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Auktionshaus Rehm

03.02.2012

Die erste Versteigerung nach dem Teppich-Urteil

Georg Rehm vor einem Gemälde der anstehenden Auktion – einer um 1700 im Umkreis des Jean Baptist Martin geschaffenen Schlossansicht mit höfischer Gesellschaft (Taxe 3500 Euro).
Bild: hks

Auktionator Georg Rehm spricht über die Stimmung bei der ersten Versteigerung seines Hauses nachdem ein Gericht eine Klage auf 350000 Euro Schadensersatz abwies.

Am 27. Januar hat das Landgericht Augsburg eine Schadenersatzklage in Höhe von 350000 Euro gegen das Auktionshaus Georg Rehm abgewiesen, da man „an einen regionalen Universalversteigerer keine überhöhten Anforderungen stellen“ dürfe.

Es ging um einen Perserteppich (Kerman, 17. Jahrhundert), den Rehm für die Einlieferin, eine Erbin aus dem Raum Starnberg, auf 900 Euro geschätzt und im Oktober 2009 für 19700 Euro versteigert hatte. Ein halbes Jahr später wurde er bei Christie’s in London für 7,2 Millionen Euro als damit „teuerster Teppich der Welt“ weiterverkauft. Ob die abgewiesene Klägerin in die Berufung geht, ist noch offen. Doch für Rehm („Ich bin Auktionator mit Leib und Seele“) steht jetzt die erste Versteigerung nach dem Urteilsspruch als Saisonstart 2012 im Vordergrund.

Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Auktionatoren hat lange vor Abweisung der Klage erklärt, Sie hätten nichts falsch gemacht. Ist Ihre Selbsteinschätzung kritischer?

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Rehm: Auch der Bundesverband der deutschen Kunstversteigerer hat mir den Rücken gestärkt. Dennoch ist meine Selbsteinschätzung kritischer. Wie diese Sache gelaufen ist, musste man sich vorkommen wie ein Pariser Flohmarkthändler, der einen Picasso für 50 Euro verkauft hat – wenngleich der Teppich bei mir auf einen fünfstelligen Betrag kam.

Picasso und ein 3,38 Meter langer und 1,53 Meter breiter Vasenteppich sind doch zwei Paar Stiefel.

Rehm: Das schon. Anders als bei Picasso tendiert der Markt für Teppiche stark nach unten. Wenn ich ein wunderschönes Stück, das früher 15000 Mark erzielt hätte, heute mit 600 Euro zuschlagen muss, weil niemand 650 Euro zahlen will, dann durfte ich mit den 19700 Euro für den Kerman zufrieden sein. Es war für mich der höchste Teppichzuschlag der letzten 30 Jahre.

Bei Ihnen wurde es ein Telefongefecht zwischen einem Bieter aus Istanbul und einem Bieter aus Hamburg, das bei 19700 Euro endete. In London wurde es eine Bieterschlacht, die zugunsten eines arabischen Interessenten ausging.

Rehm: Wobei, wie man hört, es bei 150000 Pfund fast einen Zuschlag gegeben und erst dann die Bieterschlacht begonnen habe. Wenn man bedenkt, dass der bis dahin teuerste Teppich meines Wissens eineinhalb Millionen Euro gebracht hat, dann mutet der Zuschlag mit 7,2 Millionen Euro ziemlich irrational an.

Zumindest als Universalversteigerer mit regionalem Zuschnitt ist der Name Rehm durch den Urteilsspruch eine Referenz für alle entsprechenden Auktionatoren. Könnten Sie darauf am Ende stolz sein?

Rehm: Auf diese Referenz hätte ich gerne verzichtet. Das Medieninteresse war riesig – bis hin nach Amerika und Asien, aber riesig war über zwei Jahre hinweg auch die nervliche Belastung für meine Familie und meine Mitarbeiter. Wir versteigern etwa 10000 Objekte im Jahr und haben dabei einen Durchschnittszuschlag von 150 bis 200 Euro. Und dann kommt mit besagtem Kerman dieser negative Lottogewinn. Doch einen Lottogewinn macht man meistens nur einmal im Leben.

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