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16.06.2009

Die Krise trifft auch Manager hart

Harte Zeiten für die Kurzarbeiter: Wenn am Monatsende bis zu 800 Euro netto in der Lohntüte fehlen, kann es eng werden. Doch nicht nur die Mitarbeiter müssen in der Krise bluten. Auch das Management beteiligt sich und verzichtet zum Teil auf Einkünfte. Freiwillig. Allein beim Druckmaschinenhersteller manroland sind es etliche Millionen, die so zusammen kommen. Betroffen sind rund 150 Führungskräfte, die bis zu zehn Prozent weniger erhalten, obwohl viele trotz Krise eher mehr arbeiten müssen.

Wenn ein Arbeiter ein verringertes Kurzarbeitergehalt bekommt, muss er auf Lebensqualitätverzichten, kann wichtige Einkäufe nicht tätigen, betont IG Metall-Chef Jürgen Kerner. Wenn Manager ihre Bezüge um zehn Prozent kürzen, komme halt weniger aufs Sparkonto, so der Gewerkschafter zum Unterschied. "Doch es geht um das Symbol und damit um das Klima in einem Unternehmen. Wenn die Mitarbeiter finanzielle Einbußen erleiden, müssen auch die Chefs die Gürtel enger schnallen."

Zumindest bei den großen Augsburger Betrieben gehöre dies zur guten Unternehmenskultur. Zwar kam der Verzicht der Manager oft nicht aus eigenem Antrieb, doch habe man entsprechende Forderungen des Betriebsrates akzeptiert. "Die Initiative kam von uns", sagt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Bänsch (manroland). Im Unternehmen sind nahezu alle 7 000 Mitarbeiter (davon 3 000 in Augsburg) von Kurzarbeit betroffen. Rund 150 Manager zahlen nun freiwillig einen Kurzarbeit-Soli, "opfern" zehn Prozent ihrer fixen Vergütung. So kommen etliche Millionen zusammen, sagt Bänsch.

Kuka Auch beim Roboterbauer Kuka verzichten die Chefs auf ein Zehntel ihres Einkommens.

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Fujitsu Beim Computerhersteller Fujitsu Computers sind am 1. September alle 2 000 Mitarbeiter Kurzarbeiter. Entsprechend der Lohneinbußen wird auch die Vergütung der Geschäftsleitung reduziert, sagt Betriebsratschef Paul Riegg. "Bei den Mitarbeitern wird dies als positives Zeichen gesehen."

Emcon Einer der Ersten, den es voll erwischt hat, war der Katalysatoren-Hersteller Emcon. Rund 1000 Mitarbeiter sind betroffen. Laut Betriebsratsvorsitzendem Dieter Schreiber haben alle Führungskräfte, die außertariflich entlohnt werden, sechs Tage Urlaub ohne Bezahlung genommen. Rund 300 Emcon-Beschäftigte seien betroffen. Ob darüber hinaus das Management einen finanziellen Obolus entrichtet, weiß Schreiber nicht.

"Dass auch Manager weniger in Krisenzeiten bekommen, ist eine Frage des Anstandes und der Glaubwürdigkeit. Dafür verdienen sie in guten Zeiten ja auch extrem gut", sagt der IG-Metall-Chef. Dass die Gehaltsreduzierung viele Beschäftigte in eine Existenzkrise bringen kann, betont Kerner. Monteure, die 3 500 Euro brutto verdienen, haben bis zu 800 Euro netto weniger, wenn auch noch die Schichtzulage fehlt. Wer da ein Auto oder gar ein Haus finanzieren muss, bekomme schnell Probleme. Die Gewerkschaft versucht in Gesprächen mit Banken und Stromerzeugern, Härtefälle abzumildern.

Dass Manager in der Krise auf Einkommen verzichten, findet auch IHK-Vize-Präsident und Unternehmer Christian Dierig "gut". Dies sei ein Zeichen der Solidarität, die man einfordern könne. Für Dierig könnte die Bereitschaft dazu in einigen Betrieben noch größer sein. Im eigenen Unternehmen sind 150 Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen. "Unsere Führungskräfte verzichten auf den gleichen Anteil." Zusätzlich fahre man kleinere Wagen, verzichte bei Flügen auf die Business-Class. So spare auch die Firma, um Jobs zu erhalten.

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