Natur

08.01.2015

Der verfolgte Jäger

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Der Silbergrüne Bläuling ist typisch für die Heiden.
Bild: Eberhard Pfeuffer

Warum der Habicht zum Vogel des Jahres wurde und wo er hier vorkommt. Augsburg hat ungewöhnlich viele Tiere und Pflanzen, die 2015 im Rampenlicht stehen

Der Habicht ist ein schneller mutiger Jäger. Man möchte nicht meinen, dass ausgerechnet dieser Raubvogel Hilfe braucht. Tatsächlich ist die illegale Verfolgung des Habichts immer noch trauriger Alltag. Habichte werden abgeschossen, vergiftet oder gefangen, weil sie beispielsweise gezüchtetes Geflügel oder Tauben schlagen. Zu diesem Ergebnis kommt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz hat er den Habicht zum Vogel des Jahres 2015 ausgerufen. Wie steht es mit diesem Greifvogel in Augsburg? Und welche anderen Tiere und Pflanzen des Jahres gibt es hier? Eine Bilanz.

„Er kommt in Augsburg verbreitet vor, aber nicht in großen Zahlen“, sagt Hugo Trapp vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Augsburg. Ein Phänomen sei, dass Habichte zunehmend in innerstädtische Parks einwandern. Ansonsten ist der Greifvogel im Siebentischwald und Stadtwald unterwegs. Dort jagt er sogar größere Vögel wie junge Graureiher. Habichte wurden auch schon mitten in der Stadt über dem Königsplatz gesichtet. Dort machen sie zur Brutzeit der Krähen Beute rund um die Nester.

Bundesweit fordern die Vogelschützer eine systematische Erfassung, Aufklärung und Ahndung der illegalen Verfolgung von Habichten und anderen Greifvögeln. „In unserer Region sind solche illegalen Aktionen seit vielen Jahren nicht mehr bekannt“, sagt Trapp. Schwerpunktgebiete in Bayern seien Niederbayern und die Rhön, Gebiete mit traditioneller Niederwaldjagd, wo Greifvögel oft noch als Jagdkonkurrenten angesehen werden.

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Er wurde von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Wildtier des Jahres gekürt. Durch Umwelteinflüsse ist der Bestand stark zurückgegangen. Auf der bundesweiten Roten Liste wird der Feldhase als gefährdet eingestuft. Nach Angaben des Nabu findet die Art nur noch schwer ihren Lebensraum auf den Feldern. In der intensiven Landwirtschaft mit großen Ackerflächen fehlen Ackerrandstreifen. In Augsburg sei das Vorkommen von Feldhasen schwankend, heißt es beim Landschaftspflegeverband (LPV). Im Stadtgebiet machen den Feldhasen außerdem die vielen Hauskatzen zu schaffen, die Jungtiere fressen. Seit einigen Jahren werden zusammen mit Landwirten gezielt Blühäcker angelegt, die den Feldhasen Nahrung und Deckung bieten. „Wir gehen davon aus, dass die Population wieder steigt“, sagt Nicolas Liebig vom LPV.

Dieser größte heimische Fisch aus der Familie der Lachse zählt inzwischen weltweit zu den seltensten Arten. Seine natürlichen Bestände sind durch Lebensraumverluste akut bedroht. Der Deutsche Angelfischerverband hat den Huchen als Fisch des Jahres ausgewählt. Er verbindet damit die Forderung, Flüsse wieder durchgängiger zu gestalten. Gerade für den Lech, der früher ein Wildfluss war, sei der Huchen ein charakteristischer Fisch gewesen, heißt es beim Fischereiverband Schwaben. Heute gibt es im Lech nur noch Restbestände dieser Fischart. Weil der Fluss begradigt und mit Staustufen versehen wurde, kommt nicht mehr genug Kies für die Laichgründe des Huchens nach. Die Fische können auch nicht mehr wandern. Wenn Huchen künstlich eingesetzt werden, fehlt ihnen die Nahrungsgrundlage. Denn auch die Beutefische der Huchen benötigen Kies zum Laichen. Viele Hoffnungen der Naturschützer richten sich auf das Projekt „Licca liber“ des Freistaates. Durch einen Umbau des Flussbetts soll der Lech stellenweise wieder freier fließen. Erfolge gibt es bereits an den renaturierten Abschnitten der Wertach. Dort kann sich der Huchen wieder selber vermehren.

Er ist das Insekt des Jahres 2015. Der Titel wird von einem Kuratorium renommierter Forscher vergeben. Sie wollen auf die weltweit artenreichste Gruppe von Tieren aufmerksam machen. In Mitteleuropa gibt es rund 50 Arten von Bläulingen. Viele von ihnen gehen mit Ameisen eine Symbiose ein, auch der Silbergrüne Bläuling. Die Schmetterlingsraupen versorgen die Ameisen mit einem süßen Sekret. Als Gegenleistung halten diese den Raupen Feinde vom Leib, etwa Wespen, die ihre Eier in die Raupen legen wollen. In Augsburg ist der Silbergrüne Bläuling eine charakteristische Art der Lechheiden. „Die Raupe braucht Hufeisenklee als Futterpflanze und der kommt in unseren Heiden häufig vor“, sagt Nicolas Liebig. Insgesamt sei der Lebensraum für diese Insekten aber sehr selten geworden.

Mit der Aktion „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung seit 1980 auf gefährdete Pflanzen und ihre Lebensräume aufmerksam. Dieses Jahr steht der Gewöhnliche Teufelsabbiss im Mittelpunkt. In den meisten Bundesländern ist er auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die Blume des Jahres steht immer auch stellvertretend für einen bedrohten Lebensraum. Beim Gewöhnlichen Teufelsabbiss sind dies feuchte und magere, offene Landschaften wie beispielsweise Feuchtwiesen, Moor- und Heidegebiete, Uferzonen sowie Graben- und Wegränder im Feuchtgrünland. Die hübsche, violett blühende Herbstblume kommt häufig auf Feuchtwiesen in Augsburg vor, etwa auf der Königsbrunner Heide. Das Vorkommen sei stabil, sagt Liebig.

Der städtische Landschaftspflegeverband plant Führungen zu den Tieren und Pflanzen des Jahres. Termine gibt es voraussichtlich ab Februar auf der Homepage: www.lpv-augsburg.de. Geplant ist auch ein neuer Naturführer mit 100 Arten, die typisch für Augsburg sind, aber auch für Laien leicht zu finden.

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