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Augsburg

23.01.2021

Die Krise wegen Corona spitzt sich an der Messe Augsburg zu

Der Blick von oben auf das Augsburger Messegelände. Wegen der Corona-Pandemie finden seit fast einem Jahr keine Großveranstaltungen mehr in den Hallen statt.
Bild: U. Wagner (Luftbild)

Plus Seit nahezu einem Jahr gibt es wegen Corona keine Großveranstaltungen an der Messe Augsburg mehr. Dies spüren zwei Unternehmen in besonderer Form. Wie sie damit umgehen.

Die Veranstaltungsbranche und das Messewesen gehören zu den Verlierern der Corona-Pandemie. Der Besuch eines Konzerts oder einer Messe ist seit vielen Monaten nicht mehr möglich. Für Unternehmen, die am Markt operativ tätig sind, spitzt sich die Krise zu. Das spüren die Messe GmbH, die das Augsburger Messegelände betreut, und die Firma Afag Messen und Veranstaltungen GmbH, die in Augsburg als größter Veranstalter auftritt. Beide Firmen haben Kurzarbeit beantragt. Die Geschäftsführer beider Unternehmen schildern, wie sie auf die Herausforderungen reagieren.

Es war Ende Januar 2020, also vor gut einem Jahr, als die letzte große Veranstaltung im Messezentrum stattfand. Zur Augsburger Frühjahrsausstellung (afa), die von der Afag veranstaltet wird, kamen fast 60.000 Besucher. Wenig später bestimmte Corona das öffentliche Leben, das Virus nahm Einfluss auf die Ausrichtung von Großveranstaltungen. Die Fachmesse Grindtec, die als bislang größte Veranstaltung in Augsburg über die Bühne gehen sollte, wurde zunächst im Frühjahr verschoben und später im November endgültig abgesagt. Für die Afag-Geschäftsführer ist mit der Absage das Thema allerdings nicht erledigt, da es nun auch darum geht, wie mit Ausstellern zu verfahren ist, die ebenfalls auf Kosten sitzen geblieben sind.

Der Messe Augsburg fehlen die Einnahmen

Lorenz Rau, Geschäftsführer der Messe Augsburg, hat ebenfalls Sorgen. Ohne Veranstaltungen fehlen Einnahmen. Das große Areal liegt nahezu brach. Einzig in der Messehalle 3a herrscht seit Längerem Betrieb. Hier ist das Corona-Impfzentrum untergebracht. Das Geschäftsjahr 2020 hatte der Messe Millionenverluste beschert, weil reihenweise Veranstaltungen ausfielen. Der Jahresumsatz lag bei 3,6 Millionen Euro. Im Jahr 2019 waren es noch 6,3 Millionen. Rau betont, dass die Messe GmbH weiterhin liquide sei. Es seien Kredite aufgenommen worden. Die Messe-Gesellschafter, zu denen unter anderem die Stadt Augsburg sowie die Nachbarlandkreise gehören, hätten die nötigen Bürgschaften übernommen.

Die Messe Augsburg schrieb einen Millionenverlust

Dass es weiterhin Verzögerungen beim Neustart von großen Veranstaltungen gibt, muss Rau zur Kenntnis nehmen: "Die Messe Augsburg hatte frühzeitig mit den Planungen für ein ungewisses Jahr 2021 begonnen und wird jetzt nicht von den derzeitigen Entwicklungen rund um den Lockdown überrascht." Eine erste rein virtuelle Kongressmesse, die Ende des Jahres in Augsburg stattfand, habe zumindest Mut gemacht, dieses Konzept nicht aus dem Auge zu verlieren: "Digitale Events haben in der derzeitigen Phase eine wichtige Ersatzfunktion, sind jedoch für die meisten Firmen keine dauerhafte Alternative." Deswegen geht die Messe laut Rau fest davon aus, dass der Neustart des Messe- und Kongresswesens bei entsprechend abklingendem Infektionsgeschehen gelingen werde.

