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Augsburg

24.09.2019

Die ersten Mitarbeiter müssen Fujitsu verlassen

Ende September beginnt die erste Austrittswelle bei Fujitsu.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Am 30. September endet für die ersten Beschäftigten ihre Zeit bei Fujitsu – Austrittswelle eins beginnt. Was das für die Mitarbeiter heißt und welches Gerücht Hoffnung macht.

Ende September ist es nun so weit und beim Computerbauer Fujitsu startet mit der ersten Austrittswelle die schrittweise Schließung des Standorts bis September 2020. Nachdem rund 350 Beschäftigte entgegen erster Annahmen doch beim japanischen Computerbauer bleiben können, andere einen Ausstieg über den (Vor-)Ruhestand wählen oder bereits bei anderen Arbeitgebern untergekommen sind, bleiben etwa 1000 der ursprünglich 1500 Mitarbeiter, die nun schrittweise das Unternehmen verlassen müssen. Wie viele Beschäftigte es in der ersten Runde trifft, lässt sich nur schwer recherchieren.

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Austrittswelle eins bei Fujitsu: Zahl der Betroffenen wohl niedriger als erwartet

Fujitsu selbst verweist auf den Datenschutz, die Agentur für Arbeit kann nur jene Mitarbeiter beziffern, die sich bei ihr als arbeitssuchend beziehungsweise arbeitslos melden. Klar scheint aber, dass sich die Zahl der Betroffenen zunächst in Grenzen halten wird. „Es werden sich in der ersten Welle bei uns deutlich weniger Menschen melden, als wir ursprünglich angenommen haben“, sagt Erika Weber, Bereichsleiterin Vermittlung bei der Agentur für Arbeit Augsburg.

Statt der geplanten 200 Mitarbeiter in der ersten Welle plant man jetzt mit rund 60, die Hilfe bei der Agentur für Arbeit suchen werden. „Ich gehe davon aus, dass davon aber die meisten noch die Chance nutzen und in die Transfergesellschaft gehen werden“, glaubt Weber. Manchen gelingt womöglich auch noch der direkte Umstieg zu einem neuen Arbeitgeber.

Die ersten Mitarbeiter müssen Fujitsu verlassen

Die im Juni auf dem Werksgelände veranstaltete Jobbörse ist bei Beschäftigten und Unternehmen gut angekommen. 89 Firmen hatten freie Stellen offeriert, für manch einen mit Erfolg, für andere wird sich hier ebenfalls noch eine Alternative auftun, sind sich die Beteiligten einig. Dazu melden sich ständig weitere Unternehmen, wie beispielsweise Go-Ahead Bayern, mit Angeboten. Der Mobilitätsanbieter hat sich vor Kurzem bei den Fujitsumitarbeitern vorgestellt. Gesucht werden technikaffine Kollegen, die als Triebfahrzeugführer, Lokführer, Werkstattmitarbeiter oder Fahrgastbetreuer arbeiten wollen. „Wir suchen für solche Treffen diejenigen Mitarbeiter bei uns im Haus, die vom Profil passen könnten“, erzählt Fujitsu-Sprecher Erhard.

Insgesamt läuft die erste Abbauwelle also ruhig an, schildert er weiter. Gewerkschaftsvertreterin Angela Steinecker ist im Wesentlichen ebenfalls zufrieden. „Über den Sommer wurde noch einmal über den Sozialplan verhandelt und es konnten weitere Anpassungen zu Gunsten der Beschäftigten erreicht werden“, erzählt sie. Auch die Transfergesellschaft sei zu begrüßen. „Sie bietet allen die Chance, noch einmal durchzuatmen, sich Tipps für eine gelungene Bewerbung zu holen und sich weiter zu qualifizieren, wenn nötig.“ Somit werden die Menschen nicht direkt arbeitslos, sondern haben mit der Transfergesellschaft – zumindest übergangsweise – einen neuen Arbeitgeber.

