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Augsburg

20.05.2020

Die Altstadt ist das Revier von DHL-Paketzusteller Alois Lesti

Alois Lesti liefert jeden Tag Pakete in die Altstadt. Bei den Bewohnern ist der DHL-Zusteller gerne gesehen. Manche geraten über ihn sogar ins Schwärmen. Das liegt in erster Linie nicht an den Lieferungen, sondern an seiner fröhlichen und hilfsbereiten Art.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Alois Lesti fährt Pakete im Augsburger Lechviertel aus. Blumenerde trägt er auch mal in den fünften Stock. Manchmal wird er mit Kuchen belohnt.

So eine Maske trägt derzeit keiner. Vielleicht weil wenige Menschen so schnell arbeiten wie er. „Das Gschwinde Packerl Mensch“ steht mit gelbem Garn auf der blauen Mund-Nasenschutz-Maske gestickt. Sie gehört dem DHL-Paketzusteller Alois Lesti. „Der Loiserl“, wie er auch genannt wird, kommt jeden Tag mit dem gelben DHL-Paketauto in die Altstadt und liefert Bestellungen aus. Die Bewohner des Lechviertels schätzen ihn für seine fröhliche und unkomplizierte Art. Das merkte der 47-Jährige, der auf dem Land in Aindling lebt, vor allem in der Zeit der Ausgangsbeschränkungen.

Denn welcher Paketzusteller bekommt schon Kuchen? Alois Lesti. Von zwei mitfühlenden Studentinnen etwa gebacken, weil er wegen Corona so viel zu tun hatte. Oder von einer älteren Frau, die ihm frische Hörnchen machte. „Er ist der beste Paketzusteller weit und breit“, findet Altstadtbewohnerin Petra Trautmann, die vor ihrer Haustür gerade einen Baum bewässert. „Er ist immer gut gelaunt, bringt die Sachen bis an die Tür, man kann ihn nur loben“, sagt sie. Alois Lesti grinst etwas verlegen. Dann trägt er flink zwei riesige Pakete die Treppen in dem Altstadthaus hinauf. „Da ist Katzenstreu drin“, meint er etwas angestrengt. Woher er das weiß?

Alois Lesti kennt sich aus in der Augsburger Altstadt

„Ah mei, was ich hier alles weiß.“ Der drahtige Mann mit den kurzen, braunen Haaren und dem breiten bayerischen Dialekt lacht vielsagend. Eigentlich lacht er immer. In den fünf Jahren, in denen er für die Altstadt zuständig ist, habe er noch nie Ärger gehabt, sagt der Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg. Nur heute morgen habe er an der MAN-Kreuzung einen Radfahrer ein Rindviech schimpfen müssen. Alois Lesti lacht. Und er sagt, er macht seinen Job „saugern“. Das schon seit 33 Jahren. Gelernt hatte er 1987 bei der Post. Er wurde sogar noch verbeamtet. Lesti hat schon viel erlebt. Aber solche arbeitsreichen Wochen wie die vergangenen, die kennt er eigentlich nur aus der Weihnachtszeit.

„Die Menschen haben während Corona viel Wein bestellt“, verrät er. „Das habe ich gemerkt, weil die Packerl so sauschwer waren.“ Auch bei Ikea sei viel bestellt worden. „Und Blumenerde.“ Eine Kundin aus einem fünften Stock habe die Erde für ihre Balkonpflanzen gebraucht. Freilich trug Lesti die Säcke in die fünfte Etage. Einzeln. Die Kundin sei halt auch so nett und sehe hübsch aus, meint er mit einem Augenzwinkern. Seit das „Corona-Zeugl“ um ist, pendele sich die Arbeit wieder auf ein normales Maß ein. „Man merkt einfach, dass die Geschäfte wieder offen haben.“

So viele Pakte liefert der Postmann täglich in Augsburg aus

Rund 170 Pakete liefert Lesti im Schnitt täglich in der Altstadt und in einem Teil der Annastraße aus. Während der Ausgangsbeschränkungen waren es bis zu 250. Der DHL-Bote, dessen Arbeitstag immer morgens um 6.30 Uhr im Paketzentrum in Gersthofen beginnt, ist mit der Arbeit meist mittags fertig. Lesti weiß, dass das zeitig ist. Manch Kollege sei erstaunt, wie schnell er ist, sagt er, ohne damit prahlen zu wollen. „Es liegt an meiner Art der Organisation“, erklärt der 47-Jährige. Jeden Tag habe er aufs Neue die Pakete im Kopf. Dazu kennt er längst sämtliche Bewohner der Altstadt.

„Da kann man auch mal Pakete bei jemand anderem abgeben, wo man weiß, die kennen sich.“ Auch Ladeninhaber würden für Nachbarn Sendungen annehmen. „Selbst Päckchen von Amazon. Dabei ist das doch die Konkurrenz der Einzelhändler. Aber sie machen es mir zuliebe.“ Andreas Lesti findet den Zusammenhalt in der Altstadt besonders. Dabei wollte er ursprünglich gar nicht so gerne dieses Zustellgebiet übernehmen.

Alois Lesti will sein Revier in der Altstadt nicht mehr missen

Lesti, der zuvor Stadtbergen belieferte, graute nicht nur vor den engen Gassen im Lechviertel, sondern auch vor den alten Häusern mit den vielen Treppen, die meist keine Aufzüge haben. Jetzt will er sein Revier in „seiner Altstadt“ nicht mehr missen. An Pollern und an engen Stellen manövriert Lesti den Transporter lässig vorbei. Die vielen Treppen betrachtet er als Sport. Sowieso sei er ein Bewegungsmensch, meint der Aindlinger, der jeden Aufzug meidet, über sich. Das erklärt auch das Leben, das der Paketzusteller privat führt.

Nachmittags geht Lesti mit seinem Jack Russell-Terrier „Seppi“ joggen oder in den Wald. Oder fischen an den Weihern. Oder alles nacheinander. Letztes Jahr wanderte er in seinem mehrwöchigen Urlaub mit Seppi sogar bis nach Hamburg. Stillstand ist nichts für den Naturliebhaber. Auch im Job nicht. Für ihn muss es zack zack gehen.

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„Ich sandel nie herum. Aber klar ratsche ich auch mal mit den Leut’. Es gibt genügend, die allein sind und sich über Ansprache freuen.“ Der „Loiserl“ ist ein geselliger Mensch. Auch deshalb trifft ihn der Ausfall des diesjährigen Plärrers und des Oktoberfestes hart. Denn Lesti hat seit seiner Jugend einen Nebenjob. Wie aus seinen Erzählungen herauszuhören ist, macht er den vermutlich mit genauso viel Leidenschaft, wie den des Paketzustellers.

Was der Postmann Lesti in dieser Saison vermissen wird

Der Aindlinger schenkt seit vielen Jahren auf dem Plärrer im Schaller-Zelt und auf der Münchner Wiesn im Hofbräuzelt aus. Das hat er von seinen Großeltern. „Meine Oma arbeitete als Bedienung in Bierzelten, mein Opa als Schankkellner. Als Bua habe ich schon im Bottich Krügerl gewaschen.“ Im Alter von 19 Jahren schenkte Lesti auf einem Fest sein erstes Bier aus. „Da wurde ich noch verarscht, weil ich so dürr war“, erinnert er sich. Den Spruch eines Brauerchefs wird er nie vergessen. „Gleichschauen tust du ja gar nichts. Aber ich habe noch nie einen gesehen, der so gut ausschenken kann“, habe der Mann damals gemeint. Lesti kann sich darüber heute noch freuen.

„Die Wiesn wird mir heuer sauber abgehen“, meint der Postmann aus dem Lechviertel etwas nachdenklich. Das Team, das sich jedes Jahr aus der ganzen Welt dort zum Arbeiten einfindet, werde ihm fehlen. Doch dann lacht er wieder. Wie immer. Sein Lachen ist sogar hinter seiner Maske zu erkennen. Die, die seine Tante extra so aufwendig für ihn bestickt hat.

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20.05.2020

Ich habe das Vergnügen, von Herrn Lesti beliefert zu werden. Der mit Abstand beste Paketbote! Freundlich, konkret, zuverlässig. Ein großes Lob an den Mann, der auch in den Corona-Zeiten unser Viertel unermüdlich versorgt.

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