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20.09.2018

Die Hochzoller lebten gefährlich

Margit Metzger führte zweimal ein gutes Dutzend Interessenten durch die Ausstellung im Maximilianmuseum (links) und erklärte die Darstellungen des historischen Hochablasses. <b>Foto: Annette Zoepf</b>
Bild: Annette Zoepf

Was die Ausstellung im Maximilianmuseum sogar für Heimatforscher interessant macht

Innenstadt/Hochzoll Warum bis ins 19. Jahrhundert niemand jenseits des Lechs leben wollte, zeigt ein fokussierter Blick in die Wasserausstellung, organisiert vom Bürgertreff Hochzoll. Der Verein ging der Sache auf den Grund.

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Jahrhunderte war der Lech ein Zankapfel. Das Wasser zu wertvoll, um es klaglos der selbstbewussten, seit 1276 auch selbst verwalteten Reichsstadt Augsburg beziehungsweise kampflos dem gegenüber liegenden Herzogtum Bayern, dem der Fluss gehörte, zu überlassen. Immer wieder erstritt sich Augsburg Rechte an dem Fließgewässer, während Bayern die installierten Augsburger Wehre, die die Flößer auf das westliche Ufer leiteten, sabotierte und eine eigene Wasserführung zum östlichen Ufer ins Lechbett baute.

Ein Wehr etwas nördlich auf der Höhe des heutigen Hochablasses legten die Augsburger wohl erstmals 1346 an, wie Margit Metzger erklärt. Auf Anregung des Bürgertreffs Hochzoll hatte die Kunstvermittlerin im Maximilianmuseum zwei Führungen mit Fokus auf die Hochzoller Stadtteilgeschichte konzipiert. Je etwa ein Dutzend Interessierte folgten ihr durch die Ausstellung „Wasser, Kunst, Augsburg“ auf der Suche nach dem Hochzoller Beitrag zur Wasserhistorie. Auch wenn Hochzoll selbst auf der Originalkarte von 1571 aus wenig mehr besteht als dem Zollgebäude, spielte die Ansiedlung wegen ihres Zugangs zum Lech eine bedeutende Rolle. Die Exponate rund um den Hochzoller Hochablass und die historischen Details, die Metzger bei der Vorrecherche ausgegraben hatte, machten diesen quartiersbezogenen Rundgang durch die große Stadtgeschichte auch für Hochzoller Heimatforscher wie Michael Friedrich und den ehemaligen Lehrer Alfred Hausmann ergiebig. Metzgers Recherchen zufolge ist eine Art Wehr an dieser Stelle schon früh verbürgt.

Die Hochzoller lebten gefährlich

Schon Mitte des 14. Jahrhunderts sollen hier große Steine und ins Flussbett gerammte Holzpflöcke das Wasser so umgeleitet haben, dass die Flößer – von der Strömung getrieben – am Augsburger Flussufer anlanden und ihre hölzerne Ware entladen konnten.

1532 grub die Stadt den ersten „Anstich“, um das Flusswasser aus dieser Flößergasse auch in die Stadt für den Antrieb der Handwerkermühlen und Trinkwasserinfrastruktur zu leiten. Nach Konflikten mit dem Herzogtum Bayern baute Augsburg 1595 weiter südlich, am heutigen Neubach, jenen Durchlass, der bis heute aktiv ist. „Über Jahrhunderte waren das die neuralgischen Punkte für das Überleben der Stadt“, erklärt Metzger.

So drehten die Schweden im 30-jährigen Krieg den Augsburgern das Wasser ab – das zeigt das ausgestellte Tagebuch des bekannten Augsburger Kaufmanns und Kunstexperten Philipp Hainhofer (1578–1647). Auch im Spanischen Erbfolgekrieg Anfang des 18. Jahrhunderts wurden „Wuhrhaus“ und „Wuhrmeisterwohnung“ zerstört. Ein ausgestelltes Holzmodell aus der Modellkammer im Augsburger Rathaus zeigt, wie Gebäude- und Schleusentechnik nach 1708 wieder aufgebaut wurden.

Unfälle bewegten auch vor Jahrhunderten schon Maler und Journalisten. Ein Einblattdruck der „Neuen Zeitung Augsburg“ berichtete von drei „Weibspersonen“, die 1591 bei der Floßgasse verunglückten und ein Ölgemälde von 1749 zeigt den spektakulären Unfall eines Schongauer Schreinermeisters. Er hatte Möbel geladen, das Floß kippt am Wehr, der Schreiner wird flussabwärts, die Tochter in den Hauptstadtbach gespült, dort jedoch wieder herausgezogen.

Schon 1730, das zeigt ein Stich, war das Wehr auch touristische Attraktion samt Gaststätte und Kegelbahn. Noch 1914 ließ König Ludwig mit großem Pomp einen neuen Hafen für die jährlich bis zu 4000 Flöße einweihen, der jedoch nie genutzt wurde.

Die heutige Brücke über den Hochablass wurde erst in den 1930er Jahren errichtet und ist die erste an dieser Stelle.

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