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02.10.2016

Die Mathematikerin weiß, was finanziell geht

Das Graffiti am Eingang der Werner-von-Siemens-Mittelschule betont den urbanen Charakter des Hauses ebenso wie die Rektorin, Andrea Kempinger, selbst.
Bild: Annette Zoepf

 Andrea Kempinger fühlt sich im Lehrberuf erst richtig erfüllt. Leiterin der Hochzoller Werner-von-Siemens-Schule plant mit Klimawächtern, E-Books  und dem Umweltgedanken

Andrea Kempinger vergleicht sich mit einem Kapitän, der auf der Brücke steht und das Geschehen überblickt. Seit ihr Vorgänger Gerd Steiner im Februar in den Ruhestand ging, ist die Werner-von-Siemens-Mittelschule ihrer Auskunft nach „ziemlich im Umbruch“. Am bestehenden Profil der Hochzoller Bildungseinrichtung will die neue Rektorin nicht rütteln, es vielmehr aber weiter schärfen.

Mit der 49-Jährigen wechselte auf einen eleganten Herrn eine aparte Dame auf den Rektorensessel. Sie trägt eine schmal geschnittene Hose und hochhackige Schuhe, was ihre groß gewachsene Statur zusätzlich betont. Das blonde Haar fällt locker über die Schultern. So betont nicht nur das Graffiti am Eingang den „urbanen Charakter“ der Mittelschule, sondern auch der Style der Leiterin. Auf dem Schulhof zeigt sie, was sie rein äußerlich auf dem Gelände verändern will.

Mithilfe des Grünamtes gewann unter anderem der Brunnen wieder an Ästhetik. „Es wäre schön gewesen“, sagt Andrea Kempinger, „ihn wieder gängig zu machen.“ Doch den Pausenhof mit beruhigendem Plätschern zu erfüllen, war nach Auskunft der Rektorin finanziell nicht darstellbar. Pumpe und Rohre zu erneuern hätte ihrer Auskunft nach rund 30000 Euro gekostet. Die jährlichen Betriebskosten hätten weitere 6000 Euro betragen. So bescheidet sich die Werner-von-Siemens-Schule mit einer Reihe von machbareren Maßnahmen, wie etwa der Pflanzung eines Kräuterbeets.

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Die Umwelterziehung ist eine der drei Säulen, auf denen Andrea Kempinger weiter aufbauen will. Der Umgang mit Ressourcen findet so auch beim Schulverwaltungsamt Zustimmung. Dringender Bedarf besteht nach Meinung der Rektorin an Fahrradständern und an Ruhebänken. Beim Thema Umwelt will die Mutter eines 15-jährigen Sohnes auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn es die Witterung erlaubt, dann radelt sie von Kriegshaber zum Arbeitsplatz. „Kalt darf’s sein“, sagt sie, „nur regnen sollte es nicht.“

Total verkabelt

Ein zweiter Bereich, der fortgeführt werden soll, ist die Spracherziehung. So wird laut Andrea Kempinger die Leseförderung forciert. Außerdem wolle man „e-book-Schule“ werden, was nicht anderes bedeutet, als dass verstärkt solche Geräte eingesetzt werden. Bei den Bestrebungen setzt die Rektorin auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei. Als zusätzlichen Vorteil will sie die digitale Technik verstärkt nutzen. „Wir werden total verkabelt“, erklärt sie, bekommen eine Dokumenten-Kamera, einen Beamer und Internet-Anschlüsse.

All diese Anschaffungen erleichtern den Unterricht und erinnern an einen fast schon legendären Ausspruch aus „Fack ju Göthe“: „...nie wieder Kreidefinger...“ Ein weiterer Schwerpunkt in den Plänen von Andrea Kempinger ist die Berufsorientierung. Während bisher die Firma Siemens der Partner gewesen sei, kommen voraussichtlich bald schon zwei neue Schulpaten dazu. Welche das sind, könne jedoch erst dann kommuniziert werden, wenn die Verhandlungen beziehungsweise Modalitäten der Zusammenarbeit erfolgreich abgeschlossen sind.

40 Lehrkräfte und 330 Schüler

Bevor Andrea Kempinger als Rektorin nach Hochzoll wechselte, war sie schon zwei Jahre an der Lechhauser Goethe-Schule tätig. Das aus etwa 40 Lehrkräften bestehende Kollegium unterrichtet rund 330 Schüler – sie selbst gibt 16 Stunden in der Woche.

Im Lehrerberuf fand die Pädagogin ihre Erfüllung, denn zuvor absolvierte sie ein Studium zur Diplom-Wirtschaftsmathematikerin. Doch in der praktischen Anwendung hatte sie es sich anders vorgestellt. Heute muss sie Menschenversteher ebenso sein wie Jurist, Tröster, Buchhalter und Pädagoge. „Die Vielseitigkeit“ sagt sie über den Lehrberuf, „ist unglaublich, aber toll.“ Von ihrem Studium profitiere sie nach wie vor, etwa bei ihrer Mitarbeit in der bayerischen Lehrplankommission für Mathematik.

Wenn ihr die Schüler schon in der Frühe auf der Straße ein fröhliches „Guten Morgen, Frau Kempinger“ zurufen, dann weiß die Schulleiterin, dass sie jetzt im richtigen Beruf angekommen ist. Die Herausforderungen der Zukunft werden nach Ansicht Andrea Kempingers noch vieles bereit halten, woran der Lehrerberuf und die Mittelschule an Schärfe gewinnen könne. Mit Blick auf die Umwelterziehung plant sie in jeder Klasse einen sogenannten Klimawächter zu installieren. Und nach Außen will die Schulleiterin bald schon mit einem neuen Logo in Erscheinung treten.

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