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Augsburg

30.10.2012

Der naturnahe Lech soll kommen

Der Lech im Stadtwald Augsburg rückt jetzt in den Blick der Wasserbauexperten. Noch in diesem Jahr soll der offene Planungsprozess zusammen mit Bürgern und Beteiligten beginnen, um den kanalisierten Fluss streckenweise wieder naturnaher zu gestalten.
Bild: Eberhard Pfeuffer

Es läuft für den Lech in Augsburg. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth hat erste Ideen für den Umbau des Flusses entwickelt

Von Eva Maria Knab

Erst die Wertach, jetzt der Lech: Der naturnahe Ausbau der großen Augsburger Flüsse geht in die nächste entscheidende Phase. Der Freistaat wird noch in diesem Jahr in den offenen Planungsprozess für einen groß angelegten Umbau des Lechs einsteigen. Das kündigt Ralph Neumeier, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth, an. Damit werden jahrzehntelange Forderungen von Bürgern, Politik und Umweltgruppen in einem ersten Schritt erfüllt.

Der Planungsprozess läuft unter dem Titel „Licca liber“ – zu deutsch Freier Lech. Grundlage ist eine Studie, die von der Technischen Universität München im Auftrag des Freistaates erstellt wurde. Dort haben Wasserbau-Experten drei mögliche Varianten für eine Umgestaltung des Lechs erarbeitet.

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Das Renaturierungskonzept sieht zwei Abschnitte vor: Der eine liegt zwischen der Staustufe 23 und dem Augsburger Hochablass – also im Bereich des Naturschutzgebietes Stadtwald. Der zweite Bereich ist zwischen dem Gersthofener Wehr und etwa der Staustufe Ellgau angesiedelt. Für Augsburg ist die Strecke im Stadtwald relevant. „Wir werden in den Werkzeugkasten der TU greifen und aus den Ideen zusammen mit Bürgern, Umweltverbänden und anderen Beteiligten eine Lösung entwickeln“, sagt Neumeier. Das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth wird im Auftrag des Freistaats für die Planung am Lech zuständig sein – ebenso wie an der Wertach, wo der Umbau seit 2000 läuft und bis heute andauert.

Erste Diskussionsvorschläge für den neuen Lech haben Neumeier und seine Mannschaft entwickelt. Als ein großes Problem des Flusses gilt, dass er sich an einigen Stellen immer schneller immer tiefer in sein Bett eingräbt. Es droht instabil zu werden. Eine Kombination von Gegenmaßnahmen soll die Entwicklung aufhalten:

Zum einen könnte der heute rund 80 Meter breite Fluss in mehreren Abschnitten deutlich verbreitert werden. Dafür könnten Deiche teilweise zurückversetzt werden, „allerdings nur, wo Flächen verfügbar sind und nicht in Siedlungsbereichen“, betont Neumeier.

Von den sechs vorhandenen Stützschwellen im Fluss zwischen der Staustufe 23 und dem Augsburger Hochablass könnten, wie von der TU vorgeschlagen, drei entfernt werden und durch Raue Rampen wie an der Wertach (das sind Steinverbauungen) ersetzt werden. Als eine von mehreren Lösungen sei eine Raue Rampe auch statt der bestehenden Stützschwelle Lindenau am Flusskilometer 50,4 im Naturschutzgebiet Stadtwald denkbar, so Neumeier – also genau an der Stelle, an der der Energiekonzern Eon ein neues Wasserkraftwerk bauen will.

Weiter kann sich das Wasserwirtschaftsamt vorstellen, zwischen der Stützschwelle Lindenau und dem Hochablass die Flusssohle an eingetieften Stellen wieder zu erhöhen. Als zweites großes Problem des Lechs gilt, dass wegen der großen Staustufen oberhalb Augsburgs kein Geschiebe mehr im Fluss nachkommt. Weil stellenweise schon sehr viel Flusskies fehlt, der unverzichtbarer Lebensraum für Pflanzen und Tiere ist, warnen Naturschützer vor einer „Unterwasserwüste“.

Das Wasserwirtschaftsamt überlegt deshalb, an der Staustufe 23 ein „Geschiebe-Depot“ anzulegen, aus dem der Fluss neuen Kies mitnehmen kann. In den kommenden Wochen wird das Amt die Ideen für den Umbau noch intern abstimmen. Bis Jahresende sei dann eine öffentliche Startveranstaltung für die Augsburger geplant, so Neumeier. Alle Beteiligten sollen im Planungsprozess mitreden können, ähnlich wie es an der Wertach der Fall war.

Bis der Umbau am Lech konkret beginnen kann, dürfte freilich noch viel Zeit ins Land gehen. „Man muss in Realisierungszeiträumen denken, die deutlich länger als fünf Jahre sind, bis der Startschuss für den ersten Bauabschnitt fallen kann“, sagt Neumeier.

Völlig offen ist auch noch, wann der Freistaat das nötige Geld für den Umbau bereitstellt. Erst müsse eine abgestimmte Planung vorliegen, bevor ein Finanzierungsantrag gestellt werden kann, sagt Neumeier. Die Mittel im Topf für Wasserbaumaßnahmen sind außerdem begrenzt. In diesem Jahr stehen in Schwaben rund vier Millionen Euro zur Verfügung.

Etwa 20 Projekte sind auf der Warteliste. Laut Neumeier ist aktuell auch noch nicht abzuschätzen, wie viel Geld das Projekt Licca liber kosten wird. „Wie an der Wertach wird es wohl um zweistellige Millionenbeträge gehen.“

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