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Porträt

21.01.2015

Die Berlinerin, die Augsburg liebt

Die Gästeführerin Barbara Schmook hat Augsburg – hier den Viermetzhof im Maximilianmuseum – lieben gelernt. Am meisten haben es ihr die Kirchen angetan.
Bild: Anne Wall

Barbara Schmook führt seit 30 Jahren Besucher durch die Stadt. Sie selbst musste sich erst daran gewöhnen, hierher zu gehören. Was schließlich den Ausschlag für ihr Engagement gab

Diese Wohnung, man könnte sie ein Augsburg-Archiv nennen: In jedem Zimmer Regale mit Büchern über die Geschichte der Stadt und ihre berühmten Persönlichkeiten. An Schränken und Wänden Zeitungsausschnitte zu historischen Themen und interessanten Gebäuden. Und dann dieser Blick aus dem Fenster des siebten Stocks: St. Ulrich, Rathaus, Dominikanerkirche – das alles liegt Barbara Schmook zu Füßen. Wer täglich auf diese Silhouette blickt, der muss ja förmlich Gästeführer werden...

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Seit 30 Jahren begleitet die Berlinerin Touristen durch Augsburg und ist damit eine der Stadtführerinnen mit der meisten Erfahrung. Den Ausschlag gab 1984 ein kleiner Artikel in der Augsburger Allgemeinen: „Da suchte der Verkehrsverein neue Stadtführer und ich dachte mir: Och, da kuckste mal hin.“ Ihr Berliner Dialekt flutscht Barbara Schmook auch nach all den Jahren in Augsburg noch durch. Seit 1960 lebt sie hier: „Ich türmte mit meinen Eltern aus Ostberlin, kurz bevor die Mauer gebaut wurde.“ Augsburg, sagt sie, war ihre fünfte Station in einer Reihe von Flüchtlingsunterkünften, doch weil die Stadt etwas Ähnlichkeit mit ihrem einstigen Arbeitsort Rostock hat, war die Umstellung erträglich. „Irgendwo musste ich doch bleiben, also habe ich mich dazu entschlossen, diese Stadt zu mögen.“

Jemanden mögen oder lieben lernen, das geht am besten, wenn man ihn gut kennt. Mit Städten verhält es sich da nicht anders als mit Menschen. Schmook fing also an, diese neue Heimat zu erkunden. Bis heute haben es ihr die Kirchen St. Ulrich, St. Anna und – seit der Renovierung – St. Moritz angetan. Weniger aus religiösen Gründen, „sondern weil man dort so viel entdecken kann“. Auch im Dom ist Barbara Schmook oft. Außer im Winter. „Da ist es mir dort zu kalt.“ Rund hundert Führungen im Jahr – auf diesen Schnitt kommt Barbara Schmook leicht. Am liebsten sind ihr Individualtouristen. „Die wollen eine Stadt auch sehen und machen eine Führung nicht nur mit, weil der Chef den Betriebsausflug bezahlt.“ Die zweistündigen Rundgänge, bei denen 2000 Jahre Geschichte gestreift werden, liegen der 76-Jährigen am meisten. „Aber auch durch St. Anna oder die Fuggerei begleite ich die Touristen gerne.“

Die Berlinerin, die Augsburg liebt

Überhaupt, sagt Schmook, gehört die Fuggerei zum Pflichtprogramm – ob ein Besucher nun eine Führung bucht oder nicht. Oft aber hat sie Menschen beobachtet, die in einer Viertelstunde durch waren mit der Sozialsiedlung. „Wenn sie die danach fragen, was sie gesehen haben, dann sagen die: Lauter gelbe Häuschen.“ In so kurzer Zeit könne man die Idee hinter der Fuggerei einfach nicht verstehen.

Barbara Schmook liebt Fakten mehr als Anekdoten. „Manche Kollegen erzählen Geschichten, die durch nichts belegt sind.“ Ihr widerstrebe das, obwohl sie weiß, dass Touristen nicht mit Zahlen bombardiert, sondern unterhalten werden wollen. Doch das schaffe man auch ohne blumige Erzählungen.

„Die Ausbildung zur Stadtführerin zu machen, war die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe“, sagt Schmook. Was, fragt sich die Alleinstehende, würde sie sonst machen? „Auf der Couch sitzen? Die Füße hochlegen?“ Nein, rasten ist nichts für die quirlige Dame mit dem grauen Pagenkopf. „Ich bin gerne unterwegs und ich schaue mir immer alles an, was neu ist in der Stadt.“ Sie selbst ist keine Reisende aus Leidenschaft. „Früher war ich jedes Jahr mindestens einmal in Berlin“ – alleine zu Reisen sei ihr aber zu langweilig. Also bleibt sie lieber in „ihrem“ Augsburg. Abends, wenn alle Führungen vorbei sind, sitzt sie auf ihrer Couch und beobachtet, wie über St. Ulrich und dem Dom die Sonne untergeht. „Jeden Tag tut sie das an irgendeiner anderen Stelle. Jeden Tag ist es wunderschön.“ Es sind diese Momente, an denen Barbara Schmook komplett davon überzeugt ist, dass aus der Berlinerin doch eine Augsburgerin geworden ist...

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