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Ehrung

23.05.2015

Der Wegbereiter

Rabbiner Henry Brandt erhält in einer feierlichen Stunde die Ehrenbürgerwürde. Wann, steht noch nicht fest. Er will die Feier am liebsten mit seiner ganzen Familie begehen, seiner Frau, seinen vier Kindern und sieben Enkeln.
Bild: IKG

Henry Brandt freut sich über die Ehrenbürgerwürde. Wie er die Synagoge für die Augsburger öffnete

Am Donnerstag war für Rabbiner Henry Brandt Oberbürgermeistertag. Er war gerade in Leeds in England, als ihn der Anruf von Oberbürgermeister Kurt Gribl erreichte. Gribl teilte ihm mit, dass der Stadtrat ihn gerade zum Augsburger Ehrenbürger ernannt hatte. Brandt war aber ebenfalls nicht ohne Grund in Leeds: Dort hatte er Anfang der 50er Jahre sein erstes Rabbinat angetreten. Judith Chapman, eine ehemalige Schülerin des heute 87-jährigen Rabbiners, wurde am Donnerstag mit einer großen Feier als frisch gewählte Oberbürgermeisterin in ihrem Amt begrüßt. „Dass das zusammengefallen ist, hat irgendwie gepasst“, sagte Brandt gestern nach seinem Rückflug aus Manchester.

Zurück in Augsburg nahm er die Glückwünsche zur Ehrenbürgerwürde entgegen. Brandt: „Ja, ich freue mich sehr und habe, ehrlich gesagt, überhaupt nicht damit gerechnet.“ In seiner Zeit als Rabbiner habe er schon die eine oder andere Auszeichnung bekommen, aber das habe er nicht erwartet. „Es ist eine Arbeit, der man einfach tagtäglich nachgeht“, sagt er bescheiden. Eine Arbeit, die mit vielen kleinen Schritten zu dem Ergebnis geführt hat, für das er nun geehrt wird.

Als Brandt 2004 nach Augsburg kam, fand er eine isolierte jüdische Gemeinde vor. „Sie war in sich gekehrt und hatte wenig Kontakt nach außen.“ Das hat er geändert. Sein Ziel war es, nicht nur die Synagoge als Bauwerk wieder in die Mitte der Stadt zu rücken. Er gab auch den Augsburgern wieder viele Möglichkeiten, der Synagoge und der Israelitischen Kultusgemeinde einen Besuch abzustatten. Bei Veranstaltungen wie Konzerten, Vorträgen, Zeitzeugengesprächen und Aktionen für Kinder und Schüler waren und sind die Türen weit geöffnet – und werden seit Jahren gerne durchschritten. „Das eine bringt das andere mit sich“, hat er festgestellt.

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Es ist ein Prozess des Aufeinander-zu-Gehens. Etwa, wie es seit Jahren Brauch ist, dass zur Gedenkstunde zum Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 Augsburger Jugendliche und Schulorchester in die Synagoge eingeladen werden. Oder dass der Rabbiner Vorlesungen zu den Grundlagen des Judentums an der Theologischen Fakultät der Universität Augsburg hält. „Ich versuche, die Kontakte in die Stadtgesellschaft zu pflegen, aufeinander zuzugehen“, beschreibt Henry Brandt seinen Weg. Seit 1985 ist er jüdischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und Mitglied des Gesprächskreises Juden und Christen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. „Mir liegt das Miteinander aller Religionen am Herzen und natürlich vor allem im christlich-jüdischen Bereich, wo ich mich sehr einsetze“, so Brandt.

Das Miteinander habe sich in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland sehr verändert. 1927 wurde Brandt in München geboren, 1939 mussten seine Familie und er unter schwierigsten Umständen über England nach Palästina fliehen. Nach verschiedenen Stationen in mehreren Ländern kehrte er 1983 als Landesrabbiner in Niedersachsen nach Deutschland zurück. „Der Umgang hat sich normalisiert. Man kann offener über die schlimmen Zeiten reden. Das ist ein riesiger Fortschritt“, sagt er. Es sei der richtige Weg, der von beiden Seiten weitergegangen werden müsse.

Auch in der eigenen Israelitischen Gemeinde in Augsburg sei das Ende des Weges noch nicht erreicht. „Gerade auch die jungen Gemeindemitglieder aus der ehemaligen Sowjetunion sollen mehr Kommunikationsarbeit übernehmen und in die Gemeinde, aber auch nach außen wirken.“ "Kommentar

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