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13.01.2015

Die Frau für besondere Momente

Fotografin Barbara Gandenheimer.
Bild: Silvio Wyszengrad

Fotografin Barbara Gandenheimer hat sich durch Porträts und Aufnahmen von Hochzeiten einen Namen gemacht. Den schönsten Tag im Leben von Bayern-Star Philipp Lahm und seiner Frau lichtete die Augsburgerin ab.

Die Zeiten, in denen ein Paar für die obligatorischen Hochzeitsbilder ins Fotostudio ging und auf der Feier selbst der Onkel oder Opa zur Kamera griff, sind lange vorbei. Heute ist es anders. Heute gewinnen die Fotos vom vermeintlich schönsten Tag im Leben eines Paares immer mehr an Bedeutung. „Das ist eine Branche, die geradezu explodiert“, sagt die Augsburger Fotografin Barbara Gandenheimer. Sie muss es wissen. Sie wird immer wieder gebucht, erarbeitet, mit zwei Kameras am Arm hängend, Ganztagsreportagen dieser einzigartigen Ereignisse. Zwölf bis 16 Stunden ist sie dann im Einsatz – immer auf der Suche nach dem besten Bild, dem schönsten Motiv. 2010 hat sie die Hochzeit des Bayern-Stars Philipp Lahm und seiner Frau Claudia fotografiert. Der Auftrag kam nicht von ungefähr: Die 46-Jährige hat ihr Handwerk in Augsburg gelernt – von der Pike auf.

Als Schülerin belegt sie an der Agnes-Bernauer-Realschule einen Dunkelkammerkurs. Ihr Interesse ist geweckt. Mit 14 Jahren bekommt sie ihre erste Spiegelreflexkamera geschenkt. Der Anfang einer großen Leidenschaft. Gemeinsam mit einer Freundin übt sie sich in der Porträt-Fotografie, will nach der Schule eine Ausbildung zur Fotografin machen. „Dafür war ich aber zu jung. Eine Voraussetzung war ein Führerschein und den hatte ich damals noch nicht“, erzählt sie. Deshalb absolviert sie zunächst eine Ausbildung zur Chemielaborantin, mit 19 geht sie dann bei Fotografie Hascher in der Frauentorstraße in die Lehre.

Artikel auspreisen, retuschieren, Bilder einpacken und Passfotos schießen – die großen Aufträge sind es in ihrer Lehrzeit nicht. Dennoch bleibt sie am Ball, heuert nach der Ausbildung bei einer Werbeagentur in Königsbrunn an. Dort merkt sie: Werbe- und Produktfotografie ist nicht Ihres. Waren es doch die Porträtbilder, die Fotos von Menschen, die sie zur Fotografie gebracht haben. Aber die Jahre in der Agentur haben auch ihr Gutes. „In Zeiten, wo es nichts zu fotografieren gab, habe ich die Grafiker unterstützt. Dort habe ich Photoshop und alle anderen Programme kennengelernt“, sagt sie. Sie ist dabei, als sich die Fotowelt revolutioniert, von analog auf digital umgestellt wird, Bildbearbeitungsprogramme zum Handwerk gehören. Nach der Geburt ihrer Kinder Sophia, 19, und Theo, 14, arbeitet sie halbtags. Eine Phase, die Raum für neue Ideen zulässt: 13 Jahre fotografiert sie etwa die Neugeborenen im Klinikum. „Das war, bevor Babysmile, die nun deutschlandweit Klinikfotografie betreiben, erfunden wurde. Ich bin mit meiner Idee, dass das Klinikum den Eltern ein Bild von ihrem neu geborenen Kind schenken könnte, einfach mal hingegangen. Danach bin ich 13 Jahre von Zimmer zu Zimmer gelaufen und habe Säuglinge fotografiert“, sagt sie.

Die Babys sind ihr geblieben. 2005 wagt die Schwiegertochter des langjährigen Stadtrats Theo Gandenheimer den Sprung in die Selbstständigkeit und kehrt zu ihrem ursprünglichen Interessensgebiet zurück: Porträts von Babys, Kindern, Personen privat und im Beruf und eben auch Hochzeiten. „Der Mensch interessiert mich. Das ist lebendig, das ist immer anders.“ Letzteres gefällt ihr besonders gut.

Es gibt keine schönste Hochzeit, an die sie sich erinnern mag, schön ist es vor allem, wenn es einmal anders und neu ist. „Ich mag es, wenn ich an einem Ort noch nicht war“, sagt sie.

Das treibt sie an, sich neu zurechtzufinden, Möglichkeiten zu finden, die porträtierten Personen gut aussehen zu lassen und auch das Umfeld. Barbara Gandenheimer: „Manchmal sind die Räumlichkeiten gar nicht so perfekt und dann ist es meine Aufgabe, eben etwas Schönes daraus zu machen“, sagt sie.

Ihr Blick für das Besondere hat sich herumgesprochen. Nachdem sie sich selbstständig machte, wurde eine Kollegin aus München schwanger. „Sie hätte 15 Hochzeiten absagen müssen. Die habe ich dann übernommen“, sagt Gandenheimer.

Das war der Startschuss – mittlerweile arbeitet sie eng mit einer Wedding-Planerin aus München zusammen, erhält so immer wieder Aufträge von Paaren, die bei ihrer Hochzeit nicht so sehr auf das Geld schauen müssen. „Natürlich ergeben sich leichter schöne Detailaufnahmen, wenn allein schon einmal 2000 Euro in den Blumenschmuck investiert wurden“, sagt sie. Dennoch machen Hochzeiten nur 30 Prozent ihrer Aufträge aus. Der Großteil sind Porträts. Und wenn es nach ihr geht, dann soll der Anteil noch größer werden. „Ganztags bei einer Hochzeit zu fotografieren ist wahnsinnig anstrengend. Wenn ich samstags unterwegs bin, ist sonntags mein Rücken im Eimer.“

Derzeit richtet sich Barbara Gandenheimer gemeinsam mit ihrem Kollegen Nikolas Hagele ein Tageslichtstudio in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Volk in der Neidhartstraße ein. Hier, im Bismarckviertel will sie ihre Kunden in Szene setzen. Denn das ist nach all den Jahren ihr Ansporn geblieben: „Ich will die Menschen von ihrer besten Seite zeigen, sie vorteilhaft ablichten.“

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