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Augsburg

04.01.2019

Die Kiefers legen die Wanderkarte beiseite

Viele Jahre haben Maria und Alois Kiefer auf Wander- und Straßenkarten ihre Routen ausgetüftelt. Jetzt haben sie die Wanderungen der Seniorenfachstelle an einen Nachfolger übergeben.
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Viele Jahre haben Maria und Alois Kiefer auf Wander- und Straßenkarten ihre Routen ausgetüftelt. Jetzt haben sie die Wanderungen der Seniorenfachstelle an einen Nachfolger übergeben.
Bild: Annette Zoepf

Die Ausflüge mit den Eheleuten sind legendär. Seit 1994 führen sie wöchentlich bis zu 70 Senioren sicher durch die heimischen Wälder und Gasthäuser. Jetzt geben sie das Amt an Gerhard Decker ab

Alois und Maria Kiefer laufen. Schon seit 24 Jahren. Jeden Mittwoch, im Winter jeden zweiten, durchstreifen sie die Westlichen Wälder und haben für die jeweils zehn Kilometer bis zu 70 Wandergäste im Schlepptau. Auch das Allgäuer und das oberbayerische Voralpenland und Mittelfranken stehen auf ihrem akribisch vorbereiteten halbjährlichen Wanderplan, der von der städtischen Fachstelle Seniorenarbeit unterstützt und veröffentlicht wird. Die Vorwanderungen, also Erkundungstouren, bevor die große Gästetruppe mitgeht, eingerechnet, hat das Ehepaar in den letzten 24 Jahren etwa 11000 Kilometer laufend zurückgelegt, wie Alois Kiefer (87) vorrechnet. Zwei dicke Ordner sind das Resultat ihres ehrenamtlichen Wirkens, jeder Gang ist – inklusive der Anreisebeschreibung und Einkehrmöglichkeiten – handschriftlich dokumentiert. Ein Schatz, den die beiden gerne ihren Nachfolgern überlassen.

Tarifreform als großes Ärgernis

Denn für Maria (76) und Alois (87) Kiefer ist jetzt Schluss. Sie reichen den Wanderstab weiter. „Es war eine ganz tolle Zeit, jederzeit würden wir das wieder machen. Aber ein Ende muss auch sein“, erklärt sie. Zwei Stunden Wandern vormittags, einkehren, eine einstündige Marscheinheit nachmittags – so lief das mittwochs bei den Kiefers. Sie kennen nicht nur die Westlichen Wälder, sondern auch die Gasthäuser Schwabens wie ihre Westentasche. Zuletzt störten nur die Stadtwerke ihre gewohnte Routine. Denn die Abschaffung des Seniorentickets für 27 Euro, mit dem die Teilnehmer ab 8 Uhr früh zum Ausgangspunkt kamen, zwang 2018 zum Umdenken. Denn das jetzige 30-Euro-Abo gilt erst ab 9 Uhr. Die Tarifreform bringt die Wanderer bis heute in Wallung. „Für unser Angebot heißt das ja, dass wir auch die Strecken anpassen mussten, um rechtzeitig in der Gastwirtschaft zum Mittagessen anzukommen. Außerdem laufen bei uns viele arme Menschen mit, die auf jeden Cent schauen“, sagt Alois Kiefer.

Bei 38 Grad in Garmisch

Als der Postbeamte aus der Pferseer Straße 1994 in Pension ging, baute er das neue Wanderprojekt auf. Breitensport sollte es sein, für möglichst viele Senioren. Das war ihm wichtig. Von Anfang an setzten sie auf den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Wo der nicht hinfährt, wurde nicht gewandert. Nur zwei Mal im Jahr charterten die beiden einen Bus. Für besondere Ausflugziele. Zum Beispiel Garmisch 2015. „Das war unsere heißeste Tour, 38 Grad im Schatten, ein wenig gefährlich für unsere Wanderer“, erinnert sich Maria. Doch alles ging gut.

Ihre Teilnehmer sind eher älter als jünger. Alois Kiefer lacht: „Wenn bei uns jemand mit 65 mitläuft, fällt er schon auf.“ Während er vorne und seine Frau am Schluss jeweils mit Trillerpfeife läuft, um die Gruppe zusammenzuhalten, entstehen Freundschaften, sogar für Liebesanbahnungen waren die Wanderungen schon gut. Kann man sich auch verlaufen? Ja, die Wege in den Westlichen Wäldern, vor allem zwischen Wellenburg und Anhausen, seien schlecht oder gar nicht ausgeschildert, kritisiert Alois Kiefer.

Kein Weiterkommen an der Autobahn

Aber verirrt habe er sich noch nie. Nur einmal, vor der A8, an einer der während der Baustelle dort abgerissenen Fußgängerquerungen. „Da war plötzlich nichts mehr, kein Weiterkommen“, erzählen die beiden. Und der Gasthof wartete hinter der Autobahn mit 70 vorbestellten Essen auf sie. Verzweifelt riefen die Kiefers in der Seniorenfachstelle an. „Tatsächlich schickten die einen Bus, der uns aufsammelte“, erinnert sich Maria lachend.

Im Herbst 2018 wurden die beiden mit einer großen Feier des Sport- und des Sozialreferats im Kolpingsaal verabschiedet. Das Frühjahrsprogramm 2019 läuft noch nach ihren Planungen, die Führungen selbst wird ab Januar Gerhard Decker übernehmen.

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