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Augsburg

14.09.2019

Der soziale Wohnungsbau stockt - der Freistaat kritisiert die Stadt

Für wie viele Wohnungen ist auf diesem Areal Platz?
Bild: Wyszengrad

Das Land beharrt auf 1000 neuen geförderten Wohnungen in Augsburg und wirft der Stadt indirekt vor, zu bremsen. Wie die auf die Anschuldigungen reagiert.

Eigentlich sind die CSU-geführte Augsburger Stadtregierung und die CSU-geführte Landesregierung selten darum verlegen, ihre Nähe deutlich zu machen. Man arbeite, heißt es stets, in engem Schulterschluss. Doch beim Thema Sozialwohnungen wurden zuletzt Differenzen deutlich. Von einem Streit zu sprechen wäre übertrieben, aber die Botschaften aus der Staatskanzlei ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Manchmal wollen wir mehr bauen, als die Kommunen genehmigen wollen“, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch.

Es gebe aktuell „Gesprächsbedarf“ mit der Stadt Augsburg, was die Zahl an geförderten Wohnungen betrifft, die der Freistaat über seine Wohnbaugesellschaft Bayernheim errichten will, hatte er schon eine Woche zuvor in einem Interview mit unserer Redaktion gesagt. Wie berichtet, will der Freistaat auf dem Areal der ehemaligen Straßenmeisterei (aktuell sind dort Flüchtlinge in Containern untergebracht) an der Berliner Allee sowie in den angrenzenden Lechauen geförderte Wohnungen bauen. Bauminister Hans Reichhart (CSU) sprach im April von bis zu 1000 Wohnungen.

Für 1000 Wohnungen müsste dicht gebaut werden

Doch diese Zahl kann auf dem fünf Hektar großen Areal als ambitioniert gelten. Dafür müsste dicht und hoch gebaut werden. Der städtische Baureferent Gerd Merkle (CSU) brachte in der Vergangenheit 300 bis 400 Wohnungen ins Gespräch. Eine Einigung zwischen Land und Stadt gibt es noch nicht. Merkle gibt zu bedenken, dass von den fünf Hektar Gesamtfläche zwei Hektar auf baumbestandene Freiflächen entfallen. Die Grünanlagen am Lech, von vielen Spaziergängern genutzt, sind auch als naturschutzfachlich wertvolle Biotope kartiert. Darauf weist auch der Bund Naturschutz hin. In einem ersten Schritt sollen nun die Rahmenbedingungen des Areals unter die Lupe genommen werden. Dafür sind Gutachten zum Naturschutz, zum Lärm und zum Verkehr nötig. Zudem dürfe auch das Projekt Licca liber zur Revitalisierung des Lechs nicht beschnitten werden, so Merkle. „Wenn die Grundlagen geklärt sind, steht fest, in welchem Umfang das Grundstück bebaut werden kann.“

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In einem nächsten Schritt soll ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden. Dabei machen sich Architekten Gedanken darüber, wie man das Areal bebauen könnte. Erst dann wird klar sein, wie viele Wohnungen genau realisierbar sind. Sowohl Stadt als auch Freistaat hätten als Ziel, möglichst viel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Die Zahl der Sozialwohnungen in Augsburg ist seit Jahren stark rückläufig und fängt sich jetzt – nicht zuletzt durch die Neubauten der städtischen Wohnbaugruppe – allmählich. Aktuell dürften es rund 8400 Sozialwohnungen sein. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 10.000. Hintergrund für den Rückgang ist, dass geförderte Wohnungen in der Regel nach 25 Jahren aus der sogenannten Sozialbindung fallen, also in den freien Wohnungsmarkt übergehen. Günstige Mieten sind dann nicht mehr garantiert.

30 Prozent geförderter Wohnraum pro neuem Projekt in Augsburg

Nach Zahlen des städtischen Sozialreferats suchten zur Mitte des laufenden Jahres 2440 Haushalte eine Sozialwohnung. Zuletzt beschloss der Stadtrat, dass in Neubaugebieten eine Quote von mindestens 30 Prozent an geförderten Wohnungen gebaut werden soll. Über diese Quote war politisch lange gestritten worden, weil befürchtet wurde, dass so Investoren abgeschreckt werden könnten. Die Eigentümer von geförderten Wohnungen können eine ortsübliche Miete verlangen. Je nach Einkommensklasse der Mieter (vom Hartz-IV-Empfänger bis zur Mittelschicht-Familie) zahlt der Staat eine Förderung, um den Mietpreis für die Mieter zu senken.

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14.09.2019

Wenn man das liest, wie viel Gutachten, Bewertungen und Sonstiges nötig ist, um ein Grundstück zu bebauen und dann soll noch ein städtebaulicher Wettbewerb durchgeführt werden..... Jetzt werden Wohnungen dringend gebraucht! Und nicht erst nach jahrelangem Suchen nach dem richtigen Bebauungsplan! Sowas treibt die Kosten enorm hoch und die Wohnungssuchenden bleiben auf der Strecke!

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