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Augsburg

24.05.2019

Die Polizisten singen noch ein letztes Mal

Der Polizeichor Augsburg löst sich auf. Vorher gibt es aber noch ein letztes Konzert.
Bild: Polizeichor Augsburg

Nach 40 Jahren verabschieden sich die Sänger des Polizeichors mit einem letzten Konzert. Sogar der Papst hat schon mit ihnen gesungen – oder es zumindest versucht.

1980, als zwanzig musikbegeisterte Polizeibeamte beschlossen, einen Chor zu gründen, „waren wir der jüngste Männerchor Deutschlands“, sagt Reiner Insam. „Jetzt gehören wir zu den ganz, ganz alten.“ Der Vorsitzende des Polizeichors Augsburg ist selbst zwar erst 55 Jahre alt, doch das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei mehr als 70 Jahren. Wieso das mit dem Nachwuchs schwierig ist und auf was sich die Zuhörer beim Abschlusskonzert am Sonntag freuen können, erzählen er und Gerhard Mayer, der den Chor vor 40 Jahren gründete und sich an einige Anekdoten erinnert.

Zum Beispiel die von der alljährlichen Eröffnung des Augsburger Christkindlesmarktes. Bei Regen, Schnee oder klirrender Kälte sang der Chor im Innenhof der Silberschmiede für einen guten Zweck. „Am Erkalten der Beine spürten die Sänger, ob ein Oberbürgermeister pünktlich kam oder nicht“, sagt Mayer und lacht. Denn die Oberbürgermeister eröffnen den Markt stets am Rathausplatz und kommen dann in die Silberschmiede. So hätten die Sänger in den vergangenen 40 Jahren alle Stadtoberhäupter kennengelernt. „Herr Dr. Gribl gehörte zu den Pünktlichen“, verrät er.

Die Männer traten in ganz Deutschland auf, reisten nach Italien, Tschechien, Ungarn und Frankreich und ein kleineres Ensemble sogar in die USA und nach Kanada. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihnen eine Fahrt nach Rom in den 80er Jahren. Das sei schon beeindruckend, wenn man in den Katakomben von St. Sebastian singe, sagt der 79-jährige Mayer. Damals war Joseph Ratzinger dort Kurienkardinal. Noch beeindruckender und für Reiner Insam „mit der bewegendste Augenblick“: Am Petersplatz durften sie Papst Johannes Paul II. ein Ständchen singen. Ein deutsches Volkslied habe er sich gewünscht, sagt Mayer, und versucht, mitzusingen und bei einer der vier Stimmlagen des Chors zu landen. Ohne Erfolg. Das habe sie aber nicht aus dem Konzept gebracht, sagt der ehemalige Kriminalpolizist und lacht. „Grad schee war’s.“

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Mayer war es, der 1980 eine Umfrage bei allen Dienststellen der Polizei in Augsburg machte, um Sänger für einen Männerchor in Augsburg zu finden. Die Idee stammte vom Sängerbund der Deutschen Polizei. „Die Begeisterung war enorm. Das war ein Selbstläufer“, sagt Mayer. Sie fanden einen Chorleiter, erhielten Notenspenden und buchten bereits ein Jahr nach der Gründung die Augsburger Kongresshalle. Ein finanzielles Risiko, doch es lohnte sich: Das Konzert war ausverkauft, der Erlös von 2500 Mark ging an die Stiftung Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung.

In der Hochphase Ende der 80er Jahre seien sie deutlich mehr als 50 leistungsstarke Sänger gewesen, sagt Reiner Insam. Viele sangen bereits in Schul-, Kirchen- oder gemischten Chören. Jetzt seien es offiziell noch 22 Aktive, doch immer wieder falle jemand durch Urlaub oder Krankheit aus. Es sei extrem schwierig geworden, Auftritte durchzuziehen. Obwohl sich der Polizeichor bereits früh Berufsfremden geöffnet hatte.

Insam ist mit 17 Jahren als junger Auszubildender zum Polizeichor gestoßen. Heute sei es für jüngere Leute nicht mehr interessant, sich langfristig zu binden, an wöchentlichen Proben teilzunehmen und Verpflichtungen einzugehen. Manche seien auch versetzt worden, nach München zum Beispiel. Sieben Polizeichöre gebe es in Bayern noch, darunter Bamberg, Nürnberg und München. Zu kämpfen hätten alle.

Bei den Augsburgern ist dieser Kampf nun vorbei. Sie verabschieden sich am Sonntag, 26. Mai, um 16 Uhr mit einem Konzert im Bürgersaal Stadtbergen. Zu hören gibt es laut Mayer Lieder zum Genießen, zum Schmunzeln, deftige bayerische Mundart mit Wortwitz, internationale und Volkslieder. Der Eintritt ist frei.

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