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24.10.2009

Die zweite Karriere des Helmut Hartmann

Er versteht sich als "einfacher Augsburger Bürger". Und doch ragt Helmut Hartmann aus der Bürgerschaft heraus. Weil er sich leidenschaftlich für das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturen einsetzte, wurde ihm 2003 der Augsburger Friedenspreis verliehen. Am morgigen Sonntag feiert Hartmann seinen 80. Geburtstag.

Wenn er rückblickend auf sein Leben sein Augenmerk auf jene Momente lenkt, die ihn besonders bewegt haben, fällt auf, dass es einen "roten Faden" gibt: die tiefe Überzeugung, dass es "die eine Wahrheit" nicht gibt. Und dass es notwendig ist, dass Menschen, die "nach dem Richtigen und Guten streben", sich zusammenschließen und verständigen.

In Erinnerung ist ihm ein Bild aus der Kindheit: Es zeigt den Großvater, Kommerzienrat Hermann Hartmann, an seinem 80. Geburtstag, umringt von den Enkeln. Einer davon ist Helmut Hartmann, der damals darüber gestaunt hat, "wie man so würdig 80 werden konnte". Hartmann stand seinem Großvater an Würde nicht nach. Er wurde Unternehmer, dessen Papiergroßhandel in der Branche einen Namen hatte, er engagierte sich im Wirtschaftsverband, in der FDP und war bayerischer Senator. Doch auch wenn er in jenen Jahren im harten wirtschaftlichen Wettbewerb persönlich "eine andere Gewichtung" setzen musste, nämlich den Aufbau und die Sanierung des Familienunternehmens, so war in seiner Biografie schon der Boden bereitet für das, wofür er sich später einsetzen sollte.

"Streng evangelisch aufgewachsen" - seine Mutter aber war Jüdin - fragte er sich, "warum sich die Kirche nicht mehr zum Schutz der Juden eingesetzt hat". "Nie wieder dürfen solche Dinge passieren", war Helmut Hartmann klar. Als dann Anfang der 90er Jahre in Mölln und Rostock die Häuser von Türken und Flüchtlingen brannten, fürchtete er, "dass nun nicht mehr die Juden, sondern die Moslems gejagt werden".

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Helmut Hartmann wollte nicht nur reden, sondern seinen Worten auch Taten folgen lassen. Nachdem er sein Unternehmen verkauft hatte, machte er sich daran, seinen Teil zu leisten, um Augsburg zu einer "Friedensstadt" zu machen. Er gründete das Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL), dem weitere interkulturelle Projekte folgen sollten. Auch stiftete er den Wissenschaftspreis für Interkulturelle Studien. Im Jahr 2003 der Augsburger Friedenspreis: "Unglaublich, überraschend, ich war fast erschüttert", erinnert sich Hartmann an seine Gefühle damals.

Sein großer Wunsch für die Stadt Augsburg ist es nun, dass diese das Thema "Friedensstadt intensiver lebt" und ausbaut. Er sagt, dass ihn traurig stimmt, wenn er sieht, dass diese Themen derzeit "aufgeweicht und verharmlost werden". "Ich bin kein Gandhi", sagt der Friedenspreisträger, aber er habe eine Vision: die Vision, "dass Einigkeit mit den anderen möglich ist". Eine Utopie? Hartmann widerspricht: Habe nicht Obama auch die Vision von einer atomwaffenfreien Welt?

Seinen Geburtstag feiert Helmut Hartmann mit der Familie und den allerengsten Freunden. Seine Frau Marianne - übrigens eine engagierte Katholikin, die sich sowohl sozial als auch für die Ökumene engagiert -, seine drei Kinder und die sechs Enkelkinder zählt Hartmann ganz entschieden zu dem, was sein Leben reich macht. Kommende Woche gibt die Stadt dann einen Empfang im Rathaus.

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