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Augsburg

16.11.2017

Die Jakobervorstadt soll schöner werden

Auch die Jakoberstraße ist Thema beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept für die nördliche Jakobervorstadt. Bei den Maßnahmen dürfen auch die Bürger mitreden.
Bild: Annette Zoepf

Anwohner und Geschäftsleute dürfen bei der Gestaltung mitreden. Bei einer Bürgerbeteiligung äußerten sie Wünsche und Kritik. Wie die Stadt vorgehen will.

Die Stadt tritt bei der geplanten Sanierung und Aufwertung der Jakobervorstadt nördlich der Jakoberstraße in die Phase der Bürgerbeteiligung ein. Knapp 100 Bürger ließen sich im Pfarrsaal von St. Max darüber informieren, wie das Verfahren nach dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) des Bundes abläuft und was konkret mit Fördermitteln erreicht werden kann.

Die Stadt hat ISEK schon bei mehreren Stadtvierteln, zum Beispiel in Oberhausen, mit einigem Erfolg angewendet. 2013 kamen nach den Worten von Stadtbaurat Gerd Merkle einige Sorgen und Anregungen zu diesem Stadtquartier auf. Darauf beschloss der Stadtrat, in eine Planung einzutreten, und stellte Planungsmittel im Haushalt 2017/18 bereit. Es soll nun laut Merkle eine Voruntersuchung stattfinden, die zu einem Handlungskonzept führen soll.

Nach und nach verwirklichen

Nach den Worten von Jan Weber-Ebnet von dem Münchner Verein Urbanes Wohnen, der den Prozess moderieren wird, kommt am Ende ein großes Maßnahmenbündel heraus, das im Verlauf einiger Jahre nach und nach verwirklicht werden soll. Damit nicht der Eindruck entsteht, dass nichts geschieht, hat er einen Verfügungsfonds, mit dem kleinere Aktionen mit Beträgen zwischen einigen 100 und einigen 1000 Euro bezuschusst werden können.

Zum Planungsteam gehören Prof. Hans-Henning von Winning (Verkehr) Prof. Gerd Aufmkolk (Grünräume), Marc Hoffmann (Stadtplaner) und Rafael Stegen (soziale Entwicklung). Winning charakterisierte die Jakobervorstadt als wertvolles Viertel, auch für den Rest der Stadt. Hier gebe es sehr viele öffentliche Einrichtungen, die für die Bewohner leicht erreichbar seien. Um die Verkehrslage zu verbessern, setzt er auf die Einübung kooperativen Verhaltens, denn es würde der Jakobervorstadt schaden, wenn der Durchgangsverkehr abgehalten werde. Die anderen Planer hoben das Nebeneinander von alten und neuen Gebäuden, ungewöhnliche Naturflächen trotz des allgemeinen Grünmangels und einen noch immer vielfältigen Einzelhandel hervor.

Viele Post-ist beschriftet

Nach der Einführung wurden die Bürger aufgefordert, an vier Tischen auf großen Stadtplänen Orte mit Lob und Kritik zu markieren und Wünsche und Ideen zu notieren. Dafür wurde ihnen knapp eine Stunde Zeit gegeben. Es war eine rege Beteiligung zu beobachten; viele Post-its wurden beschriftet und befestigt. Um folgende Themenbereiche ging es:

Wirtschaft/Einkaufen Das Einkaufsangebot wurde gelobt. Die Bürger bemängelten aber, dass die Leerstände zunehmen und ungute Veränderungen eingesetzt haben (Wettbüros). Café und Apotheke im Vincentinum werden geschätzt. Der Wunsch wurde laut, dass der Lauterlech als Ladenviertel wiederbelebt wird und am Jakobsplatz ein schönes Café entsteht. Planer Stegen wies darauf hin, dass die Stadt da nur mit den Immobilieneigentümern sprechen könne.

Soziales Der Planungsbereich wird teils als „Angstraum“ empfunden. Nachts seien viele Betrunkene unterwegs, es komme vereinzelt zu Gewalt. Frauen fühlen sich nicht sicher. Wenn Lokale bis um vier Uhr öffnen (mit entsprechenden Ruhestörungen), zerfällt die Nachbarschaft, wie beklagt wurde. Bürger wünschen sich einen Bürgertreff und mehr Sportanlagen sowie die Öffnung von Schulsportplätzen.

Verkehr/Infrastruktur Am Lauterlech und in der Oblatterwallstraße wird nach Meinung der Bürger zu schnell gefahren. Es gibt unerwünschten Schleichverkehr, mit dem Staus umfahren werden. Es fehlen Parkplätze, und es werden zu viele gewerbliche Lieferwagen abgestellt. Radwege fehlen oder werden durch geparkte Autos zugestellt. Dass ein Teil Jakoberstraße während der Jakober Kirchweih gesperrt ist, wurde ausdrücklich begrüßt. Wünsche zielten auf eine Aufwertung der großen Verkehrsflächen wie etwa bei St. Jakob ab.

Stadtgrün fehlt an der Jakoberstraße

Städtebau/Freiräume Der Stadtgraben wird als gut geeignet für die Naherholung und zugleich ausbaufähig angesehen. Beklagt wurde, dass die Bastion an der Kahnfahrt nicht zugänglich ist und es in dem Bereich viel Schmutz gibt. Die Jakoberstraße wird wegen ihres historischen Flairs geschätzt, aber Stadtgrün wird hier vermisst; Verkehr sollte vermindert werden. Plätze am Vincentinum, an den Schulen und bei St. Jakob sollten besser genutzt werden. Es sollte mehr Urban Gardening geben. Ein Besucher merkte an, Bewohner mit ausländischen Wurzeln sollten in den Planungsprozess mehr eingebunden werden.

Weiteres Vorgehen In etwa zwei Wochen sollen Anregungen und Kritik auf der Website www.stadtplanung.augsburg.de unter „Städtebauliche Projekte“ und „Soziale Stadt Jakobervorstadt“ veröffentlicht werden. Per Mail an jakobervorstadt-nord@augsburg.de kann man auch weitere Anmerkungen machen. Die Stadt will zwischen Dezember und Februar Expertenrunden und Bürger- sowie Jugendwerkstätten einberufen. Im März sind Stadtteilspaziergänge geplant, im Mai/Juni eine Kulturwerkstatt. Die Voruntersuchung soll im Herbst 2018 abgeschlossen werden, eine Vorplanung wird dann öffentlich ausgelegt.

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