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Porträt

25.02.2015

Die Geige ist sein zweites Ich

Der Augsburger Violinist Sandro Roy schaut nach vorne. Er ist mit seinen 20 Jahren schon ein gefragter Musiker.
Bild: Michael Hochgemuth

Sandro Roy stammt aus einer Familie, der Musik im Blut liegt. Gerade hat der 20-Jährige sein erstes Album vorgelegt. Und: Die Fachpresse feiert ihn dafür – eine Erfolgsgeschichte

Der junge Augsburger Geiger Sandro Roy startet gerade durch. „Where I Come From“ heißt seine erste CD. Mit dem Album erregt der 20-Jährige zum Beispiel das Aufsehen des Fachpublikums: Die Jazz-Zeitung kürte ihn im Februar zum Newcomer des Monats. Im Album zeigt Roy, dass zwei Geiger-Seelen in seiner Brust schlagen – eine klassische und eine jazzige. Neben seinen Eigenkompositionen finden sich auf der CD Jazz-Standards, Gypsy, Swing sowie Klassik. Aufgenommen hat Roy das mit renommierten Mitmusikern wie Wolfgang Lackerschmid, Jermaine Landsberger, Paulo Morello; Unterstützung bekam Roy von der Kulturbehörde Hamburg.

Auch seine Geburtsstadt Augsburg feiert Roy. Vergangenes Jahr erhielt er den „Förderpreis für die junge Generation“ des Rotary-Clubs Augsburg-Fuggerstadt, 2011 erhielt er den Sonderpreis des Kunstförderpreises Augsburg. Außerdem gewann Roy mehrmals bei „Jugend musiziert“, von 2007 an auch auf Bundesebene, das heißt die Stufe des Wettbewerbs, an der sich die kommenden Profimusiker zeigen. Und nun startet Roy mit seinen 20 Jahren mächtig durch.

Musik wurde Sandro Roy förmlich in die Wiege gelegt. Er wuchs in einem Haus auf, in dem ihn der Jazz umgab. Sein Vater Timo ist Profimusiker und spielt Jazzgitarre. Seine Mutter gehört zur Reinhardt-Familie und ist weitläufig mit Django verwandt. Auch der Gypsy-Jazz ist für Roy von früh an ein wichtiges Element. Geht Sandro Roy den nach Österreich führenden Roy-Stammbaum weiter zurück, findet er bis ins 19. Jahrhundert hinein in jeder Generation mindestens einen Geiger oder Cellisten.

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Sein Großonkel Joseph Roy war zum Beispiel Violinist bei den Wiener Symphonikern – bis die Familie von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Wegen der Nazis flohen viele Roys nach Australien oder Amerika und kehrten nicht zurück. Heute sind Sandro, seine Eltern und seine Schwester die einzigen Roys, die hier geblieben sind und Sandro der einzige Geiger der Familie.

Erst einmal hat er als Vierjähriger Gitarre gelernt

Wie begeistert von Instrumenten und von der Musik seine Familie ist, illustriert eine Anekdote, die Roys Vater Timo erzählt. Dieser habe sich von seinem Instrument nicht einmal nachts trennen können, er habe es zum Schlafen einfach mit ins Bett genommen.

Bei dieser musikalischen Neigung verwundert es nicht, dass Sandro als Vierjähriger erst einmal Gitarre lernte – die er auch heute noch virtuos beherrscht. Einen Bruch bekam diese Beziehung allerdings, als Sandro Roy mit sieben Jahren eine Geige in die Hände bekam. Das Resonanzgefühl sei mit ihr ein ganz anderes gewesen, sagt er: „Sie hat mich im Herzen mehr berührt.“

Bei der Geige blieb er. Seinen ersten Violinunterricht erhielt Roy bei Harry Christian, mit dem Studium bei Jens Ellermann in München begann „das harte klassische Üben“. Nach Ellermanns Pensionierung wechselte Sandro zu Linus Roth nach Augsburg, für ihn „einer der profiliertesten Geiger“ und ein exzellenter Lehrer. Auch hier konzentriert sich Roy auf klassische Literatur und Technik. Die Jazz-Musik hat sich Roy auf seinem Instrument autodidaktisch angeeignet. Jazz musste ihm nicht unterrichtet werden, er war im Elternhaus auch dank der Plattensammlung seines Vaters allgegenwärtig.

Die Geige ist sein zweites Ich geworden. Nur auf diesem Instrument hört er absolut, mit ihm kann er sich ausdrücken – entweder eigene Gedanken, die er beim Komponieren, Arrangieren und Improvisieren im Jazz entwickelt, oder fremde Gedanken, wie er sie in den klassischen Kompositionen vorfindet.

Auf beides legt Roy wert, beides braucht er, auf keines will er verzichten. „Ich spiele genauso gern Bach, wie ich Django Reinhardt spiele“, sagt er. „Der Jazz gibt mir das Gefühl des freien Groovens auf der Bühne. Ich kann in dem Moment komponieren.“ Die Klassik dagegen ist trotz strikter Notenvorgabe „noch mehr Lebenskultur“, gibt größeren Raum für tonliche Schönheit, die er mit seinem wertvollen Instrument aus der Werkstatt Wiltrud Fauler, das ihm von einem Mäzen zur Verfügung gestellt wurde, wunderbar realisieren kann.

Musik bestimmt das Leben Roys. Täglich übt er allein fünf Stunden. Viel Zeit für Hobbies und seine Freunde bleibt ihm nicht. Roy spielt in mehreren Formationen vom Duo mit dem Pianisten Jerome Weiss bis zum Quartett. Er ist als klassischer Violinist und als Jazz-Geiger auf Festivals in ganz Europa gefragt. Er reist im Juni zu Konzerten nach Amerika, unterrichtet an einer Musikschule und möchte einmal das gleiche Repertoire beherrschen wie seine Vorbilder Benjamin Schmid und Gil Shaham – „alle Violinkonzerte von der Romantik bis in die Moderne“.

Das Sandro Roy Trio tritt am Freitag, 27. Februar, um 19 Uhr im Mozarthaus Augsburg auf. Sandro Roy ist außerdem am 10. Mai um 12:05 im Goldenen Saal im Rathaus zu hören, dann im Rahmen des Mozartfests gemeinsam mit dem Augsburger Kammerorchester (Ltg. Bernd-Georg Mettke). Die erste CD Sandro Roys „Where I Come From“ ist auf dem Label Skip/Soulfood erschienen (CD SKP 9124)

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