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Theater Augsburg

12.07.2011

„Der ferne Klang“ rückt nah heran

Die Produktion von Franz Schrekers Oper aus der Spielzeit 2009/10 ist auf CD erschienen

Die Opern von Franz Schreker (1878–1934), in den 1910er, 1920er Jahren nicht weniger erfolgreich als die eines Richard Strauss, sind in CD-Aufnahmen nur spärlich vertreten. Von Schrekers 1912 uraufgeführter Oper „Der ferne Klang“ gab es bisher gerade mal zwei Gesamteinspielungen, eine ältere unter dem Dirigenten Gerd Albrecht und mit dem Radio-Sinfonieorchester Berlin, eine weitere jüngeren Datums mit der von Michael Halasz geleiteten Oper Hagen.

Zu diesen beiden gesellt sich seit kurzem eine Neuaufnahme des „Fernen Klangs“: ein Mitschnitt der Schreker-Produktion des Theaters Augsburg vom Frühjahr letzten Jahres, der wohl ambitioniertesten Produktion der Spielzeit 2009/10. Es ist nicht der erste Opern-Mitschnitt des Augsburger Theaters; so gab es etwa vor acht Jahren Eugène d’Alberts „Die schwarze Orchidee“ auf CD, wenig später kam auch Max Brands „Maschinist Hopkins“ heraus. „Der ferne Klang“, musikalisch geleitet von Dirk Kaftan, ist jetzt bei dem kleinen, aber feinen und von einem tüchtigen Vertrieb gestützten Klassik-Label Ars erschienen (welches, das sei am Rande erwähnt, auch bereits Aufnahmen mit Augsburgs früherem GMD Bruno Weil veröffentlicht hat).

Wie kam die Zusammenarbeit mit der in Ratingen bei Düsseldorf beheimateten Produktionsfirma zustande? Auf Kaftans Initiative hin wurden über eine Künstleragentur erste Fäden geknüpft. Zum Programm von Ars gehören nicht zuletzt Opern, die auf dem Tonträgermarkt eher spärlich vertreten sind. Und weil vom „Fernen Klang“ bisher eben nur die besagten zwei Aufnahmen erhältlich waren und man bei dem Label, wie dessen Chefin Annette Schumacher sagt, der Meinung war, zumindest die Aufnahme aus Hagen mit der Augsburger Produktion „toppen zu können“, rollte schließlich im April und Mai letzten Jahres der Aufnahmewagen aus Nordrhein-Westfalen zum Mitschneiden mehrerer Vorstellungen Richtung Süden.

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Das Ergebnis, möglich gemacht nicht zuletzt durch eine Zuwendung des Theaterfreunde-Vereins, ist ein Klangdokument vom gegenwärtig hoch beachtlichen Leistungsvermögen des Theaters Augsburg. Das gilt in erster Linie für Dirk Kaftan, der Schrekers Partitur die ihr eigene Sinnlichkeit und Schlagkraft zubilligt, dabei aber souverän alle Gefahren von Verdickung vermeidet. So leuchtet das Orchester kraftvoll in den betörenden Farben einer bereits in die Moderne mündenden Spätromantik.

Mit Sally du Randt als Grete und Mathias Schulz in der Partie des Fritz sind zwei Sängerdarsteller zu hören, die die Protagonisten des Künstler- und Sozialdramas um einen scheiternden Komponisten und seine „gefallene“ Geliebte konturenreich zu interpretieren vermögen. Sally du Randts Spektrum reicht dabei geschmackssicher von hoffnungsbeschwingter Mädchenfreude bis zu desillusionierter Melancholie, und spiegelbildlich dazu oszilliert Mathias Schulz – selbst dort, wo seine Stimme zur Verengung neigt – zwischen hochgemuten Aufschwüngen und der Selbstqual des Gescheiterten. Die Produktion besticht auch in kleineren Partien, wofür beispielhaft Jan Friedrich Eggers genannt sei, der in gleich drei Fällen (Schauspieler, Baron, Rudolf) kurze, stimmige Charakterbilder entwirft.

Der Klang der Einspielung ist lebendig, profitiert ganz offensichtlich von der Live-Aufnahme. Die spärlich zu vernehmenden Nebengeräusche unterstreichen eher das bühnenhaft-natürliche Klangbild, und nur in kurzen Ausnahmen stehen die Sänger einmal ungünstig zu den Mikrofonen. Kompakt, plastisch und doch sehr transparent ist der Orchesterklang eingefangen, was bei dem aufwendigen Apparat, den Schreker verlangt, keine Selbstverständlichkeit ist. Abgerundet wird die Aufnahme durch ein Booklet, das neben Libretto und informativem Einführungstext durch eine Reihe von Farbfotos auch einen Eindruck von Renate Ackermanns Inszenierung vermittelt.

Wer weiß, vielleicht wird diese Aufnahme, zu deren sehr erfreulicher Gesamterscheinung sich ein hoher Repertoirewert gesellt, nicht die letzte Zusammenarbeit zwischen dem Theater und der Produktionsfirma bleiben. Label-Chefin Schumacher versichert jedenfalls, Augsburgs Opernaktivitäten weiter im Auge behalten zu wollen.

Die Aufnahme Bestellnummer: ARS 38080 (zwei Hybrid-SACDSs, die auch auf herkömmlichen CD-Playern abspielbar sind)

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