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Augsburg

13.03.2019

Die Stimmung bei Fujitsu wird „eisiger“

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Die Beschäftigten des Augsburger Fujitsu-Werks kämpfen für den Erhalt des Standorts.
Bild: Andrea Wenzel

Die Verhandlungen zwischen Konzern und Arbeitnehmern entscheiden die Zukunft der Mitarbeiter. Die Hängepartie macht den Mitarbeitern zu schaffen.

Der Geschäftsleitung von Fujitsu weht ein eisiger Wind entgegen – und das liegt nicht nur am stürmischen Wetter, das derzeit über Augsburg liegt. Die Mitarbeiter sind am Mittwoch vor der Niederlassung mit Trillerpfeifen, Plakaten und großen Gewerkschaftsfahnen aufgezogen, und haben in einer rund dreißigminütigen Kundgebung erneut klar gemacht, was sie von der Standortschließung halten. Weil an dieser Stand heute aber kaum ein Weg vorbei führt, fordern die Beschäftigten zumindest einen akzeptablen Sozialplan und Interessensausgleich sowie einen respektvollen Umgang miteinander. „Wir sind keine Nummern, sondern Schicksale und Existenzen“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Elisabeth Schabert in ihrer kurzen Ansprache.

Fujitsu Augsburg
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Fujitsu: Mitarbeiter fordern respektvollen Umgang
Bild: Julian Würzer

Verhandlungen bei Fujitsu in Augsburg laufen seit Dienstag

Seit Dienstag laufen die Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmern – vertreten durch Teile des Gesamtbetriebsrats, Betriebsratsmitgliedern aus Augsburg sowie der IG Metall und einem Rechtsanwalt – und der Unternehmensleitung. Auch das seitens der Arbeitnehmer in Auftrag gegebene Gutachten eines Wirtschaftssachverständigen, das Alternativen zur Schließung aufzeigen soll, liegt auf dem Tisch. „Es wird seitens des Arbeitgebers nun geprüft“, sagt die Unternehmensbeauftragte der IG Metall, Angela Steinecker.Zu ersten Ergebnissen der gestarteten Verhandlungen will sich keine der Parteien äußern. „Die Gespräche verlaufen zäh, aber es ist nicht aussichtslos“, heißt es seitens des Betriebsrats. „Der von Fujitsu gesteckte Zeitplan, bis Geschäftsjahresende am 31. März ein Ergebnis präsentieren zu können, ist realistisch“, schätzt dagegen ein Unternehmenssprecher die Lage ein.

Die Beschäftigten des Fujitsu-Standorts Augsburg haben bei einer Kundgebung deutlich gemacht, was sie von der Standortschließung halten und dass sie für einen guten Sozialplan und Interessensausgleich kämpfen werden.
Video: Andrea Wenzel

Der Faktor Zeit ist es auch, der den Mitarbeitern neben den guten Konditionen auf den Nägeln brennt. „Weil wir nicht wissen, wie Sozialplan und Interessensausgleich am Ende aussehen, können wir auch nicht wirklich auf unsere Situation reagieren. Wir hängen in der Luft“, schildern zwei Mitarbeiter aus der Fertigung ihre Lage. Sie spielen darauf an, dass es auch von der Höhe der Abfindung abhängt, ob man das Unternehmen frühzeitig verlässt oder besser bis zum Ende im September 2020 dabei bleibt. „Sich vorher zu bewerben und die Abfindung zu riskieren wäre doch albern. Das macht doch keiner“, ist sich auch eine Mitarbeiterin aus dem Einkauf sicher. Ihr macht auch die schlechte Stimmung im Unternehmen zu schaffen. „Es wird schon eisiger“, sagt sie. Dem pflichtet auch eine Kollegin bei. „Hier werden Dinge verhandelt, die aus unserer Sicht nicht verhandelbar sind. Uns fehlt der nötige Respekt gegenüber uns Mitarbeitern“, ärgert sie sich.

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Hängepartie macht Fujitsu-Beschäftigten zu schaffen

Je schneller ein Ergebnis umso besser. Darin immerhin sind sich Unternehmen und Arbeitnehmer einig. Wie ein solches aussehen kann, bleibt aber weiter unklar. „Wir wollen nicht heute A sagen und morgen B und dann sind die Mitarbeiter enttäuscht, warum es doch nicht A geworden ist“, erklärt Gewerkschafterin Angela Steinecker, warum keine Zwischenstände sondern erst ein konkretes Ergebnis kommuniziert werden wird.

Fujitsu Augsburg
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Fujitsu: Mitarbeiter fordern respektvollen Umgang
Bild: Julian Würzer

Wie es aussehen kann, wird derweil weiter heftig diskutiert. Manche Mitarbeiter schielen dabei auf den Standort Paderborn, den Fujitsu geschlossen hat. Dort kamen Mitarbeiter offenbar bei einem anderen Unternehmen unter, von dem Fujitsu dann wiederum entsprechende Dienstleistungen eingekauft hat. Andere Kollegen machten sich selbstständig und schlossen danach Beraterverträge mit Fujitsu ab, erzählen ehemalige Beschäftigte. Ob das auch ein Modell für Augsburg sein kann, ist aber völlig ungewiss. Auch andere Varianten seien denkbar, um zumindest einem Teil der Beschäftigten eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen heißt es von Branchenkennern. Weil diese den Computerhersteller zudem als sozialen Arbeitgeber einschätzen, sei auch eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft denkbar.

Gute Lage am Arbeitsmarkt macht Hoffnung

Hoffnung macht den Mitarbeitern derzeit zudem die gute Lage am Augsburger Arbeitsmarkt. Bei der Agentur für Arbeit und auch bei Fujitsu selbst sind bereits Anfragen von Unternehmen zur Übernahme von Beschäftigten eingegangen. „Wir kennen Kollegen, die haben ihre Bewerbungsunterlagen schon in der Schublade oder sogar schon Bewerbungsgespräche geführt“, wird erzählt. Dass manche bereits auf gepackten Koffern sitzen, macht auch einer Mitarbeiterin deutlich: „Wenn Klarheit herrscht, will ich mich so schnell wie möglich bewerben, damit ich nicht mit den anderen 1800 Kollegen gleichzeitig um einen Job kämpfen muss“, sagt sie. Wie schnell sie reagieren muss, hängt vom weiteren Verlauf der Verhandlungen ab. Für Donnerstag und kommende Woche sind Termine angesetzt.

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13.03.2019

Da helfen weder Lichterketten noch Wut-Demos, die technologischen sowie unternehmerischen Entscheidungen werden nicht in Deutschland sondern in Japan getroffen!

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