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Augsburg

09.03.2020

Desinfektionsmittel bei Aldi ist nach einer Stunde ausverkauft

Menschen warten vor der Öffnung einer Aldi-Filiale vor dem Eingang.
Bild: M. Gerten, dpa (Symbol)

Seit dem Ausbruch des Coronavirus ist Desinfektionsmittel knapp. Nun hat Aldi es im Angebot. Und die Menschen stehen Schlange, um eine Flasche zu bekommen.

Es ist 8.03 Uhr. Vor genau drei Minuten hat die Aldi-Filiale an der Berliner Allee in Augsburg aufgemacht. Nun betreten eine Frau mit schwarzer Kurzhaarfrisur und ihr Mann den Laden. Sie biegen sofort links ab, hin zu den Regalen mit der Sonderware. Backwaren, Süßigkeiten, Müsli. Alles uninteressant. Dann teilen sie sich auf. Er streift rechts an den Metallkörben vorbei, in denen die Angebote präsentiert werden, sie links. Den Blick auf die Auslagen gerichtet, gehen sie den Gang einmal hinunter. Blicken hoch. Dann sagt sie: "Hast du es gesehen?" Er schüttelt den Kopf. Was suchen die beiden? Desinfektionsmittel.

Desinfektionsmittel bei Aldi: Jeder Kunde bekommt nur drei Flaschen

Der Lebensmittel-Discounter Aldi hat es an diesem Montag im Angebot. Und die Nachfrage ist groß - eigentlich wäre riesig nicht übertrieben. Um 8 Uhr öffnet diese Filiale ihre Türen. Schon kurz vor acht drängen sich etwa 20 Menschen im leichten Nieselregen unter das Vordach. Als das Paar drei Minuten später die Filiale betritt ist die Schlange an der Kasse schon so lang, dass sie bis zum Ende der ersten Regalreihe reicht. Aber wo ist das Desinfektionsmittel? Es liegt nicht zwischen Rollkoffern, Turnschuhen und Kindergummistiefeln. Wer es haben möchte, muss sich anstellen. Die Kassierer händigen es aus. Drei Flaschen pro Person. Mehr gibt es nicht. Die Wartenden drängen sich aneinander. Warum sie das Desinfektionsmittel haben möchten? "Ich gehe häufig ins Altenheim", sagt die Frau mit der schwarzen Kurzhaarfrisur. Eine andere sagt: "Ich besuche Menschen im Krankenhaus." Sie alle möchten es natürlich auch haben, um sich vor dem Coronavirus schützen.

Die Aktion von Aldi kommt zur rechten Zeit. Über das Wochenende ist die Zahl der Infizierten in Bayern weiter angestiegen. Es gibt inzwischen Fälle in der ganzen Region. Im Landkreis Augsburg, im Landkreis Aichach-Friedberg und in der Stadt Augsburg selbst. Am Wochenende ist zudem der erste Deutsche am Coronavirus gestorben. Er war gerade in Ägypten im Urlaub. Und schon zuvor haben die Menschen gehamstert. Desinfektionsmittel ist Mangelware. Toilettenpapier ebenfalls - übrigens auch bei Aldi.

 

In vielen Drogeriemärkten ist Desinfektionsmittel schon lange ausverkauft

Keine 70 Meter von der Aldi-Filiale entfernt ist ein dm-Dorgeriemarkt. Dort sind die Regale leer geräumt. Es gibt keine Seife mehr, keine Atemschutzmasken, keine Fieberthermometer, kein Hygienespray, kein Hygienewaschmittel und auch kein Desinfektionsmittel. Stattdessen hängen Zetteln an den Regalreihen. Wegen der hohen Nachfrage, seien die Produkte gerade ausverkauft, man arbeite an Nachschub.

Wer also noch etwas bekommen möchte, geht zu Aldi. Schlangen wie jene, die sich jetzt an der Aldi-Kasse beobachten lässt, sind nicht selten, wenn montags und donnerstags neue Angebote ins Aldi-Sortiment kommen. Der Discounter weiß, wie man die Wünsche der Menschen bedient. Früher waren es Matratzen und Laptops. Dann gab es mal einen Thermomix-Nachahmer. Im Vergleich zu dem Gedränge dabei läuft es gerade schon fast harmonisch ab. Fürs Desinfektionsmittel warten alle brav in der Reihe. Aldi betont allerdings, dass die Aktion in keinem Zusammenhang mit dem Coronavirus stehen. Sie sei bereits vor Monaten geplant worden, sagte eine Sprecherin von Aldi-Süd. "Generell bieten wir seit Jahren immer im März zu Beginn der Reisezeit Desinfektionsmittel als Aktionsartikel an", betonte sie. Wegen des Coronavirus rechne das Unternehmen nun mit einer erhöhten Nachfrage, die konnte es allerdings bei der Mengenplanung damals nicht berücksichtigen.

Früh dran sein lohnt sich also. In der Filiale im Gewerbegebiet in Lechhausen ist um kurz nach halb neun schon kein Desinfektionsmittel mehr zu bekommen. Das Geschäft hatte allerdings bereits um sieben Uhr geöffnet. Das Desinfektionsmittel sei schon vor einer halben Stunde ausgegangen, bedauert der Kassierer. Neues käme nicht mehr nach.

Lesen Sie dazu auch: Anleitung: So stellen Sie Desinfektionsmittel selbst her

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Die Diskussion ist geschlossen.

09.03.2020

Die Leute haben echt einen Dachschaden, die in Hysterie verfallen. Sorry, aber so drastisch muss man es leider benennen.

Es ist schon pervers, wie sehr sich die Idioten wegen Corona einschränken.

Mich tangiert das alles peripher. Wenn es mich erwischen soll, dann ist es halt so.

Für alle, die meinen, durch solche schwachsinnigen Aktionen dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, empfehle ich die Filmreihe "Final Destination". :-)

In diesem Sinne

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09.03.2020

Die Ansteckungsgefahr in diesen Schlangen und in dem Gedränge vor der Öffnung der Filialen ist wohl grösser, als der tatsächliche Schutz durch die Verwendung des erworbenen Desinfektionsmittels.
Schon seltsam, dass der Verstand dermaßen ausgeschaltet ist, wenn die Massen in Hysterie verfallen.

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