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Biografie

11.04.2015

Die Sammel-Leidenschaft trieb ihn in den Ruin

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2 Bilder
In diesem Haus lebte Joseph Paul Ritter von Cobres in seinen besseren Tagen, als es ihm wirtschaftlich noch gut ging.
Bild: Ibler

Zwei Augsburger Naturforscher erlangten um 1800 Ruhm. Zwei Lebenswege, wie sie unterschiedlicher nicht sein können

Die Schwäbische Forschungsgemeinschaft – ein Kind der Bayerischen Akademie der Wissenschaften – beschäftigt sich im neuen 18. Band ihrer Reihe „Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben“ u. a. mit zwei Augsburg verbundenen und fast zur gleichen Zeit im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert wirkenden Naturforschern, die damals fast der gesamten europäischen Fachwelt bekannt waren: Mit Joseph Paul Ritter von Cobres (1746 bis 1823) und mit Karl Ludwig Giesecke (1761 bis 1833), deren beinahe filmreife Leben vom Autor Gerd Ibler in zwei getrennten Abhandlungen „minutiös“ nachgezeichnet werden.

Joseph Paul Ritter von Cobres wanderte in jungen Jahren als begüterter und in Venedig geborener Kaufmann in Augsburg zu und heiratete die gut betuchte Kaufmannswitwe Maria Anna Tonella. Beide bezogen das neu gebaute Anwesen (heute Maximilianstraße 51), ein bis heute zu bewunderndes Rokokogebäude.

Schnell stieg von Cobres unter die großen Bankiers und Kaufleute der Stadt auf. Doch der Venezianer hatte nicht nur ein Faible für die gewinnbringenden Bankgeschäfte. Nach und nach legte er beinahe sein ganzes Vermögen in naturkundlichen Unikaten und in einer naturwissenschaftlichen Bibliothek an. Über 10000 kostbare Bände und bestimmt 30000 wertvolle Mineralien, Versteinerungen, Muscheln nannte er sein eigen. Sein Name stand für eine der bedeutendsten Sammlungen dieser Art im europäischen Kulturraum. Doch nur kurz währte sein Ruhm, denn zu sehr ging von Cobres seiner Sammelleidenschaft nach. Als seine „Brotgeschäfte“ in die roten Zahlen gerieten und eine Erbauseinandersetzung ihm zusetzte, ist es um den Ritter geschehen. Nicht einmal der Notverkauf seiner von da an in alle Welt verstreuten Schätze konnte ihn retten. Völlig verarmt stirbt er in einem ihm noch verbliebenen kleinen Söldneranwesen in Göggingen. Trotzdem ist Ibler beizupflichten, wenn er resümierend feststellt: „Seine naturwissenschaftlichen Forschungen setzten Akzente der Aufklärung in Deutschland!“

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Ein Fjord und ein Gletscher tragen seinen Namen

Es gibt Parallelen zum in Augsburg geborenen Karl Ludwig Giesecke, der – Autodidakt wie von Cobres – sich als Forschungsreisender und Mineraloge einen Namen machte. Zunächst Schauspieler und dramaturgischer Mitarbeiter des Wiener Theaterprinzipals Emanuel Schickaneder, wendet er sich bald den Geowissenschaften zu und wird Mineralienhändler. Er erweitert sein Wissen durch verschiedene universitäre Seminare und liebäugelt sogar mit einem Amt als Königlicher Bergrat im Dienste Preußens. Doch eine warme Beamtenstube war doch nicht seine Sache. Langjährige Forschungsaufenthalte in der Polarregion Grönlands entsprechen mehr seinem Naturell.

Ein von ihm dort ausfindig gemachtes Mineral trägt sogar seinen Namen: „Gieseckit“. Und ein besonderes grönländisches Eisenerz wird als „Giesecke’s Iron“ bezeichnet. Sein Forscherleben erfuhr aber noch eine weitere Qualifizierung durch eine Professur für Mineralogie im irischen Dublin, die er bis zu seinem Tode hochgeehrt und allseits anerkannt innehatte. Nicht nur dies: In Grönland wurde er nicht vergessen. Ein eisiger Fjord, ein mächtiger Gletscher und sogar ein hoch aufragendes Bergmassiv tragen dort seinen Namen. Mit Recht tituliert ihn deshalb Gerd Ibler als „umtriebigen Augsburger Weltbürger“.

Die besprochenen Abhandlungen sind publiziert in Band 18 der Reihe Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben, herausgegeben von der Schwäbischen Forschungsgesellschaft, Druckerei und Verlag Steinmeier, 616 Seiten, 39,90 Euro.

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