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Augsburg

04.07.2019

Die Feuerwehr kommt im Westen der Stadt zu oft zu spät

Weil der Westen der Stadt für die Berufsfeuerwehr derzeit schlecht erreichbar ist, soll dort eine neue Feuerwache entstehen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Im Augsburger Westen droht eine gefährliche Feuerwehr-Lücke. Das betrifft auch die Uniklinik. Deshalb will die Stadt schnell reagieren.

Ein Brand in einem Großkrankenhaus wie der Augsburger Uniklinik ist immer kritisch. Die Klinik hat rund 1700 Betten. Hier werden schwer kranke Menschen behandelt, deren Leben auch an Maschinen hängt. Es ist nahezu unmöglich, solch ein Gebäude komplett zu evakuieren. Umso wichtiger ist es, dass die Feuerwehr im Ernstfall schnell vor Ort ist. Doch ausgerechnet hier ist die Situation nicht ideal.

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Von der Hauptwache der Berufsfeuerwehr an der Berliner Allee bis zur Uniklinik im Westen der Stadt sind es rund sechs Kilometer Luftlinie. Die Löschzüge müssen einmal quer durch die Stadt fahren. Und das kostet Zeit. Betroffen ist davon nicht nur das Krankenhaus, generell ist der Westen im Fall eines Brandes derzeit schlechter versorgt als andere Stadtteile.

Es geht vor allem um die Zeit, die verrinnt, bis die Einsatzkräfte bei einem Brand eintreffen. Das Gesetz schreibt eine Hilfsfrist von zehn Minuten vor. So lange darf es dauern, bis nach einem Notruf die ersten Retter vor Ort eintreffen. Die Feuerwehr schafft das in Augsburg in rund 80 Prozent der Fälle. Das heißt umgekehrt aber auch: In einem von fünf Fällen klappt es nicht in dieser Zeit. Betroffen ist vor allem der Stadtteil Kriegshaber. Hier gibt es pro Jahr zwischen 25 und 30 Einsätze, bei denen die Feuerwehr die Zehn-Minuten-Frist nicht einhalten kann. Im Norden von Oberhausen sind es zwischen zehn und 15 Einsätze. In den restlichen Stadtteilen liegt die Zahl der Verspätungen bei unter fünf Einsätzen pro Jahr. Es geht dabei um Leben und Tod. Untersuchungen zeigen, dass ein Mensch, der Brandrauch ausgesetzt ist und eine Vergiftung erleidet, nur maximal 17 Minuten lang eine realistische Chance hat, mit medizinischer Hilfe zu überleben.

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Die Freiwilligen Feuerwehren in Augsburg sind tagsüber nur eingeschränkt verfügbar

Die Stadt Augsburg muss auf den Engpass im Westen reagieren. Zwar gibt es im Westen der Stadt mehrere Freiwillige Wehren. Doch deren ehrenamtliche Mitglieder sind nicht immer in der nötigen Personalstärke verfügbar - vor allem tagsüber, wenn viele bei der Arbeit sind. Möglichst schnell soll deshalb in Kriegshaber ein neuer Standort der Berufsfeuerwehr eingerichtet werden. Geplant ist, für rund eine Million Euro eine Wache in Modulbauweise zu errichten. Vorübergehend, bis zu einem richtigen Neubau.

Entstehen könnte die Interims-Wache beim Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Kriegshaber in der Max-Laue-Straße nahe der Uniklinik. Das hat nach Angaben von Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) auch den Vorteil, dass sich Berufsfeuerwehr und Freiwillige Wehr teils auch Räume teilen können. Der Plan sieht vor, dass diese Feuerwache West schon in zwei Jahren den Betrieb aufnimmt.

Denn die Zeit drängt. Aktuell sei die Situation gerade noch akzeptabel, sagt Andreas Graber, der Chef der Berufsfeuerwehr. Doch die Einwohnerzahl im Westen wird in absehbarer Zeit weiter steigen. Das Sheridan-Areal ist nahezu komplett bebaut, im Reese-Areal geht die Erschließung weiter voran. Dazu kommen zahlreiche Neubauten für den Campus der Uniklinik. Auch bei der Verkehrssituation rechnet die Feuerwehr damit, dass es auf den Straßen künftig noch enger zugeht wie jetzt schon.

Sollte sich die Quote bei der Hilfsfrist wie erwartet weiter verschlechtern, müsste die Stadt ohne neue Wache im Westen mit drastischen Schritten reagieren. Beim Bau von Gebäuden müsste dann standardmäßig eine zweite Treppe als Fluchtweg vorgeschrieben werden. Weil die Feuerwehr eben nicht garantieren kann, schnell genug mit der Drehleiter da zu sein.

Rund 30 Stellen sollen neu bei der Augsburger Feuerwehr geschaffen werden

Für die neue Wache sollen rund 30 Stellen neu geschaffen werden, auch weitere Fahrzeuge wie eine Drehleiter müssen angeschafft werden. Teilweise sollen auch Feuerwehrleute von der Hauptwache an der Berliner Allee in den Westen umziehen. Damit sich dann im Osten der Stadt nicht eine neue Lücke auftut, setzt die Stadt auf eine neue Freiwillige Feuerwehr in Lechhausen. Dort gibt es nach Angaben von Feuerwehr-Chef Andreas Graber derzeit 34 Frauen und Männer, die sich als Feuerwehrleute ehrenamtlich engagieren wollen. Sie sollen jetzt ausgebildet werden, Anfang des Jahres 2023 wäre die neue Lechhauser Feuerwehr dann einsatzbereit. Dabei kommen wieder Kosten auf die Stadt zu: Denn die Feuerwehr braucht ebenfalls ein Gebäude, möglichst zentral in dem Stadtteil gelegen.

Und es kommt noch ein weiterer dicker Brocken, was ohnehin angespannten städtischen Finanzen angeht: Die Hauptfeuerwache an der Berliner Allee ist in die Jahre gekommen. Sie muss saniert werden. Teil platzt der Beton an dem Gebäude so ab, dass Stahlträger zum Vorschein kommen. Im Gebäude ist zu wenig Platz - und es ist, etwa bei den Toiletten und den Waschräumen, ursprünglich nur für eine rein männliche Feuerwehr geplant worden. Inzwischen kommen aber immer mehr Frauen dazu.

Im Allgemeinen Ausschuss des Stadtrats zeichnete sich am Mittwoch ab, dass es eine breite Zustimmung für die Pläne gibt. Pia Haertinger von den Grünen sprach von einem "sehr schlüssigen Konzept". Die Grünen hatten schon vor einiger Zeit beantragt, für die Feuerwehr einen Bedarfsplan zu erstellen. Dirk Wurm sagt, es klinge auf den ersten Blick "erschreckend", was da auf die Stadt zukomme. Man müsse aber bedenken, dass vieles, was in der Nachkriegszeit an Infrastruktur geschaffen wurde, jetzt eben ein kritisches Alter erreicht habe - dieser Herausforderung müsse sich die Stadt stellen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Die Zeit drängt beim Brandschutz

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