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Augsburg

11.08.2017

Die Probleme in 30er-Zonen

Eine große 30 am Eingang zum Wohngebiet Spickel am Abzweig Siebentischstraße/Goethestraße reicht nach Erfahrung von Reinhard Wenderlein nicht, um Autofahrer dauerhaft an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu erinnern.
Bild: Annette Zoepf

Wer erst einmal in den Spickel hineingefahren ist, hat die Markierung am Eingang schnell vergessen und geht wieder aufs Gas. Das ist die Erfahrung von Reinhard Wenderlein.

Reinhard Wenderlein auf seinem Balkon in der Goethestraße 13 sitzt, fallen ihm drei Dinge negativ auf: Die Geschwindigkeit der Autos in dem reinen Wohngebiet, der durch die Abrollgeräusche der Räder verursachte Lärm und die damit zwangsläufig einhergehende Abgasentwicklung. Dabei ist der Kriminalhauptkommissar davon überzeugt, dass mit einfachen Mittel dagegen etwas zu unternehmen wäre. „Wenn man möchte“, schickt er hinterher.

Seit sechs Jahren lebt Wenderlein nun schon in der Spickler Goethestraße. Mehrfach hatte er sich an die städtischen Behörden gewandt und Verbesserungsvorschläge gemacht – ohne durchschlagenden Erfolg. Teilweise habe er nicht einmal eine Antwort erhalten. Der Straßenverkehrsbehörde schickte er sogar die Listen zu, die er Ende Juli mit Datum, Anzahl Fahrzeuge und deren Kennzeichen gemacht hatte. Allein am Donnerstag, 25. Juli 2013 zählte er innerhalb einer Stunde 68 Kfz – 20 davon fuhren seiner Auskunft deutlich schneller als die erlaubten 30 Stundenkilometer. Als im Juli 2017 ein weißer Kleinwagen mit rotem Dach den Balkon passiert, fühlt er sich abermals bestätigt: „Hier“, sagt er, „gut über 50 km/h.“

Politisch interessiert

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Dienstlich ermittelt Wenderlein, wie er sagt, „bei Räubereien und Erpressungen“. Verkehrsdelikte gehören nicht in seine Zuständigkeit. Doch er hält sich für einen politisch interessierten Bürger, der mit offenen Augen durch die Stadt geht. Als Solchem fallen ihm unter anderem die sich häufenden „Kampfradler“ auf, zu hoch angebrachte Verkehrsschilder, die sich überhaupt nicht im Blickfeld der Autofahrer befinden, oder Tempo-Limits am Eingang eines Wohngebiets, die dann innerhalb nicht mehr wiederholt werden. Während er sich an den Bahnverkehr und die durch ihn erzeugte Geräuschkulisse bereits gewöhnt habe, erzeuge der Kfz-Verkehr eher Aggression bei ihm. So bleibe oft nur die Flucht in die nahe liegenden Grünanlagen oder in den Botanischen Garten.

Gerade aber an Sonn- und Feiertagen bei gutem Wetter erzeugen auch der Botanische Garten und der Zoo zusätzlichen Verkehr im Wohngebiet, wenn die Parkplätze an den Einrichtungen selbst knapp werden. Dann nämlich weichen die Besucher an die Straßenränder des angrenzenden Wohngebietes aus. An Werktagen wiederum erzeugen die Außenstelle der Herrenbachschule an der Einmündung Hornungstraße und Kindertagesstätten zusätzlich Verkehr.

Keine besondere Gefahrenzone

Nach Rücksprache mit Polizei und Straßenverkehrsbehörde teilte der stellvertretende Leiter des Tiefbauamtes, Gunther Höhnberg mit, dass in der Goethestraße „keine besondere Gefahrenlage“ vorliegt. Deshalb bitte man um Verständnis, dass die von Wenderlein angeregten Maßnahmen nicht möglich seien. Das Schreiben geht jedoch auch auf das Jahr 2013 zurück. Damals hatte die Polizei eine Auswertung der Unfälle vorgenommen und festgestellt, dass das Gebiet „nicht auffällig“ ist.

