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Augsburg

21.11.2020

Die Messe Augsburg schreibt im Corona-Jahr Millionenverluste

Der Jahresumsatz der Messe Augsburg geht fast um die Hälfte zurück.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Der Messe Augsburg fehlen ohne Veranstaltungen wichtige Einnahmen. Wie Messegeschäftsführer Lorenz Rau den Neustart plant. Eine digitale Plattform spielt eine zentrale Rolle.

Die Messebranche gehört bundesweit zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. Im Fall der Messe Augsburg zeigt sich dies an einem Verlust in Millionenhöhe. Ohne Messen und Konzerte auf dem Messegelände fehlen wichtige Einnahmen. Zudem ist weiterhin die Verunsicherung groß, wie es in den kommenden Monaten weitergehen kann. Es gibt allerdings erste Ansätze, mit neuen Konzepten die Messe wiederzubeleben. Augsburg sehe sich dabei in einer Vorreiterrolle, sagt Messegeschäftsführer Lorenz Rau.

Volles Programm war nur im Januar und Februar

Das Jahr 2020 steht für die Messe Augsburg unter wenig erfreulichen Rahmenbedingungen. Lediglich im Januar und Februar fanden die geplanten Veranstaltungen statt. Wegen der Corona-Pandemie musste Mitte März die Fachmesse Grindtec abgesagt werden. Es wäre die bislang größte Veranstaltung auf dem Messegelände gewesen. Sämtliche Hallen waren belegt, Zusatzhallen standen bereits. Corona machte den Planungen einen Strich durch die Rechnung. Auch die zunächst angepeilte Verschiebung der Fachmesse in den November ließ sich nicht umsetzen. Seit März steht das Veranstaltungsprogramm im Messegelände nahezu still.

 

Lediglich vor der eingezäunten Messegelände gab es im Sommer ein kleines Ersatzprogramm. Ein Autokino ermöglichte, dass Autofahrer am großen Messeparkplatz Kinofilme erlebten. Zudem traten mehrere bekannte Kabarettisten in Augsburg auf. Im Messegelände wurde zudem eine Messehalle umfunktioniert. Hier ist seit einigen Wochen das Corona-Testzentrum in einem eigens abgesperrten Bereich untergebracht.

Jahresumsatz der Messe Augsburg geht fast um die Hälfte zurück

Für die Messe bedeutet das Aus vieler abgesagter Veranstaltungen einen beträchtlichen finanziellen Schaden. Der Jahresumsatz der Messe Augsburg lag im Jahr 2019 bei rund 6,3 Millionen. Euro. Im Jahr 2020 erwartet Messe-Geschäftsführer Rau einen Gesamtumsatz von rund 3,6 Millionen. Euro. Somit erreiche die Messe nur rund die Hälfte des eigentlich geplanten Umsatzes, verdeutlicht er. Es sei zu berücksichtigen, dass die geraden Jahre so wie das Jahr 2020 ohnehin immer etwas besser dastehen. Die Grindtec findet zum Beispiel im zweijährigen Turnus statt. Der entstandene Millionenverlust sei durch die Aufnahme von Krediten bewältigt worden, lässt Rau wissen: "Die für das Jahr 2020 sowie für 2021 benötigte Liquidität konnte am Kapitalmarkt zu marktüblichen Konditionen beschafft werden."

Lorenz Rau ist Chef der Messe Augsburg.
Bild: Silvio Wyszengrad

Ohne Kredite sei das Unternehmen nicht überlebensfähig, sagt Rau: "Einnahmeausfälle kann man eine Zeit lang durch Einsparprogramme auffangen, nach nun voraussichtlich zehn Monaten ohne Regelbetrieb reicht dies jedoch nicht mehr aus." Das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern befindet sich derzeit in Kurzarbeit. Um Ausgaben zu reduzieren, seien geplante Investitionen für 2021 zurückgestellt worden.

Messe-Chef Rau spricht von einer Herausforderung

Als "kritisch" will Messe-Geschäftsführer Rau die Lage des Unternehmens nicht bewerten: "Herausfordernd beschreibt die Situation zutreffender." Wirtschaftlich sei das Jahr 2020 für die Messe Augsburg natürlich ein herber Rückschlag. Man sei mit positiven Erwartungen und guten Zahlen in das Jahr gestartet. Nun stelle sich die Situation anders dar. Mit Kraftanstrengungen aller Beteiligten sei es gelungen, die Messe Augsburg trotz der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu halten. Rau sagt: "Unser Geschäft ist jedoch inzwischen direkt mit dem Verlauf der Pandemie in Deutschland und insbesondere in Augsburg verknüpft. Steigen die Infektionszahlen weiter an, macht dies wenig Hoffnung auf eine Entspannung unserer wirtschaftlichen Situation." Trete dieser Fall ein, "sind wir zwangsläufig auf weitere Hilfsmaßnahmen angewiesen".

Hoffnung mache, dass viele Unternehmen in Krisenzeiten Fachmessen als Plattformen zum Dialog und zur Absatzförderung benötigen. Rau setzt darauf: "Unsere Formate sind somit im nächsten Jahr dringend benötigtes Instrument des wirtschaftlichen Aufschwungs." Aus dem harten Umbruch im Jahr 2020 habe man gelernt und sei besser vorbereitet auf Messen und Kongresse unter den geltenden Rahmenbedingungen als noch zu Beginn der Pandemie.

Veranstaltung feiert im Dezember Premiere

Die Messe Augsburg leistet laut Rau "digitale Pionierarbeit". Gemeinsam mit Servicepartnern sei es gelungen, ein digitales Kongressformat auf die Beine zu stellen. Mit der „Off-Grid Expo+Conference“ wird die Messe Augsburg am 3. und 4. Dezember erstmals die Kongressmesse für autarke Stromerzeugung als rein digitales Veranstaltungsformat umsetzen. Produkt-Workshops, Konferenz, aber auch der direkte Austausch und Netzwerken mit Ausstellern oder anderen Besuchern seien auf der digitalen Plattform möglich. Der Augsburger Messechef ist überzeugt, dass "gerade für einen Messestandort wie Augsburg digitale und hybride Veranstaltungsformate zukünftig einen einfacheren Zugang zu internationalen Zielgruppen ermöglichen".

Wie trifft die Corona-Krise Veranstaltungstechniker? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juli 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

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