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Theater

18.04.2015

„Die Musik ist der Chef“

Die Sopranistin Cathrin Lange singt heute im Großen Haus des Theaters Augsburg die Sandrina in Mozarts „Die Gärtnerin aus Liebe“.

Carolin Nordmeyer hat die Mozart-Oper „Die Gärtnerin aus Liebe“ einstudiert – ein Frühwerk des Genies, in dem alles, was seine großen Opern ausmacht, angelegt ist. Es war ein intensives Arbeiten bis zur Premiere, sagt die Dirigentin

Ein bisschen müde schaut die Dirigentin Carolin Nordmeyer aus, an einem Morgen kurz vor der nächsten Opernpremiere. Abends zuvor gab es eine lange Probe, das hinderte die drei Kinder bei Nordmeyer zu Hause aber nicht daran, morgens wie gewohnt aufzustehen. Gegen einen starken Kaffee hat sie nichts einzuwenden.

Fokussiert, total fokussiert, so beschreibt die Dirigentin ihren Zustand so kurz vor der Premiere von „Die Gärtnerin aus Liebe“ am heutigen Samstag im Großen Haus des Theaters. Die Musik der frühen Mozart-Oper, die Figuren mit ihrem vertrackten Liebesleben, das alles wird sie vor und nach den Proben nicht mehr los. „Das ist ein wahnsinnig intensiver Prozess“, sagt die 39-Jährige. Eine Sonderstellung nehme dabei der heutige Premierentag ein. Ihr ganzer Tag werde davon dominiert. Um 19.30 Uhr ist es dann so weit, dann kulminiert die Anstrengung von Monaten.

Zum zweiten Mal dirigiert Augsburgs 2. Kapellmeisterin eine frühe Mozart-Oper. Im Herbst 2009 leitete sie „Il re pastore“, ein Gemeinschaftsprojekt des Theaters mit dem Leopold-Mozart-Zentrum, aufgeführt damals im Theater-Foyer. Die Erinnerungen an die Arbeit sind bei Nordmeyer noch plastisch.

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Und nun wieder ein Mozart-Werk, das noch nicht zu seinen ganz großen Opern gerechnet wird. Nur eines sollte man nicht: Die „Gärtnerin aus Liebe“ unterschätzen. „Es ist darin alles angelegt, was Mozart ausmacht“, sagt Nordmeyer. Unter der Oberfläche spüre man das. Auch, welchen Weg Mozart bis zu seinen vollendeten Werken einschlage. „Man hat nie das Gefühl, dass es sich um eine Fingerübung handelt“, sagt die Dirigentin. Es sei von der ersten bis zur letzten Note Mozart und es gebe im Werk diese unglaublichen Mozart-Momente, in denen ein einzelner Oboenton eine ganze Seele aufschließe.

Ein Rätsel stellt es auch für Nordmeyer dar, wie ein 18-Jähriger so ein Werk komponieren konnte. „Mozart ist ein Genie. Ich weiß nicht, wie das als Genie so ist“, sagt sie. Sie schränkt ein, dass die Menschen im 18. Jahrhundert früher erwachsen gewesen seien als heute. Deshalb könne der 18-jährige Mozart nicht einfach mit 18-Jährigen heute verglichen werden.

Als Dirigentin stellt sie sich in den Dienst von Mozarts Musik. „Die Musik ist der Chef. Als Dirigentin gestalte ich, aber innerhalb der Musik“, sagt sie. Wie es gespielt wird, trägt eine eigene Handschrift, mutwillig draufgesetzt werde nichts. In den besten Augenblicken fühle es sich beim Dirigieren so an, als ob die Musik frei schwebe.

Ein besonderer Reiz für die Mozart-Produktion war es für Nordmeyer, so eng mit dem eigenen Ensemble auf der Bühne zusammenzuarbeiten. Beteiligt sind bis aus die Sopranistin Andréana Kraschewski nur Sänger des Theaters Augsburg. Weil das Orchester für das Werk ebenfalls übersichtlich besetzt ist, in kleiner Mozartstärke, wurde das Gefühl, eine verschworene Gemeinschaft zu sein, in der Probenzeit noch zusätzlich gesteigert.

Man spürt, wenn Nordmeyer das erzählt, mit wie viel Leidenschaft sie ihrem Beruf nachgeht und wie viel Spaß ihr das bereitet, auch wenn es wie überall sonst auf der Welt nicht nur Sonnenschein, sondern auch Meinungsverschiedenheiten gibt. Es belastet sie nicht groß, dass es vor Premieren anstrengend werden kann. „Was ist schon normal?“, sagt sie dann. Nur einen kleinen Wunsch hat sie, einen bescheidenen, aber der ist vorerst, mit dem Beruf und der Familie zu Hause eher schwer zu erfüllen: „Bisschen mehr schlafen, wäre toll“. Ein Wunsch, den sie mit den allermeisten Eltern teilt.

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