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Augsburg

16.11.2016

Die Augsburger Synagoge wird für zwölf Millionen Euro runderneuert

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Als einzige deutsche Großstadtsynagoge überstand die Augsburger die Pogromnacht von 1938. Seit sie nach der Restaurierung wieder eröffnet wurde, erstrahlt sie in alter Pracht.
Bild: Ulrich Wagner

Nachdem der Bundestag sechs Millionen Euro für die Augsburger Synagoge bewilligt hat, will auch der Freistaat sie „bestmöglich“ unterstützen. Warum die Summe offen blieb.

Hundertjährige brauchen mitunter etwas Auffrischung. Der Augsburger Synagoge, die 1917 eingeweiht wurde, geht es da nicht anders. Die Bauschäden summierten sich im Laufe der Jahrzehnte und auch bei der großen Restaurierung bis 1985 wurde nicht alles Nötige getan.

Unumgänglich ist jetzt also eine Generalsanierung, die mit zwölf Millionen Euro veranschlagt ist. Für die Israelitische Kultusgemeinde ist dies ein unvorstellbar hoher Betrag, aber nun ist der Weg frei, mit großzügiger staatlicher Bezuschussung die Sanierung in Angriff zu nehmen.

Nach vielen Gesprächen, an denen sich maßgeblich der Augsburger CSU-Bundesabgeordnete Volker Ullrich beteiligt hatte, haben sowohl der Bund als auch das Land eine millionenschwere Förderung zugesagt. Nachdem der Haushaltsausschuss des Bundestages schon am vorigen Freitag insgesamt sechs Millionen Euro bewilligt hat, versprach auch das bayerische Kabinett am Dienstag, der Freistaat werde die Synagoge „bestmöglich unterstützen“.

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Ein Sprecher des Kultusministers ergänzte, man werde im Gespräch mit der Kultusgemeinde die tatsächlichen Kosten ermitteln und zusammen mit dem Finanzministerium die Grundlagen für eine Förderung schaffen. Hinter der weichen Formulierung stecken dem Vernehmen nach auch heikle Gespräche mit dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden.

Augsburger Synagoge überstand die Reichspogromnacht

Sie haben einen gemeinsamen, staatlich finanzierten Fonds für ihre Bauvorhaben. Würden daraus anteilig sechs Millionen Euro allein für Augsburg ausgegeben werden, gingen die anderen jüdischen Gemeinden wohl für Jahre nahezu leer aus.

Ullrich hatte Ende Juli die Berliner Kulturstaatsministerin Monika Grütters für ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster aus Würzburg, und Vertretern der örtlichen Kultusgemeinde nach Augsburg eingeladen. Damals sagte Grütters, es sei „eine heilige Pflicht“ der Bundesrepublik, „dass wir die alten Synagogen, die überhaupt die Pogromnacht vom November 1938 überstanden haben, erhalten“. Jüdisches Leben in Deutschland zu fördern, liege ihr sehr am Herzen.

Der Finanzierungsanteil des Bundes ist nach Einschätzung Ullrichs außergewöhnlich hoch. Im Bundeshaushalt 2017 sind 530.000 Euro eingestellt und ein Betrag von 5,47 Millionen Euro für die Sanierung ist als Verpflichtungsermächtigung für die kommenden Jahre verankert. „Der Bund hat mit 50 Prozent die maximal mögliche Unterstützungsleistung ausgereizt. Mehr geht nicht“, erklärte Ullrich.

Dem Präsidenten der Kultusgemeinde, Alexander Mazo, fiel am Dienstag ein Stein vom Herzen. „Die Finanzierungszusagen sind ein wichtiges politisches Signal“, sagte er. Es gehe bei der Sanierung der Synagoge nicht um ein paar Verschönerungen. „Hätte es keine positiven Entscheidungen gegeben, müssten wir unsere Gebäude bald schließen, weil eine Gefahr für die Besucher nicht auszuschließen wäre“, erklärte Mazo.

Vor 100 Jahren gebaut, braucht die Synagoge jetzt eine Generalsanierung.
Bild: Ulrich Wagner

Haustechnik muss erneuert werden

Bausachverständige verweisen auf die stark verrosteten Stahlträger im Eingangsbereich. Nichts Gewisses lasse sich über den Zustand der Stahlarmierungen in der betonierten Kuppel der Synagoge sagen, ehe sie nicht genau untersucht worden sind. An den Wänden des Baus ist abzulesen, dass Wasser eindringt und sich Feuchtigkeit niederschlägt. Eine Isolierung wäre notwendig. „Auch die ganze Haustechnik ist in einem äußerst betagten Zustand“, befindet Ulrich Blickle, der Leiter des Staatlichen Bauamtes. Elektrik, Wasser, Abwasser und Heizung sind zu erneuern. Blickle berät die Kultusgemeinde in fachlichen Fragen – obwohl seine Behörde für die Synagoge eigentlich nicht zuständig ist.

Die Augsburger Synagoge wurde zwischen 1914 und 1917 errichtet, ihre vom Jugendstil beeinflusste Gestaltung wurde als „Inbegriff eines neu-jüdischen Tempels“ gefeiert. Sie überstand als einzige Großstadtsynagoge die Pogromnacht im November 1938, allerdings ebenfalls demoliert, geschändet und in Brand gesetzt. Von 1975 bis 1985 wurde sie wieder instand gesetzt, allerdings mit bescheidenen Mitteln.

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Die Diskussion ist geschlossen.

17.11.2016

Frage : warum Zahlen die Reichen benutzer diser einrichtung nichts Dazu ??? mauch hier Könnte eine sehr gute Kindertagesstätte entstehen ??? soll es so ein Prachtbau werden wie die in berlin ??? man könnte sie auch für einen kleinen Obolus für Besucher öfnen und sich dann selber tragen ??? Hier in Italien muß sich jede Kirche selbst erhalten ohne zuschuß vom Staat und sie bestehen alle weiter !!! wird die alte Kirche in Haifa auch von der Regirung in Jerusalem renovirt ???? nein !!!

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17.11.2016

Für Ihre Legasthenie können Sie nichts, wohl aber für Ihre kruden, zumindest latent antisemitischen Vergleiche.

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