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Porträt

10.01.2018

Die Geige wurde ihm in die Wiege gelegt

Eine innige Beziehung: Der Violinist Nico Franz und seine Geige, gefertigt von Antonio Pasta 1725 in Brescia.
Bild: Anne Marie Alice Bossaers

Nico Franz ist erst 21 und schon ein virtuoser Violin-Solist. Dem jungen Augsburger aus einer Sinti-Familie liegt sowohl die Klassik als auch der Gypsy-Jazz. Zu letzterem kam er aus einem Zufall

Musik ist Nico Franz in die Wiege gelegt worden. Schon sein Großvater spielte Geige und trat mit seinen Sinti-Ensembles international auf. Auch Nico, der Enkel, könnte sich ein Leben ohne Musik nicht vorstellen. „Musik spricht alles aus – Traurigkeit, Freude, Spaß, Glücklich-sein.“ Voriges Jahr hat der 21-Jährige sein Studium am Leopold-Mozart-Zentrum abgeschlossen, an der Nürnberger Musikhochschule soll es bald weitergehen. Dazwischen gibt er seine Vielseitigkeit zum Besten. Am 13. Januar spielt er mit seiner Band „Swingtette de Bavière“ Gypsy-Jazz im Augustanasaal, am 1. Februar tritt der junge Geiger mit Musik der Romantik im Schaezlerpalais auf. Zusammen mit seiner Klavierpartnerin Junko Podwojewski.

Obwohl noch jung an Jahren, hat Nico Franz schon einige Preise aufzuweisen, zuletzt erhielt er den Sonderpreis des internationalen Alois-Kottmann-Violinwettbewerbs in Frankfurt am Main. Und die Ulmer Albert-Eckstein-Stiftung hat ihm ein besonderes Instrument überlassen: eine Geige des Italieners Antonio Pasta, 1725 in Brescia gebaut. Nico hätschelt sie, jeden Tag spielt er die barocke Violine. Denn er weiß: „Eine Woche nicht gespielt und ihr Klang verändert sich. Denn das Holz wächst weiter – zum Positiven wie zum Negativen.“ Er wünscht sich eine Geige, die mit ihrem Klangvolumen es auch mit einem Sinfonieorchester aufnehmen kann („man soll sie bis hinten hören“).

Am liebsten tritt Nico Franz als virtuoser Solist auf, begleitet nur vom Klavier. Komponisten der letzten drei Jahrhunderte bestimmen sein Repertoire, angefangen bei Mozart und Beethoven über Romantiker wie Mendelssohn bis hin zu Zeitgenossen wie Henryk Wieniawski und Max Bruch. Bei seiner musikalischen Reifung standen ihm am LMZ die Dozenten Prof. Linus Roth und Senta Kraemer zur Seite, bei Prof. Petru Munteanu und Baiba Skride absolvierte er Meisterkurse. An der Geige unterrichtet wurde er schon seit seinem fünften Lebensjahr. „Großvater hat mir die Geige in die Hände gedrückt.“ Die Begeisterung, die er selbst für die Musik empfand, möchte er weitergeben, wenn er jetzt Kinder unterrichtet. Sie mögen ein Ziel vor Augen haben: So möchte ich auch einmal Geige spielen können. Freilich: „Das gewisse Etwas bekommt man in die Wiege gelegt.“

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Dass er neben der Klassik auch zu den eigenen Wurzeln des Gypsy-Jazz gefunden hat, den er im „Swingtette de Bavière“ pflegt, hat mit seinem 1. Preis beim Jugend-Musik-Förderpreis Allgäu 2016 zu tun. „Im Laufe des Tages lernte ich Elias Prinz kennen und es ergab sich die Idee, eine Zugabe zu spielen.“ Aus dem spontanen Zusammenspiel wurde eine Band, die schon bei der Eröffnung des Friedensfests 2017 am Helmut-Haller-Platz aufgetreten ist. Und im Goldenen Saal bei der Gründung des Augsburger Regionalverbands der Sinti und Roma. Und im Bayerischen Landtag am Internationalen Tag der Roma (8. April) auf Einladung von Vizepräsidentin Ulrike Gote.

Ende Januar wird Nico Franz mit Swingtette eine CD aufnehmen mit facettenreichem Gypsy-Jazz von Swing, Bolero, Waltz bis Bossa Nova. „Viele wollen den Django-Reinhardt-Stil nachspielen – und er ist ja auch die Nummer eins. Mir aber liegt viel daran, eigene Interpretationen der Soli zu spielen.“ In der Musik liege eben viel Persönlichkeit des Musikers – und er pflegt die musikalischen Traditionen seiner Augsburger Sinti-Familie. Außerdem setzt er auf die nie versiegende künstlerische Inspiration: „Jeden Tag kann immer was anderes dazu kommen“, weiß Nico Franz.

Am Samstag, 13. Januar, 19.30 Uhr, tritt im Augustanasaal das „Swingtette de Bavière“ mit Nico Franz, Elias Prinz, Jonas Prinz, Chris Hertel und Benjamin Wesch auf. Am Donnerstag, 1. Februar, 18 Uhr, spielt Franz im Speisesaal im Schaezlerpalais „Musik der Romantik“ mit Junko Podwojewski.

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