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Augsburg

22.02.2018

Der tiefe Fall eines einst bekannten Augsburger Geschäftsmanns

Es gab eine Zeit, da war Thomas S. in der Augsburger Gesellschaft eine Nummer. Derzeit sitzt er in U-Haft.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Der 40-jährige Thomas S. sitzt in Untersuchungshaft. Auslöser war eine Anzeige der Stadtsparkasse – und ein Brief, den er an Kurt Gribl schrieb.

Es gab eine Zeit, da war Thomas S. in der Augsburger Gesellschaft eine Nummer. Ein Intimus der städtischen CSU, ein Stifter des City-Preises. Mittlerweile ist der 40-jährige Geschäftsmann, der früher eine Versicherungsagentur leitete, nicht mehr auf den größeren Bühnen des Stadtlebens unterwegs, sondern sitzt im Gablinger Gefängnis in Untersuchungshaft – seit Januar schon. Wie berichtet, wird gegen ihn wegen des Verdachts des Betrugs und der versuchten Nötigung ermittelt.

Es sind zwei Vorwürfe mit offenbar völlig unterschiedlichem Hintergrund. Hinter dem Betrugsverdacht soll eine Strafanzeige der Stadtsparkasse stehen. Der Geschäftsmann soll offenbar Kreditlinien überzogen und die Bank dabei getäuscht haben. Es geht nach Informationen unserer Redaktion um einen möglichen Schaden im Bereich von 100.000 Euro für das Kreditinstitut. Der Verdacht der versuchten Nötigung hingegen hat mit diesem Fall offenbar nichts zu tun. Es soll dabei um einen Brief gehen, den der Beschuldigte 2017 an Oberbürgermeister Kurt Gribl schrieb. Ein Schreiben, das Gribl an die Ermittlungsbehörden weiterleitete.

Dieser Vorgang ist eigentlich nicht ungewöhnlich. Immer wieder erhalten Bürgermeister, Stadträte, Behördenvertreter, Justiz-Mitarbeiter wie etwa Gerichtsvollzieher oder auch Polizisten Briefe mit strafrechtlich relevantem Inhalt. Drohungen von Menschen aus der sogenannten „Reichsbürger“-Bewegung etwa, einer uneinheitlichen Szene, deren Anhänger die Existenz der Bundesrepublik und ihre Behörden nicht anerkennen und davon ausgehen, dass das Deutsche Reich noch existiert. Manchmal geht es um obskure „Schadenersatz“-Forderungen, manchmal um Drohungen, jemanden ins Schuldenregister einzutragen, wenn dieser einer Forderung nicht nachkomme.

Einst ein Vertrauensverhältnis zwischen Gribl und Thomas S.

Ungewöhnlich ist allerdings, dass Gribl und Thomas S. durchaus einmal ein Vertrauensverhältnis hatten. Der Versicherungsmanager war ein erklärter Unterstützer des Oberbürgermeisters und schlug sich beispielsweise 2010 in der Debatte zum Tunnel am Königsplatz mit einer Pressekonferenz auf seine Seite. Bei der Hochzeit von Thomas S. 2012 war Gribl Trauzeuge. Als Gribl 2014 zum zweiten Mal heiratete, gehörte S. zu den handverlesenen Gästen der Hochzeitsgesellschaft.

Kontakt zwischen den beiden soll es allerdings seit Längerem nicht mehr gegeben haben. Thomas S. verunsicherte sein Umfeld mit politischen Ansichten, die teils in die Richtung der Reichsbürger-Szene drifteten. Nicht nur Gribl, auch andere Bekannte wandten sich deswegen ab. Auch sein Brief an Gribl soll Passagen enthalten, die in diese Richtung gehen. Bestätigt wird das von der Staatsanwaltschaft nicht. Zu Details des Ermittlungsverfahrens möchte sich die Strafverfolgungsbehörde aktuell nicht äußern.

Bald könnte Anklage erhoben werden

Dass der Kontakt von S. zu den gesellschaftlichen Kreisen, in denen er verkehrt hatte, zuletzt nicht mehr so intensiv war, lag auch an einem anderen Grund. Der heute 40-Jährige war mit seiner Familie nach Mallorca gezogen, wo seine Frau als Heilerin arbeitete und immer wieder auch Menschen aus Augsburg empfing. 2016 lieferte sich S. noch eine öffentlichkeitswirksame juristische Fehde mit der Versicherung, für die er einst tätig war. Die stellte im Zuge des Clinches Strafanzeige gegen ihn. Das Verfahren landete bei der Staatsanwaltschaft München I, die es aber einstellte.

Der Grund: Dem Beschuldigten drohe nach vorläufiger Beurteilung „in einem anderen Ermittlungsverfahren eine Strafe“, neben der die eventuell zu verhängende Strafe nicht beträchtlich ins Gewicht fiele. Offensichtlich ist mit diesem anderen Ermittlungsverfahren jenes gemeint, wegen dessen S. nun in Untersuchungshaft sitzt.

Zuvor war nach ihm mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet worden. Wie berichtet, wurde er im November 2017 auf einem Campingplatz am Gardasee festgenommen. Die wenig erbaulichen Umstände im italienischen Gefängnis sollen ihm zugesetzt haben. Im Januar wurde er von den italienischen Behörden an die deutsche Justiz überstellt. Offenbar könnte bald Anklage erhoben werden, heißt es aus seinem Umfeld.

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22.02.2018

"Sage mir wer Deine Freunde sind - und ich sage Dir wer Du bist"

Dieses Sprichwort ist doch sehr zutreffend - es gilt für Trauzeugen, Oberbürgermeister, boulevareske Lokalredakteure genauso, wie für uns Normalos!

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