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Augsburg

29.07.2015

Die Uniklinik kommt - Was bedeutet das für die Beschäftigten?

Der Freistaat Bayern will Ende 2018 das Klinikum übernehmen. 
Bild: Marcus Merk

Weiterer Schritt in Richtung Uniklinik: Das Kabinett beschließt die Übernahme. Die Beschäftigten sollen ihre Altersversorgung behalten. Doch was passiert mit Küche und Reinigung?

Sechs Jahre ist das Versprechen von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) alt: 2009 verewigte er sich im Goldenen Buch der Stadt mit der Botschaft „Die Uniklinik kommt!!!“. Am Dienstag hat der Freistaat den Startschuss für die Umwandlung des Klinikums zur Uniklinik gegeben. Momentan sind Stadt und Landkreis Eigentümer und Betreiber des Klinikums, ab Ende 2018 soll es der Freistaat sein. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, man befinde sich nun auf der „Zielgeraden“.

80 Professoren sollen behandeln, forschen, lehren

Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) zeigte sich in einer ersten Reaktion erleichtert. „Ich freue mich. Es ist so gelaufen, wie wir es für uns gewünscht haben. Die größte Hürde ist überwunden.“ Allerdings muss der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in Wissenschaftsfragen berät, dem Konzept noch zustimmen. 2016 wird mit einer Entscheidung gerechnet. Man gehe aber davon aus, die Ansprüche erfüllen zu können, so Gribl. Stadt und Landkreis wollen das Klinikum an das Land abgeben, weil ihnen die finanzielle Belastung zu groß wird. Zwar erwirtschaftete das Klinikum zuletzt eine schwarze Null oder ein kleines Minus, aber auf Dauer sei Hochleistungsmedizin für die ganze Region nicht von den Kommunen leistbar.

Künftig sollen mindestens 80 Professoren am Klinikum und der Uni behandeln, forschen und lehren. Der Freistaat übernimmt auch den „normalen“ Krankenhausbetrieb mit Patientenversorgung. Man hoffe, wissenschaftliche Erkenntnisse im Alltag umsetzen zu können, so das Klinikum. In Augsburg sollen die angehenden Ärzte im Rahmen eines Modellstudiengangs schnell Patientenkontakt bekommen. Dabei würden sie von erfahrenen Medizinern begleitet, so die Uni. Mit 1000 Studenten wäre Augsburg mit Regensburg, der kleinsten bayerischen Uni-Klinik, vergleichbar.

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Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle, der das Eckpunktepapier für das Kabinett ausgearbeitet hatte, erklärte, dass noch einige Fragen offen seien. Für die anstehende Sanierung des Krankenhauses muss eine Vereinbarung getroffen werden, ebenso für den Umgang mit bestehenden Schulden. Wie es aussieht, bleiben Stadt und Landkreis hier zumindest teilweise in der Pflicht.

Die Beschäftigten sollen tariflich nicht schlechtergestellt werden

Klar ist auch: Die 5400 Beschäftigten des Klinikums sollen tariflich nicht schlechtergestellt werden. Das war die Befürchtung des Personalrats. Eine Übernahme in den Tarifvertrag der Länder mit dessen Pensionskasse wäre für die Beschäftigten nachteilig gewesen. Das jetzige Personal bleibt bei einer Trägergesellschaft angestellt, die vom Freistaat übernommen wird. Personal für Lehre und Forschung wird direkt vom Land beschäftigt.

Wie berichtet haben die Träger des Klinikums am Freitag einen Zehn-Jahres-Plan verabschiedet, der unter anderem die Streichung von Arztstellen vorsieht. Insgesamt müssen die Personalkosten um zehn Millionen Euro jährlich runter. Vorstand Alexander Schmidtke kündigte an, dass 2016 ein hartes Jahr werde. Auch Spaenle erklärte, dass „bei der Wirtschaftlichkeit weiter große Anstrengungen nötig“ seien. Die SPD-Stadtratsfraktion begrüßte den Kabinettsbeschluss grundsätzlich. Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter müsse aber durch organisatorische Maßnahmen reduziert werden.

Kein Bestandteil des Zehn-Jahres-Plans sind angebliche Überlegungen, Küche und Reinigung auszugliedern. Offiziell bestätigt werden solche Erwägungen nicht, aber aus informierten Kreisen heißt es, dass das Klinikum mit dem Freistaat über das Thema sprach. An den Unikliniken sind Reinigung und Küche zum Großteil ausgelagert.

„Wir werden alles, wirklich alles tun, um das zu verhindern. Hier würde an den Mitarbeitern gespart, die am wenigsten verdienen“, sagt Hildegard Schwering, Vorsitzende des Personalrats. 400 Mitarbeiter sind in diesen Bereichen tätig. Als Reaktion auf einen Bericht unserer Zeitung schrieb Schmidtke in einer internen Mitarbeitermail am Montag, dass es „zum jetzigen Zeitpunkt keine konkreten Pläne über eine mögliche Ausgliederung“ gibt. Eine Festlegung für die Zukunft ist das nicht. Eine Ausgliederung würde Einsparungen im Millionenbereich bringen. In Augsburg ist das Küchen- und Reinigungspersonal beim Klinikum angestellt und wird nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt. Die externe Vergabe der Wäschereileistung seit diesem Jahr spart dem Klinikum eine Million Euro jährlich.

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