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Wirtschaft in Augsburg

12.02.2016

Die Entspannung am Arbeitsplatz im Blick

Gesundheitsvorsorge wird für Unternehmen immer wichtiger. War es früher die Rückenschule, spielt inzwischen Stressbewältigung eine große Rolle

Von Ute Krogull

Die erste Betriebssportgruppe gab es bei der Stadtsparkasse in den 60er Jahren. Die Zeiten, als nur ein Grüppchen Bankangestellter in Trainingsjacken nach Dienstschluss Kniebeugen machte, sind vorbei. Es gibt einen Betriebssportverein, einen jährlichen Gesundheitstag, Seminare von Stressbewältigung bis Raucherentwöhnung, Impulse für Führungskräfte, einen Ruheraum mit Massage-Stuhl sowie eine Gesundheitsbeauftragte in Person von Elke Miedanner. Sie und Petra Schöll von der Unternehmenskommunikation sagen: „Betriebliches Gesundheitsmanagement ist fest in unserer Firmenphilosophie verankert.“ Das Thema gewinnt angesichts der wachsenden Arbeitsbelastung in Firmen mehr Gewicht.

Jede Investition spart anderswo Geld

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In der Region wurde nun eine Gruppe der Initiative „Gesunde Unternehmen“ gegründet, das kleinen und mittelständischen Firmen einen personell und finanziell niederschwelligen Einstieg in ein betriebliches Gesundheitsmanagement ermöglichen will. Ansprechpartner vor Ort ist Robert Brunner vom Balance-Netzwerk. Argumente für das Engagement von Firmen reichen vom Imagegewinn in Zeiten des Fachkräfterückgangs über geringere Fluktuation bis zu Finanzen. Die Techniker-Krankenkasse hat ausgerechnet, dass jeder Euro Investition in diesen Bereich fünf bis sieben Euro einspare. Brunner sagt: „Wenn jemand sechs bis acht Monate wegen Burn-out ausfällt, wird es teuer.“ Und was viele nicht wüssten bzw. nicht ernst nähmen: Gesundheitsschutz hat auch einen gesetzlichen Rahmen, zum Beispiel die schrittweise Wiedereingliederung nach längerer Krankheit. Aber auch psychischer Arbeitsschutz ist seit 2014 gesetzlich festgeschrieben. Eine Krankenkasse könnte sich sogar Geld vom Arbeitgeber zurückholen, wenn nachweisbar ist, dass er seine Pflichten nicht erfüllt hat, so Brunner. Prinzipiell gelte: Spielten früher körperliche Beschwerden die größte Rolle, ist es jetzt auch die Psyche. Entspannungskurse und Stressprävention boomen.

"Der Bedarf steigt"

Das erlebt auch Marion Böck. Sie bietet seit zwölf Jahren Business-Yoga an, teils in Unternehmen oder auf Tagungen, teils in ihrer Schule Yoga Balance in Stadtbergen. Die Yoga-Lehrerin sagt: „Der Bedarf steigt. Es gibt immer öfter Probleme wie Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und Depressionen.“ Die Mitarbeiter nähmen die Kurse, die Firmen oder Krankenkassen ganz oder teilweise bezuschussen, gerne an, manche sind seit Jahren dabei. „Anfangs kamen die Leute wegen Rückenproblemen, heute, um geistige Ruhe zu finden.“

Also was jetzt: Lunch-Yoga, Darmkrebsvorsorge oder Schrittzähler-App? Oft fühlen sich Firmen, gerade kleine, überfordert von dem Thema. Hier setzt die Initiative „Gesunde Unternehmen“ an, bei der in Augsburg 40 Firmen mitmachen. Erfahrungsaustausch über erfolgreiche Wege ist das eine, Begleitung bei der Umsetzung das andere: Es werden Ausfallzeiten analysiert, Mitarbeiter befragt und Workshops abgehalten. Firmen erhalten Zuschüsse aus dem Fördertopf „Unternehmswert Mensch“ des Arbeitsministeriums. Zwei Jahre dauert das Projekt. Robert Brunner sagt: „Wichtig ist ein nachhaltiges Programm, nicht ein Gesundheitstag im Jahr. Der kann aber ein guter Auftakt sein, ein Appetizer.“ Ansätze gebe es viele. So teilte eine Spedition Bögen mit Gymnastikübungen an ihre Lkw-Fahrer aus, die diese in ihren Pausen absolvieren konnten. Auch Gutscheine für Obst sind eine Möglichkeit. Andere bevorzugen Gutscheine, die Mitarbeiter beim Heilpraktiker einlösen können, die nächsten Kletterkurse – gut für Körper und Teambildung. „Spielerisch“ soll das Programm sein, sagt Brunner, es könne ein bisschen Wettbewerbscharakter haben, indem Angestellte Gesundheitspunkte sammeln. Bei Mitarbeitern komme das meist gut an, doch dürfe man keinen überfordern oder zwingen.

Auch Vorträge gehören dazu

Damit das klappt, steuert bei Fujitsu eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Personalabteilung, Betriebsrat, Arbeitssicherheit, Betriebsleitung und Krankenkassen das Gesundheitsmanagement. Verena Bittorf, Spezialistin für Personalentwicklung, sagt: „Ziel ist es, ein gesundes Arbeitsumfeld zu schaffen, Mitarbeiter zu einem gesunden Verhalten zu motivieren und sie bei der Umsetzung zu unterstützen.“ So nahm die Hälfte aller Mitarbeiter 2015 an Vorträgen über psychische Gesundheit und Rückengesundheit teil und im Sommer gab es eine Aktion, bei der Teams angehalten waren, 100 Tage lang täglich 10000 Schritte zu gehen. So kann es laufen.

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