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Streitfall

15.11.2012

Die Studie in der Schublade

Der Lech früher (Bild rechts) und heute: Wie der Fluss im Stadtwald umgebaut werden soll, darüber gehen die Meinungen von Experten auseinander. Die Pläne des Freistaats gehen nicht weit genug, so eine Studie.

Naturschützer kritisieren, ein neues Expertenpapier zum Umbau des Lechs werde seit Monaten nicht öffentlich behandelt. Regierung von Schwaben: Das kommt noch

Naturschützer sprechen von einem Gutachten, das „politisch nicht opportun ist“ und seit Monaten unter Verschluss gehalten wird. Die Regierung von Schwaben versichert dagegen, die von ihr in Auftrag gegebene Studie werde schon noch öffentlich behandelt.

Konkret geht es um ein Expertenpapier, das sich mit dem Umbau des Lechs im Stadtwald auseinandersetzt. Tenor: Bei den Plänen des Freistaates drehe sich alles nur um Wasserbautechnik und die Stabilisierung der Flusssohle. Der naturnahe Ausbau des Flusses bekomme nicht den notwendigen Stellenwert. Dabei habe der Augsburger Stadtwald als größtes außeralpines Naturschutzgebiet Südbayerns einen besonderen Stellenwert.

Die 20-seitige Studie über die „naturschutzfachlichen Potenziale“ beim Ausbau des Lechs in Augsburg stammt von dem Professor Mathias Jungwirth. Er lehrt als Professor an der Universität für Bodenkultur in Wien. Seine Ergebnisse liegen seit Frühjahr 2012 bei der Regierung von Schwaben vor. Bislang wurden sie nicht veröffentlicht. Dabei soll der offene Planungsprozess des Freistaats für den „freien Lech“ (Stichwort: Licca liber) in Kürze beginnen. Eine Auftaktveranstaltung für das Großprojekt ist bis zum Jahresende vorgesehen.

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Der Start der Planungen zum freien Lech wird von Naturschützern zwar einhellig begrüßt. Kritisch gesehen werden aber Vorgänge im Vorfeld des Verfahrens: „Es ist ein Riesenproblem, wenn ein durch Steuermittel finanziertes Gutachten unter Verschluss gehalten wird, weil es politisch nicht in die Landschaft passt“, sagt Thomas Frey, Regionalreferent für Schwaben beim Bund Naturschutz.

Regierungssprecher Karl-Heinz Meyer widerspricht. Von Geheimhaltung könne keine Rede sein. „Der Naturschutzbeirat wird das Thema in der nächsten Sitzung behandeln.“ Im Zeitraum, seit die Studie vorliege, habe das Gremium nicht getagt. Darüber hinaus werde die Regierung das gewässerökologische Expertenpapier in den Planungsprozess zu Licca liber mit einbringen. An dem aufwendigen Verfahren sollen alle, deren Interessen vom Umbau des Flusses betroffen sind, beteiligt werden.

Wie brisant die Ergebnisse der Jungwirth-Studie sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fakt ist: Sie kommt zu anderen Ergebnissen für den Umbau des Lechs als die vorliegende Studie der Technischen Universität München. Auf Letztere stützt sich wiederum der Freistaat im Planungsprozess.

Gewässerökologe: Studie des Freistaates reicht nicht

Vor allem beanstandet Jungwirth, dass die TU-Studie einen zu kleinen Raum betrachte – nämlich nur den Flusslauf und die beiden angrenzenden Seiten innerhalb der heutigen Hochwasserschutzdeiche. „Dieser Raum ist für eine Dynamisierung des Lechs zu eng bemessen“, urteilt der Flussökologe, zumindest dann, wenn wichtige naturschutzfachliche Ziele beim Umbau erreicht werden sollen. Dazu zählt er beispielsweise das Ziel, den Fluss wieder besser mit dem Stadtwald zu vernetzen, und zwar durch größere Überschwemmungsgebiete.

Stellt also die neue Studie den Planungsprozess des Freistaates infrage? Bei der Regierung von Schwaben heißt es, nein. Meyer sieht das Jungwirth-Papier vielmehr als eine Ergänzung: „In der Studie der TU München wird wegen einer Eintiefung der Gewässersohle die Notwendigkeit einer flussbaulichen Sanierung aufgezeigt und Möglichkeiten zur Sanierung des Lechs dargelegt. Die Studie von Jungwirth legt den Fokus auf naturschutzfachliche Aspekte einer Lechrenaturierung.“ Schließlich, so Meyer weiter, solle der offene Planungsprozess alle relevanten Aspekte einer Lechsanierung einbeziehen.

Die Lechallianz aus Bürgern, Verbänden und Vereinen kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Für Sprecher Günther Groß belegt die Jungwirth-Studie, dass der Umbau des Flusses nicht „einseitig aus der Sicht der Wasserwirtschaft“ erfolgen dürfe. Vielmehr müsse noch vor Beginn des Planungsprozesses ein gemeinsames Leitbild zusammen mit dem Naturschutz erstellt werden. Auch der Planungsprozess müsse gemeinsam getragen werden. Weiter fordern Lechallianz und Bund Naturschutz zusätzlich zur TU-Studie ein detailliertes ökologisches Gutachten.

Wie alarmierend die Lage mittlerweile für Tiere und Pflanzen im Stadtwald und Lech ist, beschreibt Eberhard Pfeuffer vom Naturwissenschaftlichen Verein so: „Man kann zuschauen, wie Arten verschwinden. Und das löst eine Kettenreaktion weit in die Aue hinein aus.“

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