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09.10.2009

Der Villen-Bauer

"Phänomenologische" Architektur nennt der Augsburger Titus Bernhard seinen Versuch, die Bauprinzipien der Klassischen Moderne fortzuentwickeln. Man rätselt, was darunter zu verstehen sei, und auch Bernhard scheint da nicht ganz sicher zu sein, setzt er den Begriff doch wohlweislich in Anführungszeichen. Gleichwohl bestimmt dieser Begriff die Einführung zu seiner Werkschau im Architekturmuseum Schwaben.

Sieht man ab von philosophischen Schulen, muss man sich unter phänomenologischer wohl eine Architektur vorstellen, die eher von den Erscheinungen und deren Beobachtung, vom Erleben und der Erfahrung ausgeht als von theoretisch-ästhetischen Setzungen. Bezieht sich Bernhard also auf das, was er vorfindet - auf die Lebenslage und die Bedürfnisse seiner Bauherren, auf die Umgebung, den Kontext des geplanten Hauses? Ja, natürlich, das tut - mehr oder weniger gut - jeder Architekt. Verabschiedet sich Bernhard von den Normen der Moderne, als da sind Vorrang der Funktion, räumliche Klarheit, Materialökonomie? Nein, natürlich nicht - seine Bauten sind mit ihren weißen Kuben höchst augenfällig aus der Bauhaus-Tradition entstanden.

Im Lauf der 15 Jahre, die Bernhard jetzt sein Büro in Augsburg betreibt, ist sein Formenvokabular freilich freier und flexibler geworden. Da gibt es zwar nach wie vor jede Menge weißer Kuben - gestapelt, geschichtet, nebeneinandergestellt, auch mal in den Hang hinein geschoben, sogar in die Erde gelegt oder durch Luftbrücken verbunden - da gibt es aber auch skulpturale Gebäudetypen wie das "Schneckenhaus" in Feldmoching und Sattel- statt der flachen Dächer.

Und es gibt Fassaden, die nicht im berühmten Bauhaus-Weiß (das, wie wir heute wissen, so weiß gar nicht war) gehalten sind, sondern mit Schindeln (am Tegernsee), Naturstein (in München und Stadtbergen) oder Kunstdruck verkleidet sind, denen sogar - Sündenfall der Moderne! - ornamentale Elemente (in Ertingen) hinzugefügt wurden.

Der Villen-Bauer

Die Schau im Architekturmuseum, die eine kleine Monografie der Reihe "Baumeister pocket" (fünf Euro) ergänzt, zeigt einen Architekten, der sich offenkundig auf Villen oder wenigstens auf außergewöhnliche Einfamilienhäuser spezialisiert hat.

Große Räume, viel Licht

In Harlaching und Solln, den Münchner Villen-Vororten, am Starnberger und am Ammersee, in den guten Randlagen von Augsburg und Ulm wohnen seine Bauherren, für die Bernhard großzügige Räume mit schönsten Ausblicken ins Grüne, durchflutet von Licht, entwirft. Das Haus L in Ertingen (wie alle Objekte anonymisiert und nur durch einen Buchstaben gekennzeichnet) besticht durch den Bezug auf die Donau-Auen, durch offene Raumfolgen, Innenhöfe, Einschnitte und Ausblicke.

Titus Bernhard - Augsburgs Luxusarchitekt? Das Etikett wäre ungerecht, denn man weiß, wie er sich müht, für das Fußballstadion eine anständige Fassade hinzukriegen, dass er gern das Textilmuseum gebaut hätte, dass er einen interessanten Entwurf für das Berliner Stadtschloss vorlegte. Auch das Rathaus in Bernried - wiederum eine skulpturale Form mit schrägen Linien - stammt von ihm, und er hat auch schon mal Wohnanlagen und eine Schule entworfen.

Jedoch kann Bernhard offenbar Villen am besten, und deshalb bekommt er halt immer wieder entsprechende Aufträge. Für diese Bauaufgabe steht ihm ein beeindruckendes Formen-Repertoire zur Verfügung, da inszeniert er Raum und Licht virtuos. Die Schau im Architekturmuseum zeigt das an über 30 Bauten mit schönen Modellen und Fotos.

Ausstellung Bis 22. November in der Thelottstraße 11, geöffnet täglich außer Montag 14 - 18 Uhr.

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