Die gesammelten Werke über Verwaltungsgerichtsurteile zur Straßenverkehrsordnung, über Appelle des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADFC), seine Anfragen an die Kommune und deren Antworten hat Reinhard Wenderlein in einem Ordner zusammengetragen. Ein Fazit lautet: „Gebt den Tempo-30-Zonen das richtige Erscheinungsbild“. Etwa seien farbige Blechtafeln an breiten, geraden Straßen unwirksam bis gefährlich. Farbige Pflasterflächen, Mittelinseln oder Erhöhungen hingegen rufen eine 30er-Zone in Erinnerung.

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13.08.2017

Das ist doch unter anderem einer der Gründe, warum es inzwischen (auch aus unseren lokalen Behörden) vermehrt den Wunscht gibt, T-30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften zu definieren. Dann gibt es kein »Aber das Schild habe ich vergessen/nicht gesehen«, was ja ohnehin eine ziemlich bescheidene Ausrede ist. Es wäre einfach erst mal überall 30 und nur da, wo extra angeordnet, geht mehr. Da käme man schon sehr schnell in Erklärungsnöte, wie man ohne Wiederholtes Schild auf die Idee kommt, dass da 50 erlaubt wäre.

Aber es ist tatsächlich davon auszugehen, dass die Gestaltung der Straße weitaus mehr Einfluss auf das Geschwindigkeitsverhalten hat. Zumindest wenn man den Arbeiten auf dem Gebiet Glauben schenken will. Um es mal sehr direk zu formulieren: Schilder interessieren keine Sau. Verschwenkte, enge Straßen dagegen reduzieren die Geschwindigkeit wie von allein, weil schlecht einsehbar und eben nicht wie eine Rennstrecke angelegt. Und da gibt es im Spickel tatsächlich so einige Ecken, wo noch mehr drin wäre.

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11.08.2017

Wie peinlich ist das denn? Da sitzt der Kriminalhauptkommisar auf seinem Balkon, schreibt Kennzeichen auf und schickt diese an die Straßenverkehrsbehörde

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12.08.2017

Ja - peinlicher gehts nicht mehr. Aber so ist das eben mit nicht so ganz ausgelasteten Beamten.

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12.08.2017

Viel peinlicher ist, dass er die Gesetzteslage nicht kennt oder nicht akzeptiert.

Wenn er sie für unzureichend hält, muss er sich an den Gesetzgeber wenden nicht an die Straßenverkehrsbehörde.

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13.08.2017

Das habe ich mir bei dem Satz auch gedacht:

»oder Tempo-Limits am Eingang eines Wohngebiets, die dann innerhalb nicht mehr wiederholt werden«

Zonen-Schilder werden nicht wiederholt, und die stehen meistens am Beginn eines Wohngebiets. Das ist ja der Witz am Wort »Zone«. Nur an deren Grenzen werden sie angezeigt. Damit man den Schilderwald kleiner kriegt. Dass das gerne als Ausrede herhalten muss, warum viele den Fuß nicht vom Gas kriegen, ist eine andere Geschichte. Ich erlebe es ja selbst mehrmals die Woche auf dem Arbeitsweg, dass ich, 30 fahrend, in T-30-Zonen trotzdem laufend überholt werde. Wie im anderen Post schon geschrieben: Schilder interessieren keine Sau. Da müsste entweder ständig abkassiert werden, oder aber eben so gebaut werden, dass 30 sich als Geschwindigkeit von alleine anbietet/einpendelt. Anders lernen viele Mensche nicht, auf ihr Fahrverhalten zu achten. Und ja, auch die »Kampfradler« nicht. Das sind dann u. A. die, die im Winter wieder in ihr Auto steigen und dort genau so beschissen handeln, nur dann halt mit 1½ Tonnen Blech bewaffnet.

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