Newsticker

Spanien verhängt erneut Notstand und Ausgangssperre
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Die Suche nach Lehrlingen wird immer schwieriger

Augsburg

16.03.2015

Die Suche nach Lehrlingen wird immer schwieriger

Niklas Brauneis (im Auto) macht dieses Jahr sein Abitur und weiß noch nicht genau, wie es dann weitergehen soll. Am Firmenstand von SGL unterhält er sich mit Lehrlingen und informiert sich bei den Verantwortlichen über das Thema Duales Studium. Er will Ingenieur werden.

Viele Firmen müssen intensiv um geeignete Auszubildenden werben. Auf der Messe "Fit for Job" kommen Schüler mit Arbeitgebern ins Gespräch. Doch das ist nur ein Anfang.

Der Frühling ist da. Für Ralf Westphals Mitarbeiter heißt das, dass es jetzt wieder richtig losgeht. Westphal ist Geschäftsführer der Landschaftsbaufirma Saule, und die hat jetzt wieder viel zu tun. Gerne würde er mehr Lehrlinge rausschicken, doch drei der vier, die vergangenes Jahr begannen, sind wieder abgesprungen. „Einer ist nach Nürnberg gezogen und zwei haben festgestellt, dass der Beruf doch nichts für sie ist“, sagt Westphal, der eigentlich sechs Lehrlinge einstellen wollte, aber nicht fand. Neue Auszubildende hoffte er am Samstag auf der Ausbildungsmesse „Fit for Job“ auf dem Augsburger Messegelände zu finden.

Das Werben um Nachwuchs wird schwieriger

Ihn plagt ein Problem, das inzwischen viele Arbeitgeber haben: Das Werben um Nachwuchs wird schwieriger. „Vor fünf Jahren haben wir nur Realschüler eingestellt, jetzt nehmen wir auch Mittelschüler. Dennoch ist der Stapel mit den Bewerbungen kleiner geworden.“ Am ehesten erreiche er noch Jugendliche, die daheim im Garten mit anpacken oder Berührungspunkte mit der Landwirtschaft haben. Stadtkinder zu begeistern, sei sehr schwierig. Auf der Suche nach Rat hat er sich mit anderen Firmenchefs unterhalten. Die zahlen Prämien bis zu 1000 Euro, wenn ihnen jemand einen Mitarbeiter vermittelt. „Wir überlegen, was wir tun können, aber ob das der richtige Weg ist? Wir zahlen unseren Mitarbeitern Prämien und Weiterbildungen.“

Dass das Niveau der angehenden Lehrlinge immer häufiger nicht zur Ausbildungsreife reicht und die Firmen Kompromisse machen müssen, hört auch Oliver Heckmann, Leiter der Abteilung Bildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), häufiger von Firmenvertretern. Das treffe auf soziale Kompetenzen stärker zu als auf fachliche. „Wegen des Lehrlingsmangels werden solche Bewerber trotzdem eingestellt und erhalten ausbildungsbegleitende Hilfen, damit sie die Lehre schaffen.“ Die Gelder dafür kommen von der Agentur für Arbeit.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Für die etwa 9500 Messebesucher ist es ein Vorteil, dass es inzwischen mehr Stellen als Bewerber gibt. Noch vor zehn Jahren kamen auf 50 gemeldete Stellen 100 Bewerber. Wer nicht unbedingt einen der sehr beliebten Berufe wie Kfz-Mechaniker oder Friseurin ergreifen will, hat nun aber relativ gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Den sucht auch Eugen Murzov. Er informiert sich bei Kaminkehrer Christian Hehn über dessen Beruf. Einen Eignungstest, bestehend aus Mathematik, Deutsch und der Vervollständigung von logischen Zahlenreihen, müsse er bestehen, erfährt Murzov. Zudem muss er einen Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule vorweisen. An dem Beruf reizt ihn der Kontakt zu Menschen und er weckt Erinnerungen an früher, als seine Familie in Russland noch den Kohleofen befeuerte.

Sorgen mit Nachwuchs haben die Kaminkehrer noch nicht. „Es werden aber immer mehr Aufgaben. So müssen alle Immobilienbesitzer ab 2018 Rauchmelder installieren. Das Überprüfen und Dokumentieren und auf Wunsch auch das Montieren machen dann wir“, sagt Hehn. Dadurch steigt der Bedarf an Mitarbeitern.

Große Firmen sind im Vorteil

Im Vorteil bei der Suche sind große Firmen, weil sie bekannter sind. So ist es auch bei SGL in Meitingen. „Wir stellen jedes Jahr 20 Lehrlinge ein. Für 2015 sind alle Stellen vergeben, das machen wir etwa ein Jahr vor Ausbildungsstart“, sagt Ausbilderin Petra Gierl. Während der Einstellungstests fragt das Unternehmen zudem ab, ob die Jugendlichen sich auch für andere Berufsbilder begeistern können und findet so beispielsweise Zerspanungsmechaniker. Der Beruf ist unbekannter als der Industriemechaniker.

Auffällig bei der Messe ist, dass viele Firmen eigene Auszubildende dabei haben. Sie stehen Interessenten Rede und Antwort und führen ihre Arbeit vor, so wie die Chemikanten des Industrieparks Gersthofen. Bemerkbar ist auch, dass viele Firmen ihren weiblichen Nachwuchs geschickt haben, auch in Branchen, wo man Frauen eher nicht vermutet. So bei der Firma Raab Karcher. Sie vertreibt Materialien für Hoch-, Tief- und Trockenbau. „Ich werde Groß- und Außenhandelskauffrau. Meine Ausbildung habe ich ohne Vorkenntnisse angefangen. Wir bekommen viele Schulungen und Werksbesichtigungen“, sagt Buhur Basak. Ein IHK-Vertreter hatte sie auf die Lehrstelle aufmerksam gemacht.

Auch Ralf Westphal hat Lehrlinge dabei. Auf die Frage, ob ihm die Messe „Fit for Job“ neue Auszubildende bescheren wird, zuckt er mit den Schultern. „Von den 20 intensiveren Gesprächen machen vielleicht drei ein Praktikum und ein bis zwei dann auch eine Lehre.“ Wenn sie sie beenden... 

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren