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23.11.2009

Die lange Reise zur Integration

Der junge Türke ist angekommen. Tapfer trägt er seine Koffer. Etwas verloren wirkt er in der Menge auf dem Bahnhofsplatz. Im Kinofilm "Almanya", für den gestern am Oberhauser Bahnhof gedreht wurde, ist Recep Üner einer von 100 Statisten. Einer von 100 Gastarbeitern, die 1964 in Deutschland ankamen. Damit begann der lange Weg der Integration.

Heute, 45 Jahre später, ist Üner in Deutschland vollständig integriert. Er spricht einen akzentfreien oberbayerischen Dialekt. Doch der 37-Jährige kennt auch die andere Seite. Ein Grund dafür, warum er sich entschloss, im Film als Statist mitzuwirken. "Mein Vater kam einst selbst als Gastarbeiter nach Deutschland", sagt er. "Die Umsetzung hier am Set gibt die Erzählungen meines Vaters wieder."

Es ist eine exemplarische Stadt ohne konkreten Namen, in der das Geschehen spielt. Der exemplarische Politiker, der die Arbeiter begrüßt. Das unverständliche Kauderwelsch, das er spricht - filmische Mittel, um die Hilflosigkeit der Gastarbeiter zu transportieren.

Es ist eine Szene des 114 Seiten starken Drehbuches. Eine Rückblende. Als sich im Film der sechsjährige in Deutschland geborene Türke Cenk die Frage nach seiner Identität stellt, erklärt ihm seine Cousine, wie einst alles begann. Dass 1964 sein Großvater Hüseyin als Gastarbeiter in Deutschland ankam. Neben Hüseyin Yilmaz (Fahri Yardim) kommen die Statisten-Gastarbeiter an - in Augsburg.

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"Der Oberhauser Bahnhof hat gut in das historische Bild des Films gepasst. Auch die Umgebung mit den alten Häusern im Hintergrund", so Aufnahmeleiter Jacek Gluszko. Oberhausen ist Augsburgs mulitikulturellster Stadtteil. Hier gibt es keine Mehrheiten - weder eine deutsche noch eine türkische.

Doch wie es beim Film so ist, sind auch die Dreharbeiten in Augsburg - es wurde noch in Izmir und München gedreht - langwierig. Zuerst wird die Szene fünfmal aus einer Perspektive gedreht. Mal mit Sprache, dann nur mit Lippenbewegungen. Dann fährt ein Zug vorbei, es muss abgebrochen werden. Nachdem die Einstellung im Kasten ist, wird ein Gegenschuss gemacht. Das gleiche Bild wird noch einmal von der anderen Seite gedreht. Wieder mehrere Male. Von zwei Stunden werden im Kino nur zwei Minuten zu sehen sein. Doch das ist normal. Regisseurin Yasemin Samdereli ist zufrieden: "Die Statisten, überwiegend Augsburger, schlagen sich toll." Insgesamt acht Wochen dauert die Produktion des Films. Üner freut sich schon, den Film zu sehen.

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