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Gaswerk Vermarktung

15.06.2009

Der mühsame Weg aus dem Schattendasein

Augsburg wird um einen ungewöhnlichen Aussichtspunkt reicher. Bald wird das Dach des Gaskessels im Stadtteil Oberhausen bei Führungen begehbar sein. Das imposante Bauwerk gehört zu den höchsten der Stadt und zu einem einmaligen Komplex in Europa. Von Christoph Frey

Von Christoph Frey

Augsburg wird um einen ungewöhnlichen Aussichtspunkt reicher. Bereits in wenigen Wochen wird das Dach des 86 Meter hohen Gaskessels im Stadtteil Oberhausen bei Führungen begehbar sein. Das imposante Bauwerk gehört zu den höchsten der Stadt und wird nur vom Ulrich, dem Hotelturm und dem UPM-Schornstein überragt.

Gestern begannen die Vorarbeiten für den Gipfelsturm im Nordwesten der Stadt. Ein Kran hievte rund fünf Tonnen Baumaterial aufs Gaskesseldach, das erst sicher gemacht werden muss für seine Besucher. Diese erwartet vor dem Fernblick ein schweißtreibender Aufstieg über 392 Stufen.

Ähnlich mühselig gestalten sich seit einigen Jahren die Bemühungen der Stadtwerke, ihrem stillgelegten alten Gaswerk neues Leben einzuhauchen. Zwar gilt der Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Gebäudekomplex, der unter Denkmalschutz steht, als europaweit einmalig und wurde jetzt erst zu einem der sehenswertesten deutschen Technikstandorte gewählt. Doch materiell ist die Vorzeigeimmobilie nur von beschränktem Wert.

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In Zusammenarbeit mit dem renommierten Städteplaner Karl Ganser soll auf dem rund 8,5 Hektar großen Areal ein Gewerbepark entstehen, in dem sich auch die Kultur ein Stelldichein gibt. Ob und in welchem Umfang allerdings die vom Handel in der Innenstadt und im Umland misstrauisch beäugten Pläne des Neusässer Unternehmens Schuh Schmid für ein Einkaufszentrum genehmigt werden, wird sich frühestens im Herbst zeigen.

Bis dahin müsse er längerfristige Interessenten vertrösten, sagt Wolfgang Riß, der die Liegenschaften der Stadtwerke verwaltet. An die 50 Mieter gibt es derzeit auf dem Areal. Darunter sind Ingenieure, Baufirmen, die einen Lagerplatz brauchen, Künstler und ein Sportgeschäft. Das Unternehmen Stadtwerke würde die große Lösung einer Übernahme durch Schuh Schmid begrüßen, sagt Stadtwerkesprecher Jürgen Dillmann. Gleichzeitig rechnet man aber damit, die Immobilie in vielen kleinen Einzelportionen vermarkten zu müssen. Zuerst einmal soll wieder mehr Leben in die Bude. Deshalb wird jetzt die Aussichtsplattform gebaut und deshalb soll Ende Juli eine Woche des Gaswerks mit vielen Führungen stattfinden. Eine der Attraktionen soll eines der größten deutschen foucaultschen Pendel sein, das bereits im Innern des Gaskessels hängt und die Erdrotation anschaulich macht. Hinzu kommen werden Orgelpfeifen, die Melodien von Bach von sich geben.

Dass allerdings "hohe Kunst" allein nicht reicht, um die Menschen ins Gaswerk zu locken, mussten die Stadtwerke vergangenes Jahr feststellen. Bei Dauerregen wurde das ambitionierte Gaskesseltreiben mit Straßenkünstlern aus ganz Europa ein teurer Flop. Nur 6 500 Besucher wollten die "als Spektakel von internationalem Niveau" beworbene Veranstaltung im Oktober sehen.

Deshalb wird es bei der Woche des Gaswerks deutlich bescheidener zugehen. Im Ofenhaus wird ein Modell des alten Gasgeländes präsentiert, das Apparatehaus soll verstärkt für Veranstaltungen genutzt werden. Auf einer Wiese entsteht ein Sandstrand mit Volleyballfeld, Bocciaanlagen, Liegestühlen und Bewirtung, um die Menschen aus der Nachbarschaft anzulocken.

Denn das etwas abgelegene alte Gaswerk hat durchaus Anziehungskraft - und das nicht nur für Teilnehmer an den beliebten Führungen. Im Herbst war der Andrang bei einer Party so groß, dass der Veranstalter die Polizei zu Hilfe rufen musste. "Seite 34 und Einblick

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