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Augsburg

02.01.2019

Die Fledermäuse in der Region brauchen Retter

Mit einer Auffangsstation wollen sich Tierschützer um Fledermäuse, hier eine Fransenfledermaus, kümmern.
Bild: Katrin Habenicht

Warum sich zwei Vereine und ein Museum zusammentun, um den geschützten Wildtieren zu helfen. Eine neue Auffangstation für verletzte und kranke kleine Flugkünstler soll auch für Besucher eine Attraktion sein.

Die kalten Monate verbringen heimische Fledermäuse im Winterschlaf. Aber schon ab März oder April werden sie wieder wach und schwirren dann in lauen Nächten herum. Dann haben auch die Fledermausschützer wieder alle Hände voll zu tun: Verletzte oder kranke Tiere brauchen Hilfe, verwaiste Baby-Fledermäuse müssen aufgepäppelt werden. Bislang mussten solche tierischen Pflegefälle in Privatwohnungen untergebracht und versorgt werden. Eine neue Auffangstation für Fledermäuse auf Gut Morhard in Königsbrunn wird die Arbeit der Helfer erleichtern. Sie soll auch möglichst viele Menschen für das Leben der scheuen kleinen Jäger am nächtlichen Himmel begeistern.

Die neue Fledermaus-Auffangstation ist ein Gemeinschaftsprojekt. Sie wird vom Naturmuseum Königsbrunn zusammen dem Augsburger Verein Feldermausschutz und dem mit dem Tierschutzverein Augsburg realisiert. Letzterer stellt auf seinem Gut Morhard in Königsbrunn das nötige Drumherum zur Verfügung, um Tiere und Menschen zusammenzubringen, damit am Ende alle profitieren.

Platz für 20 Fledermäuse

Gleich neben dem neuen Teich auf dem Gutsgelände wird ein Holzhäuschen entstehen. Das professionelle Gehege wird mit allem ausgestattet, was Fledermäuse zum Wohlfühlen brauchen: mit einem geschützten Raum für Flugübungen, Ruhezonen zum Schlafen, aber auch Klettergestellen. Die Auffangstation soll Platz für rund 20 Tiere bieten. „Wir hoffen auf den Baubeginn noch im Januar“, sagt die Geschäftsführerin des Tierschutzvereins, Sabina Gaßner. Wenn alles klappt wie geplant, sollen die ersten Schützlinge schon im Frühjahr einziehen.

Für den Tierschutzverein gibt mehrere Gründe, sich an dem Projekt zu beteiligen. Im Tierheim Augsburg werden jährlich rund 500 bis 800 Wildtiere abgegeben, die sich verletzt haben, oder die noch zu jung sind, um alleine zu überleben. „Wir bekommen beispielsweise Schwäne, Reiher, Tauben, Amseln und Igel“, zählt Sabina Gaßner auf. Aber auch Fledermäuse werden immer wieder gebracht. Mitarbeiter des Tierschutzvereins betreuen die Wildtiere zusammen mit verschiedenen Spezialisten, pflegen sie gesund und entlassen sie anschließend nach Möglichkeit wieder in die freie Natur. Was streng geschützte Fledermäuse angeht, arbeitet das Tierheim in Augsburg mit der freiberuflichen Fledermausfachberaterin Claudia Weißschädel zusammen. Sie kümmert sich mit einigen Helfern schon seit Jahren um Tiere, die in Not geraten. Und das ist öfter der Fall. Die nächtlichen Flugakrobaten sind gerade in einer Großstadt wie Augsburg einigen Gefahren ausgesetzt.

Sie pflegen die Tiere bei sich zu Hause

Wie die Expertin erklärt, haben Fledermäuse recht empfindliche Flughäute, die bei Verletzungen durch Gegenstände oder andere Tiere leicht einreißen können. „Bis sie heilen, kann es Monate dauern“, sagt Claudia Weißschädel. Öfter bekommt sie auch Fledermäuse, die versehentlich in Regentonnen gefallen sind. Beim Versuch, aus dieser gefährlichen Falle zu klettern, schaben sich die Tiere oft ihre lebenswichtigen Daumenkrallen ab. Bis die Krallen nachwachsen, können ebenfalls mehrere Wochen vergehen. Besonders arbeitsreich wird es für die Helfer in den Monaten August und September, wenn junge Zwergfledermäuse zum ersten Mal ausschwärmen, um nach neuen Quartieren zu suchen. Es kommt öfter vor, dass sie sich durch gekippte Fenster in Gebäude verfliegen und alleine mehr zurück ins Freie finden. Auch dann werden in der Regel die Fledermausschützer gerufen, um die Tiere zu retten. Allein im Jahr 2018 hatten sie in Augsburg über 70 verletzte oder kranke Fledermäuse zu betreuen. Claudia Weißschädel muss in ihrem Einfamilienhaus bislang mehrere Räume bereitstellen, in denen die Tiere versorgt werden können. Aktuell haben sie und ihre Mitstreiter zehn Exemplare in Obhut. Sie sagt, „ich bin seit Jahren jeden Tag angebunden“. Deshalb wünsche sie sich, dass die zeitaufwendige ehrenamtliche Arbeit in der neuen Fledermaus-Auffangstation von Gut Morhard auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Weitere Helfer seien dort sehr willkommen. Die Initiative für das neue Gemeinschaftsprojekt ging von Günther Groß, dem Leiter des Naturmuseums Königsbrunn, aus. Gefördert wird es vom Bezirk Schwaben, den Städten Augsburg und Königsbrunn. Auch weitere private Spenden sind willkommen. Ziel sei, die neue Fledermaus-Auffangstation in Königsbrunn auch für die Umweltbildung von großen und kleinen Tierfans zu nutzen, und zwar ergänzend zum Naturmuseum, sagt Groß.

Kameras filmen Fledermäuse nachts in Aktion

In dem neuen Holzhäuschen auf Gut Morhard in Königsbrunn werden Kameras installiert, die nächtliche Aktivitäten der tierischen Bewohner aufzeichnen. Besucher können sie dann tagsüber anschauen und durch Fensterschlitze die schlafenden Tiere beobachten. Bereits im Mitte Januar startet der Tierschutzverein mit einem ersten Veranstaltungsangebot: Am Samstag, 19. Januar, dürfen Kinder Fledermaustraumfänger basteln. Die Aktion läuft ab 14 Uhr auf Gut Morhard, Landsberger Str. 144, Königsbrunn. Anmeldung bis 17. Januar unter gut.morhard@tierschutz-augsburg.de

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Eva Maria Knab: Fledermäuse: Viele Gefahren für kleine Flugkünstler

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