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Augsburg

19.08.2020

Die Städtetouristen kommen - doch Augsburgs Hotels hilft das kaum

Nach dem coronabedingten Lockdown ist der Städtetourismus in Augsburg ist zwar wieder im Kommen – aber nur wenige Touristen übernachten im Hotel.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Plus Urlaub daheim erfreut sich großer Beliebtheit. Auch in Augsburg spürt man das. Doch für die Hotelbetreiber kämpfen trotzdem - aus mehreren Gründen.

Das Konzept "Urlaub daheim" geht offenbar auf: In Zeiten, in denen Reisen ins Ausland mit vielen Fragezeichen versehen sind, bleiben die Deutschen in den Ferien lieber im eigenen Land. Das macht sich bemerkbar, auch in Augsburg, einer Stadt, die im Städtetourismus in den vergangenen Jahren an Attraktivität gewonnen hat. Die Regio Augsburg Tourismus GmbH hat auf die Entwicklung reagiert. Sie präsentiert Touristen seit einigen Wochen ebenfalls unter dem Motto "Urlaub daheim" Ziele in der Region. Die Stadt und ihre Attraktionen werden seitdem verstärkt von Besuchern erkundet, und auch das Interesse an Stadtführungen habe zugenommen, sagt Tourismusdirektor Götz Beck. Das sei in Zeiten von Corona ein gutes Signal. Doch dem positiven Ausblick lässt der Experte auch ein dickes Aber folgen.

Der neue Hotelkomplex an der Peter-Dörfler-/Ecke Eichleitnerstraße wird am 1. September in Betrieb gehen. Derzeit fehlt es aber an Gästen.
Bild: Ulrich Wagner

Denn obwohl sich der Städtetourismus positiv entwickelt, gelingt es nicht, dadurch die Folgen der Corona-Pandemie für die Hotelbranche abzufedern. "Vor allem Übernachtungen in Privatzimmern, in Ferienwohnungen oder Camping-Unterkünften sind gefragt", bestätigt Beck. Bei den Hoteliers käme die Entwicklung dagegen nur sehr eingeschränkt an. Ihnen fehlen nach wie vor Geschäftsreisende oder Teilnehmer an Tagungen, Kongressen oder Messen.

Augsburgs Tourismus-Branche braucht Gäste aus dem Ausland

Dazu habe Augsburg bislang stark von Gästen aus dem Ausland profitiert. Rund 25 Prozent der Besucher kamen nicht aus Deutschland. Aber bei ausländischen Gästen bleibt die Reisetätigkeit dieses Jahr stark eingeschränkt. Für das erste Halbjahr verbucht Beck ein Minus von rund 50 Prozent bei Übernachtungen. Vergleicht man die Werte aus dem Juni 2019 mit jenen aus 2020, sind es sogar knapp 61 Prozent.

Eine Entwicklung, die vielen Hotelbetreibern der Stadt große Sorgen bereitet. Denn ewig können die Betriebe diese Einbrüche nicht kompensieren. Zwar würden Kurzarbeit und staatliche Hilfsprogramme in Anspruch genommen und auch helfen, aber diese seien keine Dauerlösung. "Für uns Hoteliers heißt es im Moment sparen, sparen, sparen", bringt es Andreas Schön vom Hotel Alpenhof auf den Punkt. Gespart werde leider auch beim Personal, merken Gewerkschaften wie die Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) an. Denn auch manch angeschlossenes Restaurant oder die Bar in einem Hotel bleiben mangels Gästen weiter geschlossen, stattdessen gibt es nur ein eingeschränktes Gastronomieangebot.

Im Allgäu kommen mehr Touristen unter als in Augsburg

Während im Allgäu manche Regionen derzeit wegen "Urlaub daheim" schon wieder über zu viele Gäste sprechen und Teile der Verluste aus dem Lockdown auffangen können, sind Hoteliers in Städten von diesen Entwicklungen weit entfernt.

