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25.05.2010

"Die schwarze Null, die war ich"

Was macht der Ministerpräsident a. D.? Er gibt Rhetorikseminare. Wolfgang Krebs gastierte mit seinem ersten Soloprogramm in der Mühle. Foto: Wolfgang Diekamp
Bild: Wolfgang Diekamp

"Wiederkehrende Zugkräfte führen durch Elastizitätsverlust zu charakteristischen Falten", steht im Internet. Wolfgang Krebs dürfte froh um sie sein. Denn mittels entsprechender Faltenlegung, mit virtuos originalnaher Mimik, Haltung, Sprache und Perücke gelingt dem brillanten Ministerpräsidenten-Imitator eine verblüffende Übereinstimmung mit seinen "Opfern"; zu sehen nun in der Augsburger Kresslesmühle.

Wie in der Karikatur übertreibt der Wahl-Kaufbeurer mit der bewundernswert bayernweiten Dialektpalette die prägnanten Merkmale von Stoiber, Beckstein und Seehofer so sehr, dass das Lächerliche fast umschlägt in den Ernst. Favorit seines Trios ist und bleibt der "Ministerpräsident des ehemaligen Bayern", Pardon, der "Ministerpräsident des ehemaligen Stoiber", der in Krebs' erstem Kabarettprogramm "Ja, mir kennan!" eine naiv-gnadenlose Selbstbeweihräucherung als Rhetorikseminar tarnt.

So auch am Samstagabend in der "grottigen Provinzbühne" Kresslesmühle: Von den Allüren des blauweißen Sonnenkönigs ("die gute alte Zeit bin und bleibe ich") bis zum Geständnis wider Willen ("die schwarze Null, die war ich") durchlief dabei das gut und gern belachte Programm durchaus eine Entwicklung hinter der zwerchfellfördernden Vergnüglichkeit.

Der Freud'sche Versprecher in all seinen Variationen

Das tiefenpsychologische Stilmittel zum Lacherfolg ist so einfach wie wirkungs- und kunstvoll: der Freud'sche Versprecher in all seinen denkbaren Variationen und Funktionen; sei es im Auftrag bloßer Komik ("Liebe Frau Kandisbrunzler"), als Wahrheit aus Versehen ("Lieber Herr Bundesköhler") oder in Form assoziierenden Verhaspelns ("das große Latrinum"), das andeutet, was sich Krebs alias "Stoiber mit o i" justament wohl dabei denkt. Schlicht grandios - und bitte bald wieder, Herr Edmund Krebs.

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