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Augsburg

11.01.2019

Die Augsburger sollen mehr Altkleider sammeln

Die Stadt hat bereits zahlreiche Kleidercontainer aufgestellt; insgesamt sollen es bald 300 sein.
Bild: Michael Hochgemuth

Jedes Jahr wirft jeder Augsburger 27 Kilo Altkleider im Restmüll und werden verbrannt. 300 neue Container sollen dafür sorgen, dass alte Klamotten weiter verwendet werden.

Die Stadt will die Bürger ab sofort dazu bringen, weniger Alttextilien in den Restmüll zu werfen. Zuletzt waren es pro Jahr und Einwohner um die 27 Kilo an Alttextilien, die zusammen mit dem Restmüll in der Abfallverwertungsanlage in Lechhausen landeten. Seit Dezember werden 300 neue Sammelcontainer für Altkleider im Stadtgebiet aufgestellt. Das sind deutlich mehr als in der Vergangenheit. „Pro 1000 Einwohner soll es einen Container geben“, sagt Umweltreferent Reiner Erben (Grüne).

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Was die Augsburger an nicht mehr passenden Jeans, zerschlissenen T-Shirts oder einfach an Billig-Textilien, die nach einer Saison nicht mehr modisch genug sind, wegwerfen, wird unterschiedlich verwertet. Etwa 50 Prozent der Textilien sind so gut erhalten, dass sie weiterverwendet werden können, schätzt Martin Wittmann, Geschäftsführer der Firma Wittmann, die sich die Verwertung zusammen mit der „Aktion Hoffnung“ der katholischen Kirche teilt. Wittmann verkauft die Textilien an Sortierbetriebe, etwa in Italien oder Osteuropa – da, wo die Löhne niedrig sind, denn das Sortieren ist Handarbeit. Was noch tragbar ist, wird dann in alle Welt verkauft. Wittmann spricht von einem „globalen Handel mit Second-Hand-Textilien“.

Gut erhaltene Kleidung ist gefragt

Auch bei der Aktion Hoffnung hat man es vor allem auf die gut erhaltenen Textilien abgesehen. „Diese Spenden sind es, die uns weiterbringen“, sagt Geschäftsführer Johannes Müller. Ein kleiner Teil der Ware geht in Entwicklungsländer, ansonsten verkauft die kirchliche Organisation die Textilien an Sortierbetriebe und unterstützt mit dem Erlös Sozialprojekte.

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Die andere Hälfte der Alttextilien ist nicht mehr als Kleidung zu verwenden. Saugfähige Stoffe werden zu Putzlappen weiterverarbeitet (etwa ein Viertel). Ein weiterer Rest kann zu Dämmstoffen oder Dingen wie Malervlies weiterverarbeitet werden. Vieles, was in den Kleidercontainern liegt, sei fürs Recyceln mäßig gut geeignet, etwa weil es sich um Mischgewebe handelt, sagt „Aktion Hoffnung“-Chef Müller: von den Verbrauchern billig gekauft, hinterher aber kaum mehr in die Bestandteile zu zerlegen. „Eigentlich wäre da aufgrund des Energiegehalts das Verbrennen das Beste“, sagt Müller.

Stadt: Es geht um Umweltschutz

Die Stadt sieht das Thema aus einem anderen Blickwinkel. Erben möchte möglichst wenig Textilien in der Grauen Tonne. Von höheren Sammelmengen erhofft sich die Stadt weniger Kosten für die Müllverbrennung und zudem 200.000 Euro Erlöse in den kommenden drei Jahren. Pro angelieferter Tonne Müll in der Abfallverwertung werden um die 100 Euro fällig, die letztlich bei den Müllgebühren aufschlagen. Mit größeren Mengen steigere man auch den Anteil der gut wiederverwertbaren Ware, so Erben. „Je mehr Alttextilien und Schuhe wir sammeln, desto mehr können wir wiederverwerten und recyceln. Zu viele Klamotten werden in die Restmülltonnen geworfen. Indem wir sammeln, recyceln und wiederverwerten, betreiben wir aktiv Umweltschutz und leben nachhaltig.“

Die meisten Container stehen

Inzwischen stehen etwa 80 Prozent der neuen Container, die restlichen folgen demnächst. Die grünen Metallbehälter im neuen Design lösen die bisher von der kirchlichen „Aktion Hoffnung“ betriebenen 180 beigefarbenen Behälter ab, die meist neben den Glascontainern standen. Wie berichtet gab es massive Diskussionen, als die Stadt die Vereinbarung mit der gemeinnützigen Organisation aus rechtlichen Gründen kündigte. Hintergrund war, dass sich immer mehr gewerbliche Unternehmen Anteile an der momentan lukrativen Altkleidersammlung sichern wollten. Der „Exklusivvertrag“ mit der „Aktion Hoffnung“ war darum aus Sicht der Stadt aus rechtlichen Gründen nicht mehr haltbar.

Als die Stadt die Altkleidersammlung ausschrieb, reservierte sie ein Drittel der Standorte aber für gemeinnützige Organisationen, sodass die „Aktion Hoffnung“ weiterhin zum Zuge kommt. Die kirchlichen Sammler haben zudem 120 Behälter auf Privatgrundstücken (meist handelt es sich um Standorte direkt neben Kirchen) aufgestellt.

Lesen Sie auch den Kommentar: Billig-Klamotten: Der Wegwerf-Irrsinn

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