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Augsburg

21.01.2015

Die Sprache als größte Hürde: Modellprojekt soll Flüchtlingen Arbeit vermitteln

Zu den Verständigungsschwierigkeiten kommen Eingewöhnungsprobleme, bürokratische Rätsel – und natürlich die psychische Belastung, unter der die Flüchtlinge leiden.
Bild: Archivbild Ulrich Wagner

Ein Modellprojekt soll qualifizierten Flüchtlingen Arbeit vermitteln. In Augsburg gibt es erste bescheidene Erfolge. Doch schnelle Ergebnisse sind schwer möglich.

Rund acht Monate ist es jetzt her, dass in Augsburg als einziger bayerischen Stadt das bundesweite Modellprojekt „Jeder Mensch hat Potenzial“ angelaufen ist. Die Qualifikationen von Asylbewerbern und die Möglichkeiten, sie in unsere Arbeitswelt zu integrieren, sollten ermittelt werden. 19 geeignete Kandidaten – vom Schweißer auf einer Bohrinsel bis zum Betriebswirt mit Bachelor-Abschluss – waren zu diesem Zeitpunkt im Projekt, inzwischen sind es 86. Fünf konnten bisher in Arbeits- oder Ausbildungsstellen vermittelt werden.

Ein bescheidener Anfang, den Reinhold Demel, der Chef der Augsburger Agentur für Arbeit, als Erfolg bewertet, selbst wenn nicht alle Jobs bereits dem Bildungsstand der Projektteilnehmer entsprechen: „Es geht erst einmal darum, einen Einstieg zu finden.“ Denn die größte Hürde sei die Sprache. Die Kenntnisse, so Demel, „lassen sich nach Deutschkursen am besten in der praktischen Anwendung verbessern – im Gespräch mit Kollegen und durch Kontakte mit Einheimischen.“ Drei Männer arbeiten jetzt bei einem Internet-Versandhändler, einer bei einem Auto-Zulieferer, einer – der Betriebswirt aus Afghanistan – als Praktikant in einem Industriebetrieb und einer wird zum Kfz-Mechatroniker ausgebildet. Die jeweiligen Arbeitgeber wollen vorerst keine öffentliche Aufmerksamkeit, sagt Demel. Alles ist noch im Versuchsstadium, Erfahrungen müssen erst gesammelt werden – und das brauche Ruhe.

Dass es sich bei den Teilnehmern um „handverlesene Leute“ handle, liege schon allein daran, dass nur solche Flüchtlinge infrage kommen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Deutschland bleiben dürfen, weil sie aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, dem Iran oder Somalia kommen. Das Bundesamt für Migration (BAMF) trifft die Auswahl und fördert die Betreffenden unter dem Motto „Early Intervention“ (Frühzeitiges Eingreifen) mit Sprachkursen. Im vergangenen Jahr sei allerdings nicht genug Geld dafür da gewesen, kritisiert Demel: „Da sollte noch einiges nachgelegt werden.“

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Syrer sind die stärkste Gruppe

Mit 40 Prozent am stärksten vertreten sind im Augsburger Projekt die Syrer, die, wie Demel sagt, eine große Bereitschaft mitbringen, Deutsch zu lernen – was für sie nicht einfach ist. Denn sie müssen sich auch unser Alphabet aneignen und von links nach rechts zu schreiben lernen, statt wie im Arabischen von rechts nach links.

Zu den Verständigungsschwierigkeiten kommen kulturelle Eingewöhnungsprobleme, bürokratische und rechtliche Rätsel – und natürlich die psychische Belastung, unter der die Flüchtlinge aus Bürgerkriegsregionen leiden. Trotz der sechs Monate dauernden Integrationskurse und trotz der Hilfe ehrenamtlicher Paten schaffen es nur wenige, innerhalb kurzer Zeit fit für unseren Arbeitsmarkt zu sein.

Dem Modellprojekt insgesamt ist nun mehr Zeit eingeräumt worden. Es läuft ein weiteres Jahr, jetzt in neun, statt anfangs sechs Städten. Berlin, Hannover und Ludwigsburg sind neu hinzugekommen. Aufgestockt hat auch die Augsburger Arbeitsagentur: Entsprechend der gewachsenen Zahl an Projektteilnehmern besteht das „Spezialistenteam Asyl“ jetzt aus drei Mitarbeitern, darunter ein Afghane, der schon länger im Land ist.

Großes Interesse, Asylbewerber einzustellen, hätten vor allem Handwerksbetriebe, erklärt Demel. In Zusammenarbeit mit der Kreishandwerkerschaft sei deshalb Ende Februar eine Informationsveranstaltung speziell für das Handwerk geplant.

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