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Kolumne "Mein Augsburg"

08.05.2015

Die Rache der Ex

Die B17 war in den vergangenen Tagen immer wieder dicht.
Bild: Michael Hochgemuth

Augsburg putzt sich heraus, die großen Zufahrtswege werden aber dicht gemacht. Warum es am Ende nichts ausmacht, schreibt Holger Sabinsky-Wolf, der unlängst aufs Land gezogen ist.

Städten wird ja gemeinhin ein bestimmter Charakter zugeschrieben und damit eine gewisse Vermenschlichung zuteil. Zu Recht? Es sieht tatsächlich so aus, als ob Städte zu Gefühlen wie, sagen wir, Eifersucht fähig sind. Meine Ex rächt sich jedenfalls böse dafür, dass ich ihr vor Kurzem nach mehr als 20 Jahren den Rücken zugekehrt habe.

Kaum bin ich weg, ist die Innenstadt fertig und baustellenfrei. Aber nicht nur das. Die neue „City“, wie sie sich jetzt nach einer Beratung durch Marketing-Leute nennt, will mich nicht an ihrem neuen Glück teilhaben lassen. Sie sperrt mich aus, lässt mich nicht mehr hinein. Der Weg von Westen her ist so beschwerlich, dass ich Augsburg zurzeit kaum anfahre. Alles dicht. Geschickt hat die Stadt den A-8-Ausbau genutzt, um mit der B 17 die zweite große Verkehrsachse teils unbefahrbar zu machen. Die Ausweichrouten sind voll. Ich beschränke mich auf Fahrten zur Arbeit. Ich weiß mir nicht anders zu helfen.

Die nächste Strafe ist indirekt. Seit ich nicht mehr hier wohne, bin ich nicht nur von den Straßenverkehrswegen abgeschnitten, sondern auch von der schnellen Datenautobahn. Breitbandausbau Bayern – dass ich nicht lache. Da, wo ich jetzt wohne, sind 2000 Mbit/s eine echte Rarität. In the City dagegen: Voller Ausschlag am Smartphone, komfortables Internet-Surfen, E-Mails schreiben et cetera.

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Wurscht, wenn die Fahrt in die Innenstadt zehn Minuten länger dauert

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder ich schlage zurück und strafe die Ex mit Missachtung. Eine Dauerlösung dürfte das aber nicht sein, denn wir kommen nicht so einfach voneinander los. Zu viel verbindet uns über all die Jahre. Wir müssen miteinander auskommen und versuchen es jetzt eben vorerst mit räumlicher Trennung. Vorläufig. Muss ja nicht für immer sein. Jetzt geht erst einmal jeder seine eigenen Wege und dann schauen wir mal.

Wohin das am Ende führt, weiß man ja. Und ich muss sagen, die schlechteste Lösung ist das nicht. Man kommt so leichter drüber hinweg und lernt, sich den neuen Bedingungen in Ruhe anzupassen.

Denn jetzt kommt das Beste. Es geht ohne sie. Je mehr ich mich distanziere, desto mehr lerne ich die Vorzüge der „Neuen“ kennen und merke: Ich brauche gar kein rasend schnelles Internet. Und wenn die Fahrt in die Augsburger City zehn Minuten länger dauert, auch wurscht. Denn so werde ich daran erinnert, warum ich unter anderem umgezogen bin: Um ein wenig Tempo aus dem Leben zu nehmen.

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