 

Für das erste Quartal sind keine Messen oder Events in Augsburg geplant. Die vorherrschende Infektionslage biete eine zu geringe Planungsgrundlage für die Messe und etwaige Gastveranstalter. Das Hochfahren des Geschäfts benötige ausreichend Vorlaufzeit. "Für uns als Messe- und Veranstaltungsgesellschaft sind verlässliche Regelungen wichtig", erläutert Rau. Er will sich daher nicht festlegen, zu welchem Zeitpunkt der Betrieb wieder normal laufen könnte. Der Messe-Geschäftsführer meint: "Es geht darum, gemeinsame Lösungen für unsere Branche, für unseren Messe- und Kongressstandort zu finden".

Die Sorgen der Messe-Veranstalter sind groß

Es bleibt spekulativ, wann überhaupt wieder größere Messen und Ausstellungen stattfinden. Für Henning Könicke und Thilo Könicke, die beiden Afag-Geschäftsführer, ist dies eine besonders herausfordernde Situation. Es gebe eine Besonderheit, die laut Henning Könicke etwas beruhige: "Messen haben eine Vorbereitungsphase von bis zu zwei Jahren, das ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Branche". Gerade für Messen in 2021, aber auch bereits für 2022 gebe es viel zu tun. Thilo Könicke verweist auf die Rahmenbedingungen, die entscheidend für den Neustart seien: "Neben Gesprächen mit Ausstellern und Partnern steht, wie aktuell bei vielen Branchen, die politische Arbeit im Vordergrund, denn auch der rechtliche Rahmen muss korrekt vorbereitet werden". Man könne nicht einfach auf den Knopf drücken und es gehe wieder los.

Veranstaltern fehlt die Planungssicherheit

Planungssicherheit gibt es nicht. Die Firma Afag, die ihren Sitz in Nürnberg hat, hat deshalb Kurzarbeit beantragt. Wegen zeitlicher Vorläufe für geplante Messen sei es aber gar nicht möglich, den Betrieb komplett herunterzufahren, heißt es. Die Krise hat die Afag laut Geschäftsführung bislang nicht aus der Bahn geworfen. Henning Könicke sagt: "Nach einem Jahr ohne Veranstaltungen und einer weiter unbekannten, veranstaltungsfreien Zeit in 2021 stehen wir dennoch stabil". Dies sei trotz fehlender staatlicher Unterstützung im Vergleich zu anderen Branchen aber eine große Herausforderung für das gesamte Unternehmen. Problem sei, dass bei der Ausrichtung von Messen die meisten Kosten im Vorfeld anfielen, wozu unter anderem die Werbung gehöre.

 

Als privates Unternehmen müsse man gegenwärtig genau planen. Wie es heißt, haben einige Veranstalter bundesweit aufgegeben. "Wir sind noch am Markt und dort wollen wir auch bleiben", sagt Henning Könicke. Bedauert wird von den Geschäftsführern, dass die versprochene staatliche Hilfe bislang ausgeblieben sei. Gegenwärtig gehen die Messe-Veranstalter davon aus, dass sich die Situation im Lauf dieses Jahres verbessert und ab der zweiten Jahreshälfte größere Veranstaltungen wieder möglich sein werden. Die im Vorjahr ausgefallene Grindtec soll dann im Frühjahr 2022 über die Bühne gehen. Mit den Ausstellern war der Kontakt immer gegeben, zumal die finanziellen Modalitäten zu klären sind. Dazu sagt Henning Könicke: "Die Rückabwicklung der nicht stattgefundenen Grindtec ist noch im Gange, gleichzeitig beginnt aber schon die Anmeldephase für die Grindtec 2022". Mit einem Großteil der Aussteller sei eine Einigung erzielt worden, mit anderen Ausstellern gebe es noch Gespräche.

Wie trifft die Corona-Krise Veranstaltungstechniker? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juli 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

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