"Stadthotels leben nicht vom klassischen Touristen, sondern von Geschäftsreisenden oder eben Besuchern von Messen, Tagungen und Kongressen sowie Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstagen", weiß Leo Dietz vom Hotel- und Gaststättenverband. Zwar wird das ein oder andere Angebot wie die Schleiftechnikmesse Grindtec im November wieder aufgegriffen, aber es werden auch Veranstaltungen ersatzlos gestrichen. Wie sich die Lage weiter entwickeln wird, ist auch deshalb ungewiss, weil viele Unternehmen bislang Reisetätigkeiten ihrer Mitarbeiter bis in den Herbst hinein unterbunden haben. Damit sind vorerst auch kaum weitere Hotelübernachtungen in Sicht.

Eine Situation, die es auch den vielen Neueinsteigern auf dem Augsburger Hotelmarkt schwer macht. Zwölf Hotels beziehungsweise Boardinghäuser sollen in Augsburg bis Ende 2023 eröffnet werden. Vier davon gehen bereits in diesem Jahr an den Start. Den Anfang macht am 1. September die GS Star GmbH mit zwei Hotelkonzepten in direkter Nachbarschaft in Göggingen. Das Apartment-Hotel Arthotel ANA Living sowie ein Super 8 by Wyndham nehmen an der Ecke Peter-Dörfler- und Eichleitnerstraße den Betrieb auf. Holger Behrens, Geschäftsführer der Gorgeous Smiling GmbH, zu der die Hotels gehören, sieht der Eröffnung mit gemischten Gefühlen entgegen. "Prinzipiell sind wir positiv gestimmt, aber die aktuelle Lage sorgt schon dafür, dass die Buchungslage für die neuen Häuser noch sehr übersichtlich ist."

"In Augsburg gibt es fast zu viele Hotelbetten"

Glück im Unglück sei in dieser Zeit die Eröffnung des Apartmenthotels. "Hier haben die Gäste ihre eigene Unterkunft, inklusive kleiner Küche. Sie können also kontaktfrei wohnen", erklärt er. Dazu sieht Behrens, dessen Gruppe in Augsburg bereits Häuser wie das Quality Inn betreibt, die vielen Neueröffnungen in der Stadt kritisch: "Wir hatten lange die Situation, dass wir zu wenige Hotels in Augsburg hatten, vor allem zu wenig moderne Häuser. Jetzt ist das Pendel eher ins Gegenteil umgeschlagen", schätzt er die Lage ein. Dies mache den Markt umkämpfter und könnte, gerade auch in Zeiten von Corona, zulasten mancher Hoteliers gehen.

Vor allem Familienbetriebe haben schon vor Corona auf dieses Dilemma hingewiesen und entsprechende Konzepte gefordert, um Publikum für die vielen neuen Betten zu generieren. Jetzt habe sich die Lage noch einmal verschärft. "Wir wollten Erspartes in die Renovierung unseres Hauses stecken, so wie wir es in den letzten Jahren immer wieder gemacht haben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber jetzt brauchen wir die Rücklagen für Corona", erzählt Alpenhof-Chef Andreas Schön. Die neuen Hotels dagegen haben diese Sorge aus seiner Sicht nicht. Sie eröffnen Neubauten und bleiben vorerst von größeren und teuren Renovierungsmaßnahmen verschont. Das könnte ihnen später Vorteile verschaffen.

Seit 2019 steht das Augsburger Wassermanagement-System auf der Liste des Unesco-Welterbes.
Bild: Fridtjof Atterdal (Archivbild)

Die aktuelle Situation sei schwierig und eine "große Herausforderung", sagt Tourismuschef Götz Beck. Dennoch will er zuversichtlich bleiben. Es werde eine Zeit nach der Corona-Pandemie geben, und dafür rüste sich die Stadt auch im Tourismus. Das Thema Welterbe solle noch stärker vermarktet und das Kongress- und Tagungswesen ausgebaut werden – beispielsweise in Zusammenhang mit der Uniklinik und dort gespielten Gesundheitsthemen. Die Grundsteine dafür seien bereits gelegt. "So können wir wieder auf ein gutes Niveau kommen", ist Beck überzeugt. Akut helfen können diese Ansätze aber nicht.

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