Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Die Dramen hinter den Kulissen

31.07.2010

Die Dramen hinter den Kulissen

Heute Abend geht die letzte "Turandot" am Roten Tor über die Bühne. Erst wenn der Applaus verklungen ist, wird sich Claus Walch entspannen. Immerhin ist er der verantwortliche Mann für alle Abläufe vor Ort. Und hat bei jeder Veranstaltung eine Menge zu tun. Auch wenn ab Sonntag das gesamte Theater in Urlaub geht, Walch muss seinen noch einige Tage aufschieben. "Mindestens fünf Tage dauert der komplette Abbau", dann geht es nach Fuerteventura zum Ausspannen. Nichts hören und nichts sehen, lautet die Devise. Nur die geliebte Opernmusik in Form von CDs darf mit.

Die Liebe zur Oper war es auch, die den 44-Jährigen vor 22 Jahren zum Theater brachte. Am Tage studierte er an der Uni BWL, am Abend stand er 1988 als Palastwache bei "Turandot" am Roten Tor auf der Bühne. Ebenso in der Komödie und im Haus am Kennedyplatz. Mal als Diener, mal als Partygast. Es kam, wie es kommen musste, zuerst stieg er als Bühnenhandwerker ein, als ihm 2000 der damalige kaufmännische Direktor Klaus Engert das Angebot machte, Bühnenmeister werden zu können, nahm er die Chance wahr. Und büffelte und büffelte. Denn die Prüfung, die er in München ablegen musste, hatte es in sich. Seitdem gehört er zum Team, wenn sich die Werkstätten mit Regisseur, Bühnenbildner und Dramaturg zur ersten Besprechung für ein neues Stück treffen. Manches entpuppt sich als sehr knifflig, manches als ganz unmöglich. Walch hat dabei vor allem die Sicherheit für alle Beteiligten im Auge.

Er versucht, den Überblick zu behalten und außerdem den Satz eines Technischen Direktors zu beherzigen. "Sie sind nicht zum Arbeiten da, sie sind hier Meister." Danach richten kann er sich allerdings nicht. In diesem Sommer bei Turandot musste er oft mitschuften. Immerhin dauert jeder Umbau am Roten Tor von der Puccini-Oper zu den Comedian Harmonists und umgekehrt gut vier Stunden.

Die schwere körperliche Arbeit ist zwar Part der Bühnenhandwerker, die Verantwortung liegt allerdings beim Bühnenmeister. "Ich bin dran, wenn etwas passiert." Deshalb macht er sich fit in Sachen Brandschutz, kennt alle Auflagen des Gewerbeamtes und sämtliche Feinheiten im Arbeitsschutz.

Die Dramen hinter den Kulissen

Während sich Künstler lediglich auf ihren Auftritt vorbereiten müssen, der Regisseur vor allem ein erfolgreiches Spektakel auf die Bühne stellen will, sind die Augen von Claus Walch ganz woanders. Die Notbeleuchtung kontrolliert er, ebenso die Abstände der Stuhlreihen und, und, und. "Ein Bühnenmeister steht mit einem Fuß immer im Knast."

Die Schauspieler müssen festes Schuhwerk tragen

Deshalb gab es von ihm ein Nein, als Turandot-Regisseur den Kinderchor hoch oben auf der Bühne in einer ungesicherten Gasse laufen lassen wollte. "Der Chor bleibt unten." Regisseur und Bühnenbildnerin mussten es akzeptieren. Dafür haben sie sich durchgesetzt, als es darum ging, dass weder eine Gerade noch ein rechter Winkel auf dem Bühnenareal am Roten Tor zu sehen sein darf. "Der Regisseur war sehr detailfreudig", erinnert sich der 44-Jährige. Aufgrund der schiefen Wege, der losen Bretter vor dem Orchestergraben und der vielen Treppen riet Walch allen Mitwirkenden, sowohl Proben, aber auch Vorstellungen in festen Schuhen zu absolvieren. Daran haben sich alle gehalten. Bis auf ein Stolpern auf einem morsch wirkenden Brett des Prinzen Calaf in der Premiere gab es keinerlei Vorkommnisse. So ist es Claus Walch am allerliebsten. Ihm reicht die gespielte Dramatik auf der Bühne vollkommen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren