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Neuveröffentlichung

09.04.2016

Die Künstlerin hat ein unsichtbares Buch gestaltet

Ein unsichtbares Buch hat die Augsburger Künstlerin Natalija Ribovic vorgelegt. Erst im Sonnenlicht werden die Gedichte und Zeichnungen sichtbar.
Bild: Mayr

Natalija Ribovic legt ein Werk vor, das erst einmal aus lauter leeren Seiten besteht

Ein Buch wie ein Rätsel aus Kindheitstagen, ein Buch aus lauter leeren Seiten: „Sundance“ lautet der Titel, ein Auge mit Sonnenstrahlen ist auf dem Einband abgebildet. Erst im Tageslicht offenbart es seinen Inhalt. Wie von Zauberhand erscheint langsam die Schrift. Gedichte und Zeichnungen der Augsburger Künstlerin Natalija Ribovic.

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In Berlin präsentiert sie heute erstmals ihr neues Kunstwerk, dieses unsichtbare Buch – im Revolver-Verlag, der „Sundance“ verlegt. Das Buch erfordert Muße und Geduld. Am besten geht das Lesen tatsächlich in der Natur, mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. Der Leser hat sich auf dieses Buch einzustellen, er kann es nicht einfach konsumieren. So unpraktisch das auch ist, so viel Charme hat dieses Konzept.

Die Gedichte, die Ribovic versammelt hat, sind zum Großteil vor fünf Jahren entstanden, als Ribovic nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima aus Japan nach Deutschland zurückgekehrt ist. Ohne Großschreibung und ohne Satzzeichen sind die Verse angeordnet. Zu lesen ist da etwa unter dem Titel „die hasen werden mehr“: „ich habe den überblick schon verloren/ sie sprechen die sprache/ die uns betrifft/ und ich denke/ es wird/ mehr und mehr/ Licht“. Das bezieht sich direkt auf diese Erzählung, die Ribovic nun schon seit Jahren umtreibt: eine Geschichte, in der auf anschauliche Weise Natur und moderne Technik zueinanderfinden sollen.

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Das dreisprachige Buch (Deutsch, Italienisch, Englisch) ist für Ribovic ein Beispiel dafür, wie sie das konkret meint. „Die Farbe ist ein hoch entwickeltes technisches Produkt. Aber sie lässt sich nur lesen, wenn die Sonne, also die Natur, dazukommt“, sagt sie. „Das ist ein Versuch, der sich zu versuchen versucht.“ Genauso lautet ein Gedicht im Buch.

Gedruckt gibt es nun in einer ersten Auflage 500 Exemplare. Zustande gekommen sind sie, weil Ribovic drei Sponsoren zur Finanzierung gefunden hat: die LfA Förderbank, die Stadt Augsburg und die Firma Keller & Kalmbach. Zur Präsentation in Berlin hat Ribovic auch eine Ausstellung im Showroom des Verlags gestaltet.

Ihre Großplastik „Silverio Rabbit“, die sie vergangenes Jahr erstmals in Augsburg gezeigt hat, geht außerdem in Baden-Württemberg auf Reisen. In den Schlössern in Weikersheim, Rastatt und Schwetzingen wird er jeweils eine Woche ausgestellt. Die erste Schau in Weikersheim beginnt am 17. April. Die Künstlerin will eine Woche anwesend sein.

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