Newsticker

Macron verkündet zweiten Lockdown für Frankreich
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Die Rettung lauert im Hirschkostüm am Straßenrand

Kino

28.05.2015

Die Rettung lauert im Hirschkostüm am Straßenrand

Mit ihrer Heimatkomödie „Hirschen“ setzen George Inci und Beatrice von Moreau, hier vor dem Thalia, manchem Zuschauer die Hörner auf.
Bild: Michael Hochgemuth

George Inci und Beatrice von Moreau drehten eine skurrile Heimatkomödie im gemächlichen Tempo der Osttiroler. Premiere im Thalia

Ein Hirsch ist nicht zu zähmen. Du kannst das Kitz mit der Flasche aufgepäppelt haben, kaum ins Gehege entlassen, erhebt es stolz den Kopf und geht seine Wege. Daran haben sich die beiden Filmemacher George Inci und Beatrice von Moreau ein Vorbild genommen. Auch ihre Tiroler Heimatkomödie „Hirschen“ ist nicht zu zähmen. Manchem Zuschauer waren die ausgedehnten Sequenzen über die eigenwillige Rituale der bodenständigen Alpenbevölkerung bei der Premiere im Thalia doch zu langatmig und sie verließen vorzeitig die zweistündige Vorstellung. Aber es gab auch Fans.

George Inci nahm die kontroverse Debatte mit dem Publikum gelassen. Alles Bockmist? „Wenn Sie eine Nacht darüber schlafen, hat der Bockmist die Zeit, sich zu entfalten, und wenn Sie nach ,Hirschen‘ wieder ins Kino gehen, sehen Sie Filme anders“, sagte er selbstbewusst. Die Komödie sei sehr entschleunigt – im Rhythmus, den der Osttiroler Drehort vorgegeben hat. Zum Beispiel im gemächlichen Atem eines schönen alten Volkslieds. „Wir haben beim Schnitt auch andere Tempi ausprobiert, aber sie stimmten nicht.“

Denn die Dorfbewohner, die als Laiendarsteller engagiert mitspielten, brauchen ihre Zeit, die Dinge zu bedenken, zu einem Entschluss zu gelangen und ihren Plan in der Tat auszuführen. Was unternehmen Menschen, die plötzlich in die Krise geraten? Das wollten die beiden Filmemacher auf humorvolle Weise erkunden. Sie müssten eigentlich erstarren vor Schreck, aber im Gegenteil: Sie werden aktiv und tun alles, um aus der Krise herauszukommen. Und seien es Dinge, die sie der Zufall lehrt. Wie dieser Autofahrer, der einen Unfall mit einem Hirsch hatte und von den Dörflern umsorgt wird – sodass sie auf eine verruchte, aber erfolgreiche Geschäftsidee kommen. Im Hirsch-Kostüm lauern sie fortan am Straßenrand – und der Arzt, der Mechaniker, der Gastwirt haben alle Hände voll zu tun, die Verunglückten zu versorgen…

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schwarzer Humor und skurriler Witz durchtränken den Film, dazu treten bizarr-absurde Szenen, die an abgedrehte finnische Produktionen erinnern. Wo selbst die gedankenschweren Dialoge der Dörfler versagen, drücken Tanz und Traum weitere Gefühle und Stimmungen aus, etwa wenn der Bürgermeister verliebt die Wandvegetation streichelt, der ehrgeizige Abgeordnete ein fiktives Orchester dirigiert und der gemütliche Ortspolizist die Amazone auf dem Poster anbetet.

In „Hirschen“ führen eigenwillige Schauspieler mit Charakter das Heft, allen voran die beiden Filmemacher selbst, sie in der Rolle der beherzten Tochter, er als hereingeschneiter Fremder, der zum Glücksfall für das Dorf wird. Die Laiendarsteller hätten sein Drehbuch erweitert, erzählte Inci. Und er holte an 52 Drehtagen alles aus ihnen heraus. Vier Jahre dauerte dann der Schnitt, ihr Film durfte reifen, denn die beiden finanzierten alles selbst und gingen immer wieder Geld verdienen.

im Thalia am 4. Juni.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren