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Augsburg

20.02.2017

Die Stadt wächst jährlich um 50 Fußballfelder

Augsburg wächst und wächst.
Bild: Ulrich Wagner

Die Bevölkerung in Augsburg wächst und damit auch die Stadt. Das führt zu einem Dilemma zwischen dem Bau von Wohnungen und dem Schutz der Umwelt.

In Augsburg wurden im vergangenen Jahr für den Bau neuer Straßen und Häuser rund 45 Hektar Boden – das ist etwa das Dreifache des Wittelsbacher Parks – „verbraucht“. Der Wert liegt deutlich über dem der vergangenen Jahre. 43,5 Prozent des Stadtgebiets (Bereiche wie der Siebentischwald sind mitgerechnet) sind somit inzwischen bebaut – vor 15 Jahren lag der Wert noch knapp drei Prozentpunkte darunter.

„Es liegt auf der Hand, dass mit weniger Grünflächen und Bäumen sowohl Stadtbildqualität als auch Wohnwert sinken“, sagt Umweltreferent Reiner Erben. Durch mehr bebaute Flächen ändere sich auch das Klima in der Stadt mit entsprechenden gesundheitlichen Auswirkungen. Auch Irene Kuhn vom Bund Naturschutz in Augsburg warnt: „Boden ist eine begrenzte Ressource. Sehr viel davon ist versiegelt und überbaut worden.“

Doch bei dem Thema steckt die Stadt in einem Dilemma: Für neue Wohnungen ist es mitunter nötig, bisher ungenutzte Flächen zu bebauen. „Der anhaltende Zuzug und die damit verbundenen deutlich gestiegenen Bevölkerungszahlen stellen die Stadt Augsburg vor große Herausforderungen“, sagt Baureferent Gerd Merkle (CSU).

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Neue Wohngebiete in Augsburg auf Ackerland geplant

Wie berichtet, plant die Stadt in Zukunft Wohngebiete in Haunstetten Süd-West und Radegundis – damit würden erstmals seit Jahren große Wohngebiete auf Ackerland errichtet. Zuletzt war dies vor mehr als zehn Jahren an der Friedrich-Ebert-Straße der Fall.

In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Stadt auf die ehemaligen Kasernen-Areale. Doch diese Flächen sind inzwischen aufgebraucht. Und die Umwidmung von bestehenden Gewerbenutzungen werde nicht genug Flächen schaffen, um den Bedarf zu decken, so das Baureferat.

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Bild: Ulrich Wagner

Gleichwohl bemühe man sich ernsthaft, den Flächenverbrauch zu reduzieren, zumal die Stadt sich in ihren Zukunftsleitlinien auf eine „nachhaltige Flächennutzung“ verpflichtet hat. Von einer Trendwende ist die Stadt aber noch weit entfernt. Neben den Flächen für Wohnungen braucht die Stadt auch Areale für Gewerbe – zum Beispiel für den Innovationspark im Süden der Stadt.

Augsburg beim Flächenverbrauch "gefräßiger" als andere Großstädte

Augsburg ist in puncto Flächenverbrauch sogar etwas „gefräßiger“ als andere Großstädte. Im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre wurden jährlich 35 Hektar (ca. 50 Fußballfelder) verbraucht, wobei es große Schwankungen gibt: mal waren es neun Hektar, mal 67 Hektar. In Prozent gemessen wuchs die Verkehrs- und Siedlungsfläche bezogen auf die Gesamtfläche jährlich um 0,6 Prozent. Zum Vergleich: München, Nürnberg und Regensburg liegen laut Statistischem Landesamt bei 0,4 Prozent, die „Boomtown“ Ingolstadt bei 0,8 Prozent. Im Umland lag das Wachstum in Königsbrunn bei 0,5, in Stadtbergen bei 0,6, in Aichach bei 0,5 und in Neusäß bei 1,0 Prozent.

Mit eine Ursache dürfte auch sein, dass der Wohnraum pro Kopf immer stärker zunimmt. Statistisch hat jeder Augsburger um die 40 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung. Die Werte sind in den vergangenen Jahren gestiegen, was aber nicht nur an gestiegenen Ansprüchen liegt, sondern vermutlich eher an der Zunahme der Single-Haushalte, die grundsätzlich mehr Fläche pro Person benötigen. Im Bundesdurchschnitt sind es übrigens 46 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf.

Sollten Häuser höher gebaut werden?

Umweltreferent Erben fordert neben flächensparendem Bauen auch ein Nachdenken über die Höhe von Gebäuden. Drei bis vier Geschosse sind in Augsburg bei Mehrfamilienhäusern die Regel. Auch der Bund Naturschutz sieht im Aufstocken von bestehenden Gebäuden eine Möglichkeit. „Und es sollte Ausnahmen bei der Abstandsregelung im Stadtgebiet geben“, so Kuhn. Das Bismarckviertel mit seiner dichten Bebauung dürfte heute so gar nicht mehr gebaut werden, gibt sie zu bedenken. Der Grünen-Vorsitzende Peter Rauscher fordert ein radikaleres Umdenken: „Teure, luxuriöse Einfamilienhäuser, die vor allem Fläche benötigen, aber wenige Menschen beherbergen, können angesichts des Wachstums der Stadt nicht die Bauvorhaben in Augsburg prägen.“

Dem steht freilich das erklärte Ziel von Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) entgegen, auch „Gutverdiener“ in der Stadt zu halten und sie nicht ins Umland abwandern zu lassen. Andernfalls verliere Augsburg ständig Steuerkraft. Auch städtebaulich hätte eine Erhöhung der Geschosszahl bei Neubauten, wo baurechtlich überhaupt zulässig, Folgen: Wohnhäuser mit fünf oder mehr Stockwerken werden vor allem an Stellen gebaut, an denen städtebauliche Akzente gesetzt werden sollen.

Wie die Stadt sich in den kommenden Jahren zu dem Thema verhalten wird, wird aktuell im Stadtentwicklungskonzept festgelegt, das seit zwei Jahren erstellt wird. Es soll zeigen, wo neue Wohngebiete entstehen können, welche Auswirkungen das hat und wo Konflikte entstehen. Ein Vorentwurf soll noch vor der Sommerpause vorgestellt werden.

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21.02.2017

Der Grünen-Vorsitzende Peter Rauscher fordert ein radikaleres Umdenken: „Teure, luxuriöse Einfamilienhäuser, die vor allem Fläche benötigen, aber wenige Menschen beherbergen, können angesichts des Wachstums der Stadt nicht die Bauvorhaben in Augsburg prägen.“

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Das sind die Grünen von heute - Bevormundung und gesellschaftliche Ideologie statt Umweltschutz.

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Eine dichtere Bebauung hat auch Auswirkungen auf den Verkehr, für den die Augsburger Grünen mit Ausnahme hilfloser Radwegmalerei kein Konzept haben. Grüne Politik hat uns ein täglich tieferes Loch am HBF gebracht aber keine attraktive Tramanbindung der meisten großen Baugebiete.

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Dank der Konzentration des Regenbogens auf Kö und HBF dominiert der Bus im Takt 15 mit anschließendem Umsteigezwang die Augsburger Neubauviertel.

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In Pfersee wurde ja der Bereich der noch einigermaßen von der bestehenden Tram erschlossen wird durchaus mit dichterer Bebauung geplant. Aber der Rest ist - wie sagte das der vom Regenbogen eingestellte Stadtwerke-GF-Walter - Fläche!

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20.02.2017

Sollten Häuser höher gebaut werden?...Die Stadt wächst jährlich um 50 Fußballfelder

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Lieber Häuser ..... Platzsparend mit Reihenhäuser (auch mit Flachdach, als Solarium)..... und dann mit Einbahnstraßen (?) erschließen, spart Platz.

Häuser sind viel besser, da Privatpersonen in ihre Gärten für Artenvielfalt sorgen, und keine Pestizide versprühen, dies kommt Tierisch der Umwelt zugute ....

Bei Neubauten bekommt der Fiskus viel Geld ....... bei 500.000 EUR Verkaufswert, gehen davon 19% an den Fiskus ......"79.832 EUR" die der Bauherr als Mehrwertsteuer abdrückt .....

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20.02.2017

Dieser Artikel zeigt wieder das ganze Dilemma:

Weil Einfamilienhäuser sonst im Umland gebaut werden würden und dort die reicheren hinziehen würden, muss Augsburg auch EFHs bauen, wie es auf den ehemaligen Kasernenflächen in großem Stil gemacht wurde.

Sinnvoller wäre es jedoch wenn in diesen recht zentralen Lagen mit Straßenbahn-Anbindung Mehrfamilienhäuser gebaut werden würden. Und es wäre am gerechtesten, wenn die Umlandgemeinden und Augsburg sich zu einer größeren Planungseinheit zusammenschließen würden: dann würden die Kommunen besser an einem Strang ziehen und nicht bei Gewerbegebieten und den reichen Einwohnern konkurrieren. Außerdem würden dann diese Kommunen auch ihren Anteil an Einrichtungen tragen, die ihnen allen zugute kommen, wie den städtischen Krankenhäusern, dem Theater oder ähnlichem.

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20.02.2017

Ich persönlich würde mit Familie aber auch gerne in einer hochwertigen Wohnung leben, wenn sie dafür zentraler liegt, als ein EFH/DHH. Ich finde beim Wohnungsbau könnte man noch viel optimieren, z.B. ist ein ausgebauter Kellerraum mit kleinem Bad eine Lösung für das Gästezimmerproblem, das man sonst in Wohnungen fast immer hat.

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