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13.04.2015

Die Sammler und Jäger

Im Pfarrsaal „Heiligste Dreifaltigkeit“ in Kriegshaber trafen sich gestern die Briefmarkensammler und -händler.
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Im Pfarrsaal „Heiligste Dreifaltigkeit“ in Kriegshaber trafen sich gestern die Briefmarkensammler und -händler.

Briefmarkensammeln war einst ein beliebtes Hobby. Doch welchen Reiz hat es noch in Zeiten des Internets?

Es wirkt wie aus der Zeit gefallen, wenn man in einem Raum voller Briefmarkensammler steht. Zugleich weckt es Erinnerungen an die Kindheit. An den regelmäßigen Gang zum Laden, der ausschließlich Briefmarken verkaufte, und die eigene Jagd nach Sportmotiven aller Art. Der Ansatz, vor allem in einem Themengebiet zu sammeln, entspreche durchaus einem Trend, verrät Martin Edin vom Augsburger Briefmarkenclub Augusta. Das sei einfacher, was Geld und Aufwand betrifft, als die Herangehensweise vieler Sammler. Die suchten üblicherweise alle Marken aus einem bestimmten Land.

So sammelt auch Christian Goldau. Ihn interessiert „alles was deutsch ist“. Goldau kam vergleichsweise spät zu dem Hobby. Als die Großmutter des 52-Jährigen vor 20 Jahren starb, bekam er deren Alben und glaubte, er bekomme dafür ordentlich Geld. „Ich habe schnell gemerkt, dass das ein Irrglaube ist. Deswegen bin ich umgeschwenkt und habe begonnen, die Sammlung zu vervollständigen.“ Einige Regale füllen inzwischen die Alben bei ihm daheim.

70 Mitglieder hat der Augsburger Verein heute, sagt Edin und verweist auf die Vorzüge eines Beitritts: „Die Kataloge mit den Preisen kosten durchaus um die 100 Euro. Wir haben die in unserem Archiv alle da.“ Goldau kaufte über Zeitungsinserate viele Sammlungen auf, nahm die interessanten Marken heraus und verkaufte den Rest weiter. Zwischenzeitlich hatte der Soldat aus Königsbrunn dafür sogar ein Gewerbe angemeldet. „Weil aber so wenig dabei herum kam, hat das Finanzamt es dann als Hobby eingestuft. Der Handel mit Briefmarken ist nichts, womit man reich wird.“

Die meisten Verkäufer kommen über Anzeigen oder auf Tauschbörsen – wie jener am Sonntag im Pfarrsaal Heiligste Dreifaltigkeit in Kriegshaber – zu ihm. Im Internet könne man zwar auch wertvolle Marken erwerben, doch dort sei Vorsicht geboten. „Es werden dort immer wieder seltene Exemplare verkauft. Allerdings sind Stempel, Prüfmarken oder Atteste häufiger gefälscht.“

Wertvoll seien vor allem zwischen 1949 und 1959 in Deutschland gedruckte Marken, verrät Edin. In der Nachkriegszeit hätten die Menschen andere Sorgen gehabt und deswegen wenig gesammelt. Hier haben viele Sammler noch Lücken. Noch wertvoller werden diese Marken, wenn der Poststempel in der Mitte ist. Damals wurden die Marken meist am Rand abgestempelt.

Einen kleinen Schatz hat Karl Veh aus Fischach daheim. Das sehen aber wohl vor allem Chinesen so. Er sammelt Marken aus dem Reich der Mitte. „Seit der Gründung der Volksrepublik 1949 durch die Kommunisten war es verpönt, Werte anzuhäufen, deswegen wurde nichts gesammelt. Chinesische Briefmarken gab es nur im Ausland, weil das Land dafür Devisen bekam. Während der Kulturrevolution 1967 bis etwa 1972 wurden auch keine Marken mehr exportiert.“ Das Sammeln sei zwar in China immer noch ein Randthema, wegen der hohen Bevölkerungszahl aber ein beachtlicher Markt, verrät Veh. Wertvoll sind quasi alle roten Briefmarken, weil Rot als die Farbe des Glücks gilt, weiß Veh.

Zur Volksrepublik China kam er eher zufällig, in seiner Kindheit hatte er einmal ein Päckchen gekauft, weil dem heute 60-Jährigen die bunten Fische so gefielen und er es sich mit seinem geringen Taschengeld leisten konnte. Dann lagen die Alben jahrelang auf dem Dachboden, bis er sie vor zehn Jahren wiederentdeckte und die chinesischen Marken fast das einzig Wertvolle waren. Auch das ist das Schöne am Sammeln.

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