Im Frühjahr fand eine Protestkundgebung statt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Angst vor der Zukunft

Der Lohn kommt über Leistungen der Agentur für Arbeit (auf dem Niveau des Arbeitslosengeldes) und wird zudem vom Arbeitgeber – laut Steinecker in diesem Fall deutlich – aufgestockt.

Zwar sind die Rahmenbedingungen angesichts der Umstände gut, die Stimmung aber dennoch nicht überall. „Es gibt Beschäftigte, die mit der Lage mittlerweile ganz ruhig und sachlich umgehen. Aber auch welche, die nach wie vor Angst vor der Zukunft haben“, berichtet die Gewerkschafterin. Ältere Beschäftigte treibe sie Sorge um, ob sie auf dem Arbeitsmarkt noch attraktiv sind. Andere machen sich Gedanken, ob sie anderswo zu den gleich guten Konditionen eingestellt werden, wie sie sie bei Fujitsu dank IG- Metall-Tarif hatten. Eine Antwort darauf muss jeder selbst finden. Zu unterschiedlich sind die Ausgangslagen der einzelnen Beschäftigten, sagen Experten.

Fujitsu: Ein Gerücht macht Hoffnung

Hoffnung macht immerhin das Gerücht, nach der Übernahme einer Fujitsu-Sparte durch das Augsburger Unternehmen Kontron und den von ihm ausgeschriebenen Stellen soll es ein weiteres Unternehmen geben, das Fujitsu-Mitarbeitern eine berufliche Perspektive eröffnen will. Insidern ist das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits namentlich bekannt.

Von offizieller Seite gibt es für diese Pläne keine Bestätigung. Ebenso wenig äußert sich Fujitsu bislang dazu, wo die gehaltenen 350 Beschäftigten in Zukunft arbeiten werden. Für sie wird im Raum Augsburg nach einem Standort für neue Räume gesucht. Konkretes könne man noch nicht sagen, aber man befinde sich diesbezüglich bereits auf der Zielgeraden, hört man.

So steht es um Ledvance und Lechbäck

Die Standortschließung von Fujitsu war zuletzt nicht die einzige Hiobsbotschaft für den Wirtschaftsraum Augsburg. Zuvor hatte der Lampenhersteller Ledvance (ehemals Osram) seinen Rückzug bekannt gemacht und auch die Gersthofer Backbetriebe, zu denen die Lechbäck-Filialen gehören, haben ihr Aus verkündet.

Während bei Ledvance rund 800 Beschäftigte betroffen waren, traf die Insolvenz der Backbetriebe etwa 400 Beschäftigte. Beide Unternehmen sind inzwischen – aus Sicht der Beschäftigten – weitestgehend abgewickelt.

Ledvance Während das Werk an der Berliner Allee bereits dicht ist, schließt Ende September auch die Logistik in Lechhausen. Damit endet die Ära Ledvance in Augsburg endgültig. Nur 50 Beschäftigte sind noch für den Maschinenbau tätig, dessen Laufzeit bis Ende 2020 angesetzt ist. Dazu gibt es Verträge von einer Handvoll Mitarbeiter, die noch bis Ende 2019 beziehungsweise Anfang 2020 laufen. Die Mehrzahl der betroffenen Beschäftigten ist laut Agentur für Arbeit durch neue Jobs, den Ausstieg über den (Vor-)Ruhestand oder Qualifizierungsmaßnahmen versorgt.

Gersthofer Backbetriebe Hier saß der Schock über die Insolvenz tief, die Auswirkungen für die Mitarbeiter konnten jedoch abgefedert werden. Die überwiegende Mehrzahl der Beschäftigten kam bei neuen Arbeitgebern unter. 50 Mitarbeiter sind derzeit Kunden der Agentur für Arbeit. Davon befindet sich die Hälfte in Qualifizierungsmaßnahmen.

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