo von der Augsburger Designagentur ottmann und poeltl nachbauen. Deshalb wurden auch die Unimitarbeiter streng ermahnt, sich an das einheitliche Erscheinungsbild zu halten. "Die Zeit des Eigenbaus sollte vorbei sein", fordert Gabriele Höfner. Zumal am neuen Corporate Design auch ein Farbspiel hängt. Blau ist Wirtschaft und Recht, Grün Physik und Informatik, Rot die Geisteswissenschaften - eben die drei Kompetenzbereiche der Uni Augsburg. Zentrale Einrichtungen sind Lila angefügt. Wer den Regenbogen raus hat, weiß Bescheid auf den ersten Blick.

Unter Rektor Reinhard Blum war es schon ein riesiger Fortschritt, ein gemeinsames Erscheinungsbild in Form des Stempelabdrucks erreicht zu haben. "Universität Augsburg - Scientia et Conscientia" stand im kreisrunden Umlauf um das Uni-Wappen, also die Institution und ihr lateinisches Motto ("Wissen und Gewissen"). Pressesprecher Klaus Prem hat es gewissermaßen auf dem kurzen Dienstweg entwickelt: Mit seiner damaligen Frau, einer Grafikdesignerin, setzte er die Idee des zum Stempel-Logo entfremdeten Siegels kostenneutral um.

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Der Stempel sollte die Beglaubigung ausdrücken, dies aber in spielerischer Leichtigkeit. "Er sitzt stets schief, ist nie ganz scharf, sondern franst aus, und er überlappt oft mit dem Papierformat", erklärt Prem. Schleichend habe er es verwendet. "Es gab nie eine Einführung des Logos." Aber heftige Widerstände. Eben weil es so anarchisch war bei aller amtlicher Anmutung. Man setzte den Stempel wieder lotrecht, versuchte ihn im Ganzen abzubilden und satt in der gesamten Fläche. Man platzierte ihn auf den Unterlagen, wo man gerade wollte. Und begann, den Stempel zu entkernen und eigene, selten bessere Logos der Fakultät, des Instituts oder sogar des eigenen Lehrstuhls einzusetzen.

Besser war es freilich allemal als der Wildwuchs, der bis 1993 auf den Uni-Drucksachen wucherte. Zum fünften Geburtstag gab es 1975 erstmals überhaupt ein Siegel: die drei schwäbischen Panther in Schwarz-Gelb und die Zirbelnuss mit den Augsburger Stadtfarben Rot, Grün, Weiß. Das war eine ziemlich quietschige Farbzusammenstellung, wie man sie in den poppigen Siebzigern eben liebte. Das "Sigillum Universitatis Augustanae", wie die lateinische Umschrift lautete, zierte Vorlesungsverzeichnisse und Urkunden.

Übrigens gab es durchaus Streit darüber, ob nicht auch der Dillinger Hammer in die Heraldik einzufügen sei - als ein unübersehbares Zeichen der altehrwürdigen Tradition dieser Uni-Neugründung mit regionalen Vorläufern. Das Werkzeug blieb außen vor, vielleicht eingedenk der gegenreformatorischen Note, die sich die ehemalige Jesuitenuniversität Dillingen damit gegeben hatte.

Bieder-historisierendes Siegel passt nicht zur Reformuniversität

Nach Bezug der Neubauten auf dem Campus (1977) kam die Idee auf, die schicke Silhouette der neuen Uni auf dem Briefpapier abzubilden. "In Kombination mit dem bunten Siegel war das der gestalterische Super-GAU", urteilt Klaus Prem. An der Seite von Rektor Blum lief er Anfang der neunziger Sturm gegen ein historisiertes Siegel, das in seiner Biederkeit zum Anspruch einer Reformuniversität nicht passen wollte.

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